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Neuer Geschäftsführer : Der "Herr der Sterne" schaltet einen Gang zurück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wachablösung bei Klaus & Co: Reimer Offenborn geht nach 26 Jahren als Geschäftsführer in den Ruhestand. Standing Ovations bei der Verabschiedung.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Flensburg | Er weiß noch nicht so richtig, wie es wohl sein wird, das Lenkrad loszulassen. Und bei Klaus & Co werden Kunden und Mitarbeiter sicher auch noch ein bisschen Zeit benötigen, bis sich gesetzt hat, dass der Geschäftsführer des Flensburger Mercedes-Vertragshändlers Andreas Dornburg heißt, und nicht mehr Reimer Offenborn. Vergangenen Freitag wurde der 65-Jährige offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Und zwar mit „Standing Ovations“ der Belegschaft. Selbst die Urlauber waren gekommen. Ganz klar: Der Wechsel an der Spitze des Flensburger Traditionsunternehmens war weit mehr als nur eine Personalie.

Für den Stuttgarter Premium-Fabrikanten waren es goldene Jahre. Als der junge Reimer Offenborn am 1. Mai 1980 sein Büro in der Liebigstraße als neuer Verkaufsleiter bezog, war die Auslieferung eines neuen Mercedes-Automobils immer noch eine Art Gnadenakt des Herstellers. Lieferzeiten von anderthalb Jahren waren ebenso selbstverständlich wie die dürftige Basisausstattung der Fahrzeuge und die gepfefferte Aufpreispolitik, die sich der unangefochtene Premium-Hersteller leisten konnte. Der Benz war Status und Statement – da stellte man sich als Kunde willig hintenan.

Neun Jahre später, Offenborn war jetzt Geschäftsführer, hatte der Wandel bereits eingesetzt. Er sollte treuer Begleiter des gebürtigen Preetzers werden. Der Wettbewerb wurde härter. Der Fahrzeugabsatz vervielfachte sich global, aber der deutsche Markt blieb konstant und war hart umkämpft. „Wir verkaufen damals wie heute jährlich gut 600 Fahrzeuge“, so Offenborn. Allerdings sind mit BMW und Audi mittlerweile zwei Konkurrenten auf Augenhöhe unterwegs und die idyllische Überschaubarkeit von einstmals drei Modell-Plattformen – Baby-Benz, Mittelklasse und S-Klasse – ist längst dahin. „Die Anforderungen im Vertrieb sind wirklich enorm gestiegen“, sagt Offenborn.

Und sie werden nicht weniger. Andreas Dornburg steigt zu einem Zeitpunkt ein, an dem das Auto scheinbar neu erfunden wird: Selbstfahrende Fahrzeuge, die Entwicklung des „connected Car“, des digital vernetzten Automobils, sind nur zwei Stichworte. Neue Definitionen für Mobilität, sinkende Markenloyalität, grüne Antriebskonzepte weitere Herausforderungen an den Hersteller und seinen Vertragspartner vor Ort. Gegen all diese Herausforderungen tritt der 49-jährige Dornburg mit der gleichen Philosophie an, die auch seinen Vorgänger Reimer Offenborn geleitet hat: „Service,Service und noch einmal Service.“

Es gehört zu den Kuriositäten des Geschäftes, dass Offenborn in Dänemark einen treuen Kundenstamm weiß. „Das sind Leute, die Flensburg ein oder zwei Tage besuchen und ihr Auto bei uns in Deutschland warten lassen. Warum, hat er einen dieser Kunden gefragt. Ihr seid schneller, ihr seid kompetenter, günstiger, vor allem aber: Ihr seid freundlich, kam es zurück. Im übrigen scheint diese Erkenntnis Kreise zu ziehen. Offenborn hat mittlerweile auch die Stammkarte eines Mercedesbesitzers aus Norwegen in der Kartei.

Größer geworden ist das Unternehmen außerdem. Gewachsen ist es um den Niebüller Vertragshändler Hoepner und die Kappelner Vertragswerkstatt von Daimler Benz. Gewachsen auch in der LKW-Branche, wo Klaus & Co. NAS in der Region an führender Stelle steht. Verdoppelt die Belegschaft auf jetzt 198 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Das Haus ist überragend aufgestellt“, freut sich der neue Mann.

35 Jahre Klaus & Co – das hinterlässt zwangsläufig Spuren. Dornburg hat das alles noch vor sich, Offenborn genießt es schon lange: die Transparenz und Übersichtlichkeit der Stadt. „Beim Sommerball des Zeitungsverlages brauchten wir wegen der vielen Begrüßungen gefühlt wohl zwei Stunden vom Auto zum Sitzplatz“, scherzt Dornburg. Auch das ist es, was Reimer Offenborn gepflegt hat. Die Kontakte und die Präsenz seines Unternehmens in der Stadt.

Die LKW-Halle als Konzertsaal war eine sehr erfolgreiche Gemeinschaftserfindung mit seinem Freund Thomas Liebelt. Im Club 100, dem Förderverein der Wirtschaft für die Handball-Bundesligamannschaft SG Flensburg-Handewitt, war er auch. Das Staffelholz dort hält jetzt Andreas Dornburg. Und zwar mit echter Handball-Begeisterung. Auch wenn er in Dortmund groß geworden ist – Andreas Dornburg ist Handball-Fan durch und durch und gefühlt schon seit langem Schleswig-Holsteiner. Mit Stationen in Lübeck, Hamburg, Schwerin, Rostock und zuletzt Frankfurt /Main ist er im Daimler-Imperium schon gut herumgekommen, aber durch seine aus Bad Oldesloe stammende Ehefrau hat er eine deutlich nördliche Prägung erfahren. „Als ich die Anzeige gesehen habe, dachte ich Super! Da musst du hin!“

Reimer Offenborn, der der Automobilbranche in der Innung und auch der IHK als Vizepräsident ein Gesicht gegeben hat, nimmt sich jetzt die Zeit, ein neues Leben kennen zu lernen. Nach den intensiven Jahren an vorderster Unternehmensfront will er sich die neuen Möglichkeiten in Ruhe anschauen. Die Familie, Enkelkind,Reisen. „Ich werde wohl auch endlich Zeit haben, mein Golfspiel zu verbessern“, kündigt er an. Das wird ihm ganz zweifellos gelingen. Als gestandener Mercedes-Mann hat er das Unternehmens-Motto bis jetzt ja geradezu vorbildlich gelebt: Das Beste oder Nichts.

 

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