Der Hobby-Militärhistoriker

Winfried Brandes erforscht seit über 30 Jahren die Flensburger Militärgeschichte

shz.de von
20. September 2011, 03:59 Uhr

flensburg | Manche Menschen sammeln Briefmarken, Winfried Brandes großes Interesse gilt der Flensburger Militärgeschichte. Nun füllt der ehemalige Berufssoldat seit über 30 Jahren die Lücken, die in den Geschichtsbüchern und Chroniken über die Fördestadt geblieben sind. Wandel und Entwicklung von Heer, Marine und ihren Einrichtungen spielte in den meisten Veröffentlichungen nämlich nur eine untergeordnete Rolle. "Vieles wurde eben vernachlässigt. Deswegen habe ich selbst die Initiative ergriffen", sagt der 69-Jährige.

Sein aktuelles Werk beschäftigt sich mit dem Heeresverpflegungsamt in Harrislee. "Die Versorgung der Truppe - Ohne Mampf kein Kampf", lautet augenzwinkernd der Titel. Seit 1938 ernährte die Einrichtung die Truppen in Schleswig-Holstein und Hamburg, seit 2006 wird hier Bekleidung für die Kameraden hergestellt.

"Die Recherche für die Arbeit hat sicherlich über ein Jahr gedauert", berichtet Winfried Brandes. Schließlich hatte er zahlreiche Zeitzeugen zu dem Thema befragen müssen. "Wegen der weitestgehenden Schließung der meisten militärischen Einrichtungen der Stadt musste ich meine Interviewpartner überhaupt erst einmal finden." Winfried Brandes konnte viel über die Entwicklung des Heeresverpflegungsamts herausfinden. So war beispielsweise nach der Kapitulation 1945 auch die Wehrmacht an der Bewachung der Lebensmittelreserven beteiligt - natürlich unter dem Kommando der britischen Besatzer. Angesichts der 40 000 Kriegsflüchtlinge in Flensburg wurde entschieden, die Nahrung auch an die Zivilbevölkerung zu verteilen.

Brandes Arbeit ist längst noch nicht zu Ende; die derzeitige soll mit Hilfe anderer Autoren zu dem Buch "50 Jahre Heeresgarnision Flensburg" erweitert werden, dessen Veröffentlichung für 2013 geplant ist. Momentan beschäftigt sich der Hobby-Historiker mit der Entwicklung der Kasernen in der Meiereistraße 4 und Junkerhohlweg 17 und mit dem ehemaligen Ledigenwohnheim in der Swinemünder Straße. Man darf gespannt sein.

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