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Neue Ausstellung : Der Irritator schweigt zu seiner Kunst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

René Shoemakers glänzt mit ebenso meisterlicher wie rätselhafter Malerei auf dem Museumsberg. Die Ausstellung „The Missing Kink“ wird morgen eröffnet.

Flensburg | „Ich bin gut in der Irritation, aber schlecht in der Auflösung.“ Sagt der Künstler mit einem Blitzen in den Augen und einem leicht spöttischen Zug um den Mund – und lässt den Betrachter mit seiner Kunst allein. Morgen, bei der Eröffnung der Ausstellung „The Missing Kink“ auf dem Museumsberg, ist noch einmal Gelegenheit, den Künstler selbst zu fragen: „Warum sind da überall Flammen? Warum hat die Frau einen Pflasterstein in der Hand? Was bedeuten die großen Nägel?“

René Shoemakers Bilder irritieren und faszinieren gleichermaßen. Sie lassen einen nicht kalt, weil sie provozieren, vielleicht den einen oder anderen auch abstoßen, sie geben Rätsel auf, die man gern lösen möchte, und sie sind ein Stück weit einfach nur ästhetisch in ihrer Präzision, mit der Shoemakers die Detailtreue auf die Spitze treibt.

Wie schon zuvor bei Daniel Spoerri hat Museumsdirektor Michael Fuhr den Kieler Künstler animiert, seine Werke unter die Exponate in der Dauerausstellung des Heinrich-Sauermann-Hauses zu mischen; Shoemakers nimmt ohne Berührungsängste Bezug auf die zum Teil mittelalterlichen Werke, spielt mit ihnen und erlaubt sich den Spaß, die Strichmännchen der Beleuchtung für die Notaufgänge zu variieren sowie Feuerlöscher und Schalter in grafische Kompositionen zu integrieren.

Wiederkehrende Elemente und Motive sind ein weiteres Merkmal in „The Missing Kink“. Da ist diese unbekleidete Frau, stehend, liegend, von vorn, von hinten, im An- oder Ausschnitt, die den Besucher quasi durch die Ausstellung begleitet. Fast fällt es schwer, ihrem offenen, direkten Blick in dem großen Hochformat „on what there is II“ standzuhalten. Im Arm hält sie eine kleine Holzfigur mit Flammenkopf, die sie auf einem weiteren Bild mit Klebeband zwischen ihren Brüsten fixiert hat. Da dieses Bild zwischen den mittelalterlichen Madonnen mit Kind hängt, könnte man auf die Idee kommen, dass der kleine Flammenkopf das Jesus-Kind sein könnte. Aber, wie gesagt, mit den Bedeutungen der Bilder ist es so eine Sache. „Shoemakers hat ein Philosophie-Studium im Rücken“, warnt Michael Fuhr. Aber die Bilder erklären? Bitte nicht. Christoph Tannert sieht in dem Selbstporträt „The pale King“ eine „Kreuzung aus rollenverunsichertem Richard III. und bebrilltem Kunstlustmolch“. Kann man so sehen.

Aber gern berichtet er, wie sie entstehen. Er hat eine Bildidee und komponiert diese zunächst am Computer. Später überträgt er dieses Bild auf Papier, ändert Dinge, rückt sie zurecht, verwirft, ergänzt und erst zum Schluss malt er sie „in altmeisterlicher Manier und in bis zu 20 Schichten“, so Fuhr, auf die Leinwand.

Wer mag, darf sich an Hieronymus Bosch erinnert fühlen. „Der Reiz ist das Nicht-Eindeutige“, sagt der Gastgeber. Da sieht man kleine Figuren auf einer Insel in braunem Wasser, alles zusammen in einer Glaskugel, die zudem noch einen Lichtreflex hat – vielleicht vom Blitzlicht eines Fotografen? Die Flammen tauchen dann plötzlich wieder in voralpiner Landschaft am Forgensee bei Füssen auf. Immer wieder setzt Shoemakers Textbrocken in oder zu den Bildern, gern auf Latein. „Die Malerei ist die Hure des Kunstbetriebs“ steht da etwa, und das soll Ulrich Horstmann, Nebenerwerbszuhälter im Kieler Milieu gesagt haben. René Shoemakers wird’s wissen. „Im Grunde habe ich nur drei Ideen, die ich unendlich ausgewalzt habe“, rutscht es ihm beim Rundgang heraus. Das ist nun wirklich etwas untertrieben.

 

 

 

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erstellt am 15.Feb.2015 | 12:45 Uhr

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