Der Hüter des Wasserturms

Eingespieltes Team: Peter Straßburg und Yorkshireterrierdame Eylin. Foto: jolly
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Eingespieltes Team: Peter Straßburg und Yorkshireterrierdame Eylin. Foto: jolly

Peter Straßburg führt jeden Besucher gern zur Aussichtsplattform - unten wartet Hündchen Eylin

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Flensburg | Es war ein bestenfalls mittelprächtiger Tag am Wasserturm - aus touristischer Sicht jedenfalls: Ganze fünf Besucher hat Peter Straßburg bis 15 Uhr mit dem Fahrstuhl auf die Aussichtsplattform des 27 Meter hohen Wasserturms chauffiert oder die 135 Stufen hinaufkraxeln lassen. Und wenn zur Kaffeezeit keiner mehr kommt, dann ist das Geschäft meist vorbei - wobei der Begriff "Geschäft" bei einem Euro Eintritt für Erwachsene und 50 Cent die Liebhaberei des Rentners Straßburg kaum trifft. Dienstags bis sonntags, so steht es im Faltblatt der Stadtwerke, öffnet der anderthalb Millionen Liter Trinkwasser fassende Turm von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr. Straßburg ist aber meist schon um 8 Uhr da - und schließt den türkisfarbenen Turm auf. "Die meisten Touristen kommen nämlich morgens früh", hat Straßburg festgestellt. 19 Jahre hat er selbst als Wasserwerker bei den Stadtwerken gearbeitet.

So einer weiß natürlich allerhand zu berichten - zum Beispiel, dass der Wassertum 1961 im Volkspark für 970 000 D-Mark Baukosten entstand oder, dass das Fundament einen Durchmesser von 20 Metern hat. Und natürlich, dass der "Wasserturm Mürwik", so die offizielle Bezeichnung des Turms im Herzen Fruerlunds , bestimmt nie seine Funktion verlieren dürfte: "Ohne den gehts gar nicht. Dann würden viele Leute im Flensburger Osten kein Wasser haben." Fruerlund, Mürwik, Engelsby, Jürgensby - alle großen Stadtteile auf der Ostseite sind vom Druck des Wasserspeichers abhängig.

Für manchen Flensburger ist der Wasserturm von 1961 eine verspätete architektonische Sternstunde der 50er Jahre, für die meisten Besucher bietet er vor allem einen schönen Aussichtspunkt über die Altstadt und Teile des Hafens. Das Wasser selbst ist allerdings nur zwischen Harniskai und Fahrzeugwerke zu sehen - und hinter der Werft, wo sich die gesamte Bucht von Wassersleben erstreckt. Auf der Ostseite liegt dem Wasserturm das gerade überplante Neubaugebiet zu Füßen. "Bald kommt die Hecke an der Straße weg", weiß Straßburg. Für das Neubaugebiet soll der Weg um drei Meter verbreitert werden.

Wenn heute das Wetter wieder gut ist, hofft Straßburg auf 30, 40 oder mehr Gäste. Zur Erfrischung bietet er Eis aus der Truhe.

Mittlerweile ist es bereits 15.45 Uhr - und der Hüter des Wasserturms ahnt. "Heute kommt bestimmt niemand mehr." Yorkshirehündchen Eylin (4) stört das nicht. So hat die kleine Hundedame ihr Herrchen ganz für sich allein.

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