Süderbrarup : Der Herr der Bücher

Buchhändler aus Leidenschaft: Lothar Schröder in seinem Süderbraruper Laden.
Buchhändler aus Leidenschaft: Lothar Schröder in seinem Süderbraruper Laden.

Lothar Schröder führt seit 1989 einen Laden in Süderbrarup – und ist überzeugt, dass die gedruckten Werke auch in Zukunft noch gefragt sind.

shz.de von
04. Januar 2018, 12:50 Uhr

Der Frage nach der Zukunft des Buches und des Buchhandels begegnet der Süderbraruper Buchhändler Lothar Schröder mit einem Lächeln. „Wir werden seit einer Generation totgesagt, als der Farbfernseher die Wohnstuben eroberte, dann kam der PC und beim E-Book Auftritt sollten die Totenglocken endgültig läuten.“ Doch dem ist nicht so. Das E-Book habe seinen Marktanteil nicht über fünf Prozent steigern können, dagegen habe das gedruckte Wort nichts von seiner Attraktivität eingebüßt, begründet Schröder seine Einstellung. Vor Weihnachten habe das Buch als Geschenk wieder hoch im Kurs gestanden. Schröder ist überzeugt davon, dass es auch in Zukunft das gedruckte Buch geben wird. Er ist sogar so zuversichtlich, dass er seinem Sohn sein Geschäft übergeben will.

Die Liebe zu Büchern liegt bei Familie Schröder in den Genen. Neben seinem Vater, der als erster einen Buchhandel in Schleswig eröffnete, ist sein Bruder heute als Buchhändler in der Schlei-Stadt tätig. Lothar Schröders Sohn hat die Buchhandlung am Twedter Plack in Flensburg eröffnet. Über die Regelung der Nachfolge sei er sehr froh, unterstreicht der 65-Jährige. „Damit ist die Tradition der Schröders als Buchhändler gesichert.“

Sein Vater Hans-Jürgen, eröffnete 1959 in Schleswig einen kleinen Buchladen. 16 Quadratmeter groß, erinnert sich der Sohn. Dort gab es auch Spielwaren zu kaufen und die Bücher wurden verliehen. 1961 wurde ein neuer, größerer Laden eröffnet. Nun standen 100 Quadratmeter für neue Bücher, Schreibwaren und Kunstartikel zur Verfügung. „Ich bin mit Büchern groß geworden“, sagt Schröder. Das Studium der Fächer Archäologie, Kunstgeschichte und Germanistik wurde ihm zu theoretisch. Er suchte etwas Handfestes und begann eine Tischlerlehre, die er mit dem Gesellenbrief abschloss.

Trotz allem war die Liebe zum Buch stärker und so eröffnete Lothar Schröder 1989 in Süderbrarup ein Buchgeschäft. Auch nach fast 30 Jahren ist er leidenschaftlicher Buchhändler, freut sich, seine Kunden beraten zu können und ist dankbar über ihre Anregungen. „Der Beruf des Buchhändlers lebt von der Kundenbeziehung“, sagt Schröder, denn diese Beziehung sei ein wichtiger Überlebensteil der kleinen Buchläden. Die Konkurrenz sei sehr groß, insbesondere durch den Internet-Buchhandel.

3000 Bücher stehen in seinem Geschäft in den Regalen. Natürlich hat er nicht alle gelesen, aber viele davon. Durch seine langjährige Berufserfahrung kennt er den Stil vieler Autoren, deren bevorzugte Themen, aber auch Schwächen. Grundlage für die die Beziehung zum Leser ist, herauszubekommen, welche Themen ihn interessieren und ihm dann das Buch zu empfehlen, das zu ihm passt.

Dass das Leseverhalten der Menschen in der Provinz eingeschränkt ist, bestreitet Schröder. Das Gegenteil sei der Fall: „Bei uns ist durch die Touristen, aber auch Menschen mit unterschiedlichen Interessen, eine große Bandbreite an Büchern gefragt.“

Individualität steht für jeden Buchhändler ganz oben an. Jedes Buch wurde nach den Kundengruppen ausgewählt, die bei ihm ein Buch kaufen. Unterhaltungsromane und Krimis gehen nach wie vor, aber auch das regionale Buch, der „Hinter dem Deich“-Krimi, wird stark nachgefragt. In diesen Büchern findet sich der Leser wieder, er kennt den Ort des Geschehens und fühlt sich beim Lesen mittendrin.

Und die Zukunft? Lothar Schröder ist überzeugt, dass der Buchhandel wichtig ist, um die mediale Vielfalt zu sichern. Aber auch er weiß, dass sein Geschäft nur überleben kann, wenn junge Leute die Lust am Lesen entdecken. Die sozialen Medien seien dabei hilfreich. Dort werden Themen diskutiert, die dazu anregen, im Buchhandel nach bestimmten Themen und Büchern zu suchen.

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