Flensburger Hafenspitze : Der Herr der Liegeplätze

Immer freundlich zu seinen segelnden Gästen: Hafenmeister Holger Lassen (links) im Gespräch mit Linda Feil und ihrem Vater Frans aus dem holländischen Enschede.
Immer freundlich zu seinen segelnden Gästen: Hafenmeister Holger Lassen (links) im Gespräch mit Linda Feil und ihrem Vater Frans aus dem holländischen Enschede.

Holger Lassen ist als Hafenmeister im Stadthafen Ansprechpartner für die segelnden Gäste – und hat bei allem Stress die Ruhe weg.

shz.de von
26. Juli 2014, 18:22 Uhr

Sommerferien, perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände fast automatisch in den Blick von Flensburgern und Feriengästen. Deshalb bringt das Tageblatt seine Sommerserie „An der Wasserkante“. Heute: der Stadthafen Flensburg.

Eigentlich ist das Büro des Hafenmeisters ab elf Uhr vormittags geschlossen. Bis 15 Uhr, so steht es groß am Fenster. Eigentlich – aber bis zur Tür hinaus stehen die Kunden auch noch um 11.30 Uhr und später. „Volle Bude, solange ich hier nur zu sehen bin, kommen ständig wieder Leute rein, das hört nie auf“, winkt Holger Lassen ab und lacht. Er ist es nicht anders gewohnt, vor allem zur Ferienzeit. 160 Liegeplätze hat der Flensburger Gastseglerhafen, bis 20 Meter Schiffslänge ist eine Unterbringung problemlos möglich, für Katamarane gibt es extra Plätze an den Brückenköpfen. Und in diesen Wochen ist es jeden Tag rappelvoll. „Wenn die Einheimischen im Urlaub sind, belegen wir auch deren Plätze mit Besuchern. Dass wir Leute abweisen müssen, kommt nur sehr selten vor“, erzählt Hansen.

Der 72-Jährige hat trotz der ständigen Belagerung im Büro oder bei seinen Kontrollgängen auf den sieben Brücken des Yachthafens die Ruhe weg. Als gelernter Bootsmann hat er früher viel erlebt, war rund um den Globus unterwegs auf großer Fahrt in Kuba, Australien oder Kanada. Vor 14 Jahren ist der seit 30 Jahren Verheiratete dann schließlich sesshaft geworden, kam nach einem halben Jahr auf dem ersten Hafenmeister-Posten in Glücksburg direkt in seine Heimatstadt zurück. „Wenn man älter wird, sucht man sich eben eine Stelle an Land“, sagt Lassen. Er teilt sich die Aufgabe mit seinem irischen Kollegen Alfred O’Brien, arbeitet mittlerweile nur noch in Teilzeit, aber mit Spaß: „Ich fühle mich sauwohl hier.“

Kein Wunder, früher bereiste Lassen die Welt, heute kommt die Welt zu ihm. Dänen, Holländer, Schweden, Norweger, Engländer, seltener auch Polen oder Iren, als absolute Exoten Australier oder US-Amerikaner – Lassens Kundschaft ist international. Gut, dass er sich in all diesen Sprachen verständigen kann. Denn bei Lassen werden nicht nur die Liegegebühren bezahlt, die je nach Länge des Bootes zwischen 14 und 20 Euro pro Nacht variieren. Er gibt auch die Geldkarten aus, mit denen sich Strom und sanitäre Anlagen im Hafen nutzen lassen. „Gerade die etwas älteren Segler verstehen oft das Prinzip nicht, das muss ich ja erklären können.“ Als Hafenmeister ist der Flensburger darüber hinaus auch Fremdenführer. „Die Leute fragen nach Sehenswürdigkeiten, Museen, nach der Phänomenta, wollen wissen, wie sie am besten in die Stadt kommen oder wo Einkaufsmöglichkeiten sind.“

Die meisten Gäste bleiben ein bis drei Tage, Probleme gibt es Lassen zufolge kaum, dieses Jahr ist noch kein Unfall passiert, keine Verletzten mussten versorgt werden. Nur wenn abends bis nach Mitternacht auf den Booten gefeiert wird, greift er bei Beschwerden der Liegeplatz-Nachbarn manchmal ein, verwarnt die Störenfriede. Theoretisch darf er auch ein Hafenverbot aussprechen. „Aber wir haben hier allgemein ein sehr gutes Miteinander“, sagt Lassen. Man kenne viele Gäste über Jahre. „Der Kontakt mit den Leuten macht ja auch immer wieder am meisten Spaß, der Klönschnack, der Austausch.“

Lassen ist selbst Segler, er hat ein kleines Boot im Hafen liegen. „Ab und zu vor und nach der Saison komme ich auch öfter zum Segeln“, sagt er. Das könnte sich ändern, denn „in ein bis zwei Jahren ist wohl Schluss“. So ganz sicher ist sich Holger Lassen da offenbar nicht und schiebt gleich hinterher: „Aber wenn ich noch fit genug bin, mache ich vielleicht weiter.“


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