Polizei Flensburg : Der große Wert des Dorf-Sheriffs im Viertel

Minister Andreas Breitner (Mitte) ließ sich von Uwe Kolzac (rechts) und Hans-Christian Ledderer ein digitales und ein herkömmliches Funkgerät vorführen.
Minister Andreas Breitner (Mitte) ließ sich von Uwe Kolzac (rechts) und Hans-Christian Ledderer ein digitales und ein herkömmliches Funkgerät vorführen.

Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner informierte sich über die Arbeit der Polizeistation Mürwik-Fruerlund.

shz.de von
07. Juli 2014, 07:03 Uhr

Für den Dienstherrn steht fest: „Das Flensburger Modell der Polizei funktioniert.“ So die Feststellung von Innenminister Andreas Breitner gestern nach einem Besuch der Polizeistation Mürwik-Fruerlund und Gesprächen mit Polizeibeamten.

Funktioniert das Modell der stadtteilübergreifenden Polizeiarbeit wirklich? Die Wahrnehmungen von Bürgern und die Schilderung von Polizeibeamten lassen Zweifel aufkommen. Denn das Einsatzkonzept sieht vor, dass Fruerlunder Polizisten durchaus zwischen Satrup und Schafflund eingesetzt werden, um Streife zu fahren oder um nach Notrufen einzugreifen. Konsequenz: Nicht selten ist die Wochen-Arbeitszeit innerhalb von drei Tagen geleistet. Für den Gang auf den Straßen des Stadtviertels oder für Präventivarbeit mit Kindern oder Senioren bleibt keine Zeit, im Revier liegt die Arbeit unerledigt. Der Bürger sieht den ihm bekannten Polizisten im Viertel immer seltener.

Für Breitner – selbst bis 2003 bei der Polizei – ergibt sich die Schlussfolgerung: „Das Flensburger Modell funktioniert, schlechter darf die personelle Ausstattung aber nicht mehr werden.“ Für die bevorstehende Polizeireform, die der Minister noch in diesem Sommer vom Tisch haben möchte, heißt das: Um die zehnprozentige Sparvorgabe für die Landesverwaltung zu erreichen, wird es wohl zu den Reduzierungen bei der Wasserschutzpolizei, im Ermittlungsdienst und der Informationstechnik kommen. Reduzierungen bei den Beamten, denen der Bürger vor Ort begegnet, wird es aber nicht geben, versprach der Innenminister. Und weiter: „Ich sehe keinen Anlass, in Fruerlund einzusparen – aber auch keinen, um aufzustocken.“

Der Wert der Polizisten, die im Viertel bekannt sind und die beständig ihre Runden durch den Stadtteil gehen – Prinzip Dorf-Sheriff in der Stadt – , wird nicht angezweifelt. Aus Fruerlund wurde ein spezielles Beispiel benannt: die Fahrradwerkstatt, die das kirchliche Jugendzentrum Alsterbogen, die Schule Fruerlund, die Polizei und der Selbsthilfe-Bauverein gemeinsam anbieten. Zwischen Polizeibeamten und Jugendlichen entsteht ein fast familiäres Verhältnis.

Ein Punkt, den Polizisten immer wieder zu spüren bekommen und der auch ihrem Dienstherrn Sorge bereitet: Akzeptanz und Respekt gegenüber Polizeibeamten gehen immer weiter zurück. Sie werden beschimpft, bespuckt und angegriffen. Breitner: „Ich sehe mich in der Pflicht, hier entgegenzuwirken.“ Dabei ist ihm klar, dass er nicht viel erreichen kann, dass dieses Thema zuerst in der Familie aufkommt. „Wenn die Eltern nicht mit gutem Beispiel voran gehen, werden wir kaum etwas bewirken.“

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