Flensburger Hafen : Der Harniskai ist wieder frei

Hafenhalbinsel mit speziellem Charme auf der Ostseite: Die Harniskaispitze hat zuletzt trotz schwieriger Rechtslage Farbe bekommen.
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Hafenhalbinsel mit speziellem Charme auf der Ostseite: Die Harniskaispitze hat zuletzt trotz schwieriger Rechtslage Farbe bekommen.

Die Zeit für die Pächterin der Harniskaispitze ist abgelaufen. Die Stadt siegt im Rechtsstreit um den Heimfall des an die dubiose High-Tech-Firma Tycoon verpachteten Traumgrundstücks.

shz.de von
24. Januar 2015, 08:24 Uhr

Es ist vorbei. Donnerstag, 24 Uhr, lief für die Pächterin der Harniskaispitze die letzte Frist ab, den von der Stadt geforderten Heimfall des Grundstücks zu verschieben. Um Mitternacht war Barbara Geisel das Grundstück wieder los, das Flensburg lebhafte vier Jahre beschert hatte – vom Senkrechtstart eines vermeintlichen Unternehmens der Hochtechnologie in der Herstellung von „Bodeneffektfahrzeugen“ bis zu seiner definitiven Bruchlandung.

Seit April 2013 betreibt die Stadt gerichtlich die Rückabwicklung des Pachtvertrages. Sie obsiegte vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht, und wenn in der Registratur des Bundesgerichtshofes nicht noch ein Irrläufer unentdeckt geblieben ist, dürfte das Verfahren abgeschlossen sein.

Die Tycoon GmbH & Co. KG, die das Grundstück gepachtet hatte, um dort Industriebauten zu errichten, in denen die ebenfalls zum Imperium der Kauffrau Barbara Geisel gehörende Highship Ltd. Flugboote montieren wollte, ist ganz offenkundig den letzten noch möglichen Schritt einer Nichtzulassungsbeschwerde nicht gegangen. Der BGH konnte einen Eingang jedenfalls auf Anfrage nicht bestätigen, Tycoon-Geschäftsführer und Geisel-Bevollmächtigter Uwe Griesheimer will mit der Presse gar nicht reden, die Stadt – auch dies ein Hinweis auf den Abschluss des Verfahrens, hat das Thema im nächsten Hauptausschuss auf der Tagesordnung.

Dort wird mit Sicherheit über die Zukunft gesprochen werden – ohne Flugboote. Das Gelände ist mit der „Luftschlossfabrik“ zwischenzeitlich besetzt worden. Wie also geht man mit den mittlerweile sesshaft gewordenen Okkupanten um, die einst kamen, eine alternative Kultur aufzubauen? Die Politik hofft grundsätzlich auf friedliche Lösungen, aber zumindest für die CDU- und die SSW-Fraktion ist ein Bleiberecht an dieser Stelle nicht verhandelbar. Für Fraktions-Chef Frank Markus Döring ist ein Freiraum für alternative Kultur zwar eine wichtige Stadtfunktion, die aber sieht er eher im Bereich des alten Postbahnhofs und nicht auf diesem „Traumgrundstück“.

Für die künftige Entwicklung, meint Döring, dürfe es keine Denkverbote geben. Grundsätzlich müsse die Harniskaispitze eine hohe öffentliche Aufenthaltsqualität bekommen, die von einem Investor zu finanzieren wäre. Susanne Schäfer-Quäck würde am liebsten die Ex-Pächterin in die Pflicht nehmen. „Aber da ist wohl nichts mehr zu holen.“ Zwangsmaßnahmen stehen für die SSW-Fraktionschefin nicht im Vordergrund – eher Dialog: „Man kann da nicht die Bagger auffahren lassen.“

Grüne und Linke hingegen wollen die momentanen Bewohner in die Planung einbeziehen. „Das Luftschloss zeigt, dass da Bedarf ist“, so die grüne Fraktions-Chefin Ellen Kittel-Wegner. Ihr schwebt eine „coole Mischung“ aus Wohnen, Kleingewerbe, Gastronomie und Kultur vor, verwirklicht im Rahmen einer städtebaulichen Lösung – ohne Räumung des Geländes. Ähnlich sieht es Heinz-Werner Jezewski, Vormann der Linksfraktion. Kleingewerbe und Kultur, die große Halle möglichst erhalten, behutsame Entwicklung – nicht gegen die Bewohner. „Es wäre toll, wenn dies ein alternatives Kreativzentrum werden könnte“, meint er. Allerdings gehe das nicht ohne verlässliche Strukturen und auch Regeln. „So wie es jetzt ist, geht es auch nicht weiter.“

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