Der "harte Kern" wird immer kleiner

Bitte an Bord kommen zu dürfen! Ein Mitsegler entert das Deck des Haikutters 'Lina', die wie die drei anderen Traditionssegler viele 'Sehleute' mit auf Törn nahm. Foto:  Dewanger
Bitte an Bord kommen zu dürfen! Ein Mitsegler entert das Deck des Haikutters "Lina", die wie die drei anderen Traditionssegler viele "Sehleute" mit auf Törn nahm. Foto: Dewanger

Grog-Törn des Museumshafens nur noch mit vier Seglern / Weihnachtsregatta für Dichter und Sänger / Stimmungsvoller Ausklang auf der "Gesine"

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27. Dezember 2012, 06:17 Uhr

Flensburg | Der harte Kern schmilzt. Der Grogtörn 2012 gestern war wie gehabt fröhlich, schietig und schön - aber es ist unübersehbar, dass die Schar der Feiertagssegler rückläufig ist, die sich in alter Tradition am 2. Weihnachtstag am Bohlwerk zu einer gemeinsamen Ausfahrt treffen. Gerade noch vier Traditionssegler machten die Leinen los, die in früheren Jahren freundlich begrüßten "Yachties" von der Sportboote-Fraktion waren auch dieses Mal lieber zu Hause geblieben. Wenigstens flankierten drei Motorschiffe mit (immer noch) zahlreichen Schaulustigen an Bord die Ausfahrt.

Vielleicht waren aber auch die Witterungsbedingungen der "Regatta des harten Kerns" zu lieblich. Das verschneite Frostwetter war Heiligabend von einer Warmfront aufgelöst worden, bei milden 7 Grad machte sich die kleine Flotte auf den Weg zu den Ochseninseln, und wahrscheinlich hatte der prominente Polar-Fuchs Arved Fuchs mit seiner "Dagmar Aaen" den Törn nicht wegen des milden Wetters sausen lassen, sondern weil er morgen von Flensburg aus auf Expeditionsfahrt zu den Lofoten geht. Da wird es noch kalt genug.

Zum Glück hatte in letzter Sekunde noch mit Joachim Kowalski ein Skipper mit Dickschiff die Planken des Bohlwerks betreten. So konnten auch die letzten Landratten, die sich hoffnungsfroh mit einer hochprozentigen flüssigen Eintrittskarte an der Wasserkante eingefunden hatten, auf dem großen Heringslogger "Ryvar" eine Mitfahrgelegenheit ergattern. Unter "Geleitschutz" des von Günther Wulf gesteuerten Museums-Kümo "Gesine", dem Flensburger Mini-Butterdampfer "Libelle" und dem Touristen-Kreuzer "Möwe" wagten sich "Ryvar", "Fulvia", "Bodil" und "Lina" bis weit in die Wassers lebener Bucht. Und das in recht flotter Fahrt. Vier Windstärken aus West ließen die Ochseninseln schnell näher kommen, der Rückweg, gegen den Wind, war entschieden der kältere Teil - und der längere.

Ausreichend Zeit, traditionell Reime zu schütteln und Verse zu schmieden, denn traditioneller Bestandteil eines jeden Grogtörns ist nicht nur die Kür des originellsten Teekessels, sondern auch der schönsten Gedichte, die dann später im sicheren Hafen gerne auch singend vorgetragen werden dürfen - oder auch nicht. Im letzten Jahr mussten aus dem leicht verfremdeten Siegerlied "Leise rieselt der Schnee" aus Schicklichkeitsgründen die letzten beiden Strophen gestrichen werden.

Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit waren die Boote wieder am Bohlwerk zurück - und damit begann der gemütliche Teil. Im gut geheizten Laderaum der "Gesine" ließen Sehleute und Seeleute den Zweiten Weihnachtstag stimmungsvoll ausklingen, wobei die Pegel der flüssigen Eintrittskarten dem Strom des heißen Grogs folgend beständig niedriger wurden.

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