Flensburgs Wasserkante : Der Geist des Hafens

Volles Haus in der Phänomenta: Eiko Wenzel (Baukultur) führte in das Thema ein.
Volles Haus in der Phänomenta: Eiko Wenzel (Baukultur) führte in das Thema ein.

Ostufer-Planung: Hadersleben hat gezeigt, wie man einen brachliegenden Hafen erfolgreich reanimiert

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08. Februar 2018, 07:19 Uhr

In rund zehn Jahren wurden in Hadersleben etwa 140 Millionen Euro in die Neugestaltung des Hafens investiert. Das berichtete Anders Sanderbo aus der Bauverwaltung der kleinen Stadt zwischen Apenrade und Kolding. Ausgangspunkt war ein Masterplan des Architekturbüros C.F. Møller aus Aarhus. „Machen Sie einen sehr robusten und realisierbaren Masterplan!“, riet Sanderbo den Flensburgern.

Wenn es um den Hafen geht, vergessen die Flensburger Frost, Fußball und Parkplatznot und kommen, um zuzuhören und mitzureden. Der Saal der Phänomenta war rappelvoll, oben auf der Galerie standen die Versprengten der Luftschlossfabrik, als Eiko Wenzel vom Verein Flensburger Baukultur die Besucher begrüßte.

Auch in Hadersleben standen völlig aus dem Maßstab gefallene ungenutzte Silos am Hafen. Einen ließ man stehen, als Solitär und Fokuspunkt, nach wie vor ungenutzt, aber künstlerisch gestaltet. Architekt Julian Weyer von C.F. Møller zeigte, was Städte wie Aalborg, Aarhus und Kopenhagen gemacht haben, wie dort an der Wasserkante völlig neue, lebendige, attraktive Stadtquartiere entstanden sind – mit gemischten, durchaus nicht nur luxuriösen Wohnungen, mit Sportflächen, Promenaden, breiten Radwegen, Gewerbegebäuden, Grünanlagen.

Da mochte in Flensburg niemand mehr sagen, dass alles so bleiben soll wie bisher. Wo bleibt das maritime Erbe des Hafens, fragte jemand, und Oberbürgermeisterin Simone Lange beschwor den „Geist des Hafens“, den es zu erhalten gelte. Sie verteidigte den eingeschlagenen Weg, auch vor dem städtebaulichen Wettbewerb, dem Rahmen- oder Masterplan mit einzelnen Investoren über konkrete Projekte zu sprechen. Das beschränke sich auf denkmalgeschützte Gebäude, die ohnehin erhalten werden müssten.

Noch eine wichtige Erkenntnis brachten die Dänen in der von Wulf Dau-Schmidt virtuos gelenkten Diskussion mit: Eine Stadt müsse reif sein für die Wiederbelebung eines alten Quartiers, die Menschen müssen es angenommen haben. Das haben sie in Flensburg, war die überwiegende Meinung. „Die Zeit ist reif, dass jetzt etwas passiert“, sagte Hannah Gloyer aus dem Publikum heraus. Und Investor Thorsten Koch (Bauplan Nord): „Ich glaube fest daran, dass sich das Ostufer entwickeln wird.“ Natürlich ging es auch um den Wirtschaftshafen, ob die Fünf-Jahres-Frist ein „Tod auf Raten“ (Brigitte Noah, IG östliche Altstadt) oder ob er auch 2043 noch da sei, wie Ove Ramm (Baukultur) anfangs visionär skizzierte. In Sonderburg habe man den Handelshafen einfach geschlossen, so Julian Weyher, in Hadersleben habe niemand für seinen Erhalt gekämpft, so Sanderbo.

Dort hat die Stadt die Flächen am Hafen an Investoren verkauft und die Erlöse in die Infrastruktur investiert. In Flensburg ist der Verkauf von Hafenflächen ein Tabu, sie werden nur in langfristiger Erbpacht vergeben. Allerdings ist noch nicht sicher, dass sich Investoren finden, die bereit sind, unter diesen Bedingungen zu investieren.

Am Ende komme es auf das Leben in und zwischen den Häusern an, sagte Julian Weyer. Die Flensburger müssen das neue Hafenquartier annehmen, dafür braucht es bespiel- und begehbare öffentliche Flächen. „Machen Sie einen Masterplan!“, mahnte Sanderbo.

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