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Lesung in Flensburg : Der Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Beruf: Hure“ – Lesung aus einem Brief der griechischen Autorin Lily Zografou

Die Münchnerin Victoria Mali las im Orpheus-Theater aus einem Brief der in Deutschland wenig bekannten griechischen Autorin Lily Zografou. Thanasis Bagatzounis begleitete die Lesung mit einigen griechischen Liedern zur Gitarre. Der Brief ist Teil einer Sammlung von autobiografisch geprägten Kurzgeschichten, die in Griechenland unter dem Titel „Beruf: Hure“ bereits 1978 erschienen. Zografou schildert darin Erlebnisse aus der Zeit der Militärjunta (1967–1974), die für sie von Berufs- und Ausreiseverbot und dem Kampf ums nackte Überleben geprägt war. „Meine Revolution wird sich nicht gegen das Establishment und sein System richten, sondern gegen all jene, die es ertragen“ schrieb Lily Zografou.

Sie wurde 1922 geboren und wuchs in der patriarchalisch geprägten Gesellschaft Kretas als Tochter eines leidenschaftlichen Journalisten auf. Im 2. Weltkrieg schloss sie sich der antifaschistischen Befreiungsbewegung an und brachte später in der deutschen Haft eine Tochter zur Welt. In Griechenland auch als unabhängige Journalistin bekannt, veröffentlichte sie insgesamt 24 Romane, Theaterstücke und Essays. Der 1994 erschienene Roman „Die Frauen Kretas“ wurde für das griechische Fernsehen verfilmt, womit sie zu einer erfolgreichen und umstrittenen Schriftstellerin ihres Landes avancierte. Ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema ihres Werkes ist der Kampf der Frauen für Selbstbestimmung, Freiheit und Unabhängigkeit, obwohl sich Zografou selber als leidenschaftliche Antifeministin bezeichnet. Sie starb am 2. Oktober 1998 auf Kreta. In Deutschland wurden bisher vier ihrer Bücher veröffentlicht und der Verlag Edition AV kündigt weitere Übersetzungen an.

„Ich finde es wichtig, in den heutigen Zeiten die Ohren offenzuhalten, wir müssen aufpassen“ sagt die Leiterin des Orpheus-Theater, Conny Meesenburg im Hinblick auf undemokratische Entwicklungen in den USA und der Türkei, „deshalb sind diese Geschichten hochaktuell“.


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