Kommunalwahl 2018 in Flensburg : Der große Abend der Grünen

Jubel bei den Grünen: Ellen Kittel-Wegner und Pelle Hansen (M.) im Freudentaumel. Fotos: Sörensen
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Jubel bei den Grünen: Ellen Kittel-Wegner und Pelle Hansen (M.) im Freudentaumel. Fotos: Sörensen

Stärker als die SPD, sieben Wahlkreise direkt geholt / Enttäuschung bei CDU, SPD, SSW und WiF

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07. Mai 2018, 06:37 Uhr

Die CDU hat die Kommunalwahl in Flensburg knapp mit 19,4 Prozent der Stimmen gewonnen. Doch die großen Sieger sind die Grünen, die überraschend zweitstärkste Kraft wurden (18,8 Prozent). Der SSW blieb hinter seinen Erwartungen zurück (17,6 Prozent) und landet hinter der SPD (18,2) auf Platz vier. Die Wählerinitiative Wir in Flensburg setzt ihren Abwärtstrend der Wahl von 2013 fort (8,6 Prozent). FDP (7,7 Prozent) und Linkspartei (7,5 Prozent) gewinnen deutlich dazu und liegen fast gleichauf. Die Initiative „Flensburg wählen“ hat es geschafft und gewinnt mit 2,2 Prozent ein Mandat.

„Ich bin schwer überwältigt“, sagte Ellen Kittel-Wegner, Fraktionsvorsitzende der Grünen, gestern in der Bürgerhalle des Rathauses. Das Ergebnis sei eine „Wahnsinnschance“ für die Grünen. Man habe auf 15 Prozent gehofft, 2013 landeten sie bei 12,5 Prozent. Sieben Wahlkreise haben die Grünen direkt gewonnen, mehr als doppelt so viele wie die SPD. Auch der Landtagsabgeordnete Rasmus Andresen hat seinen Wahlkreis wieder direkt geholt. Einen „Robert-Habeck-Effekt“, den einige Beobachter in der Bürgerhalle konstatierten, wollten aber weder Kittel-Wegner noch Andresen für das Ergebnis heranziehen.

Obwohl die CDU wieder knapp stärkste Fraktion wurde, war Spitzenkandidat Arne Rüstemeier nicht zufrieden. Gründe könnten „Störfeuer“ des SSW und des FDP-Wirtschaftsministers Bernd Buchholz kurz vor der Wahl gewesen sein. Das habe womöglich einige CDU-Wähler verwirrt und vom Gang zur Wahl abgehalten.

Es ging äußerst knapp zu gestern Abend in der Bürgerhalle des Rathauses. Erst mit Auszählung des letzten Wahlbezirks stand fest, wer gewinnt und wer auf den Plätzen landet. Zwischen der CDU und dem Viertplatzierten, dem SSW, lagen am Ende nur 477 Stimmen, zwischen SPD und Grünen nur 159 Stimmen.

„Wenn man Verluste hat, kann man nie zufrieden sein“, kommentierte SPD-Fraktionschef Helmut Trost das Ergebnis der Sozialdemokraten. Die Frage nach einem möglichen oder ausgebliebenen „Simone-Lange-Effekt“ wies er zurück: „Es haben definitiv kommunale Themen den Ausschlag gegeben.“ Die WiF sei „in der praktischen Arbeit entzaubert“ worden, so Trost.

Man habe schon auf Platz 3 gehofft, räumte Edgar Möller (SSW) ein. Mit dem Ergebnis sei man hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Von 19 ging der SSW auf 17,6 Prozent zurück.

Mit dem Ergebnis hätten die Wähler für die Grundsteuererhöhung, für den Weiterbau der K8, für das Ende des Wirtschaftshafens gestimmt, gab WiF-Spitzenkandidat Andreas Rothgaenger zu denken. Er mahnte, dass man auf die große Zahl der Nichtwähler zugehen müsse. Das Ergebnis der FDP sei „so, wie ich mir das erhofft hatte“, sagte Spitzenkandidat Kay Richert; 2013 lagen die Liberalen noch bei 4,1 Prozent.

Eine mögliche Erklärung für den nicht erwarteten Zuwachs der Grünen wurde auf dem Campus gesucht. Offenbar tendiert die Mehrheit der Studierenden zu den Grünen, wie auch Ergebnisse rund um den Campus zeigten. Rasmus Andresen wies darauf hin, dass in einigen Wahlbezirken die Linke hinter den Grünen auf Platz 2 landete, was für einen allgemeinen Links-Trend spreche.

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