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Steinbergkirche : Der Kampf um den Wald geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Landwirt kündigt die Rodung in Gintoft noch für diese Woche an.

Steinbergkirche | Der Streit um den kleinen Wald von Gintoft hat eine neue Eskalationsstufe erreicht – und vielleicht ist es noch nicht einmal die letzte. Zur Erinnerung: Landwirt Peter von Spreckelsen wollte schon im vergangenen Jahr einen etwa zwei Hektar großen Schulwald auf seinem Land roden, um mehr Ackerfläche zu erhalten. Die Genehmigung lag bereits vor, dann aber schaltete sich das Umweltministerium ein, aufgeschreckt durch den öffentlichen Protest. Eine weitere Prüfung ergab, dass die Genehmigung aufgrund eines fehlerhaften und nicht weiter untersuchten Gutachtens erteilt worden war. Die Rodung wurde in letzter Minute untersagt.

Damit ließ es der Landwirt aber nicht bewenden. Er legte Widerspruch ein – und setzte sich durch. Er ließ, so das Ministerium, seinen Wald durchforsten, sodass sich nun keine Bäume mehr mit Habitatqualität für besonders geschützte Arten darin befinden. So musste die Forstbehörde dem Widerspruch stattgeben – zähneknirschend und mit der Einschränkung, dass ein gesetzlich geschützter Quellbach und 2600 Quadratmeter an seinem Verlauf verschont bleiben müssen. Der Bescheid wurde Mitte Juli erteilt.

Seitdem laufen die Bürgerinitiative „Schönes Angeln“, der Naturschutzbund (Nabu) und die Grünen Sturm. Der Kreisverband von Bündnis 90  /  Die Grünen zeigte sich entsetzt: Bestürzt und wütend habe man die Entwicklung zur Kenntnis genommen. Spreckelsen habe wissentlich die Schutzwirkung der Gesetze umgangen und unredlich das eigene Gewinnstreben über den Erhalt der wenigen verbliebenen schützenswerten Flächen in Schleswig-Holstein gestellt. Ihre Forderung: Erhalt des Waldes sowie die Novellierung der betreffenden Gesetze, um solchen Missbrauch in Zukunft vermeiden zu können.

Die Bürgerinitiative „Schönes Angeln“ will sich mit Appellen nicht zufriedengeben, sondern notfalls sogar zu einer Demonstration vor dem Wald aufrufen. „Wir werden uns mit vielen Bürgerinnen und Bürgern massiv gegen die Rodung wehren“, sagte Sprecher Manfred Lurz. „Das massenhafte Fällen von 70 Jahre alten Bäumen in der Vergangenheit, die Sinnhaftigkeit des großflächigen Maisanbaus, der Bau von Windparks in schönen kleinflächigen Landschaften und der Versuch, ein kleines Biotop zu schützen, zeigen die komplexe Interessenlage der verschiedenen Akteure.“ Die Bürgerinitiative bezweifelt, dass es dem Landwirt nur darum geht, mehr Mais anzubauen. Sie vermutet vielmehr, dass ein kleiner Windpark das eigentliche Ziel sei. Und dafür sei jedes Mittel recht.

Das Umweltministerium erklärte auf Nachfrage, man werde das weitere Vorgehen rund um die geplante Waldumwandlung aufmerksam begleiten. Zurzeit beschäftige sich das Ministerium mit weiteren Anträgen, die das Wäldchen und das Quellbachbiotop betreffen.

Während sich Peter Spreckelsen selbst nicht zu der ganzen Angelegenheit äußern wollte, bestätigte die Untere Naturschutzbehörde des Kreises gestern, dass der Mann den Antrag gestellt habe, auch den geschützten Bach beseitigen zu dürfen. Zuvor habe der Landwirt den Bach mit einem „Bypass“ versehen, der zur Austrocknung führe. „Wir haben daraufhin die sofortige Wiederherstellung angeordnet“, erklärte Hinrich Vorpahl, der beim Kreis für Naturschutz in Angeln zuständig ist. Geregelt ist die Angelegenheit noch nicht, jetzt haben vielmehr erst einmal die Anwälte das Wort.

Der neueste Rodungsbescheid wird rechtskräftig, wenn der Landwirt nicht bis zum 20. August Klage vor dem Verwaltungsgericht erhebt. Vielleicht geht aber auch alles viel schneller: Gegenüber der Unteren Forstbehörde hatte der Landwirt angekündigt, mit der Rodung noch in dieser Woche beginnen zu wollen, wie Leiterin Julia Thiele erklärte. Ihre Antwort darauf war eindeutig: „Wenn da vor dem 1. Oktober irgendetwas passiert, werde ich das stoppen.“

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erstellt am 08.Aug.2017 | 15:11 Uhr

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