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Flensburger Tageblatt

25. November 2017 | 10:49 Uhr

Theater : Der Geist der Schlacht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pilkentafel geht in die Jens-Jessen-Skole und verbindet naturalistisches Drama mit historischem Theater

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 12:41 Uhr

Es ist mucksmäuschenstill in der Klasse – wie fast die gesamten 50 Minuten durch. Ein Mann in schwarzer Uniform, mit blutverschmiertem Gesicht, die Hände schwarz vom Schießpulver und rot vom Blut, steht mit weit aufgerissenen Augen vor der Schulklasse. Eben noch ist er mit der schwarz-rot-goldenen Fahne in der Hand durch die Klasse gestapft, hat am Boden liegend das Schleswig-Holstein-Lied mehr gestöhnt als gesungen, stürmte mit dem Danebrog in der Hand von Wand zu Wand.

Es ist der Geist der Schlacht von Düppel, der den Neuntklässlern der Jens-Jessen-Skole hier erscheint. Er stöhnt, er schreit, er durchlebt die Momente des Gemetzels, des Angriffs, der Blutrunst, der nationalen Verblendung und des allgegenwärtigen Todes erneut. Schwerer Stoff. Die Theaterwerkstatt Pilkentafel hat es sich nicht nehmen lassen, dem Thema des Jahres ihren eigenen Stempel aufzudrücken.

Und das macht sie in der Regie von Elisabeth Bohde sehr geschickt. Elisa Priester ist die Vermittlerin des historischen Hintergrund und liefert diesen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven: als preußisch-gestrenge Lehrerin aus der Kaiserzeit, als das genaue Gegenteil davon in der Jetzt-Zeit, als kriegsbegeisterter Waffennarr, der die entscheidenden Stunden der Schlacht im Schnelldurchlauf am blutverschmierten Overhead-Projektor durchlebt. Eine tolle Verwandlungsleistung. Als sie das Vorrücken der preußisch-österreichischen Truppen und das Zurückweichen der dänischen immer intensiver mit wenigen Folien nachlebt und mit Schreien und Schussgeräuschen untermalt, regt sich langsam der leblos in der Ecke hängende Geist, die Erinnerungen wecken ihn, der Geschützdonner, die Marschmusik, und Torsten Schütte, für den dies eine Paraderolle ist, läuft zu Höchstform auf, so dass einem hin und wieder das Blut in den Adern gefriert.

Die Schüler lauschen gebannt, kichern zwar hier und da, wo Schütte dick aufträgt, doch reagieren hinterher sehr differenziert auf das Gesehene. Schnell ist man mitten in einer Diskussion über Heldentum und Selbstmord-Attentäter. „Der Geist der Schlacht“ vermittelt in ebenso dramatischer wie kompakter Form einerseits die wichtigsten historischen Fakten und zeigt andererseits sehr eindringlich die Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges. Chapeau!

 

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