Schifffahrtsmuseum : Der fünfte Reimers für Flensburg

Geschenkt! Sönke Peters (links) übergibt das Schiffsporträt des Dampfers George Dittmann an Museumsleiter Thomas Overdick.
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Geschenkt! Sönke Peters (links) übergibt das Schiffsporträt des Dampfers George Dittmann an Museumsleiter Thomas Overdick.

Unterm Rauchfilm hat Jürgen Ostwald den Wert des Gemäldes des Flensburger Dampfers George Dittmann entdeckt und fürs Museum ersteigert.

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02. März 2017, 10:46 Uhr

Jürgen Ostwald hat einen Traumberuf. Seit 20 Jahren betreut er für Günther Fielmann die Schenkungen an Museen. „Wir fördern 200 Museen, davon 100 in Schleswig-Holstein.“ Das heißt, mit einem Jahresetat von einer halben Million Euro treibt sich der Kunsthistoriker in Auktionshäusern und Antiquitätenläden zwischen München und Kopenhagen herum und kauft ein. „Es ist ja nichts einfacher, als das Geld anderer Leute auszugeben“, sagt Ostwald keck. Entweder, weil die Museen ihn beauftragt haben, nach einem Objekt Ausschau zu halten, oder weil er etwas Passendes gefunden hat und ihnen anbietet, erklärt Ostwald.

Letzteres war der Fall, als er in der Nähe von Rostock in einem Auktionshaus auf ein Gemälde des Kieler Marinemalers Heinrich Reimers (1824 bis 1900) stieß. Der hatte nämlich ein Schiffsporträt des Dampfers George Dittmann in Öl auf Leinwand gebannt, wahrscheinlich 1882.

Der Namenspatron habe eine enge Verbindung zu Flensburg, sagt Thomas Overdick, der Leiter des Flensburger Schifffahrtsmuseums. Dittmann gründete die erste Flensburger Eisengießerei in der Neustadt und gehörte auch zu den Gründern der FSG, weiß Overdick. Deshalb habe er sofort gesagt, „das ist etwas für uns“, als ihn Ostwald anrief und bat, sich das Bild einmal anzusehen.

Thomas Overdick nennt es einen typischen Vertreter der Schiffsporträts, die in der Regel kurz nach dem Bau der Schiffe gefertigt worden seien. Dieses Gemälde habe Dynamik, sagt der Museumsleiter, die auch dem Zeitgeist geschuldet sei, der Boomzeit der Werft. Der Dampfer (Bau-Nummer 50, 573 Bruttoregistertonnen) zählte zu den wenigen Schiffen, welche die Werft selbst bereederte, erklärt Overdick. Die Dittmann sei auf Englandfahrt gewesen, unter anderem für den Transport von Eisen, im März 1885 nach Hamburg verkauft worden und am 14. Juli 1897 bei Öregrund in Schweden gesunken.

Er freue sich immer wieder, wenn es um Schiffe geht, sagt Sönke Peters, Filialleiter von Fielmann in Flensburg und selbst Segler. Ihm kommt traditionell die Übergabe der Schenkungen zu, und das bringt ihm seit Jahren Spaß.

„Wir verschenken wandfertig“, betont Jürgen Ostwald und erklärt, dass deshalb ein Restaurator unter anderem den vielleicht zeitgenössischen Stuckgipsrahmen ausgebessert habe. Außerdem habe auf dem Gemälde eine Schicht gelegen, die darauf zurückzuführen sei, dass es Rauch ausgesetzt war. Der Kunsthistoriker Ostwald hat auch erfahren, dass es mindestens einen weiteren Bieter gab. Doch der war chancenlos. Er habe schließlich den Wunsch gehabt, das Bild für Flensburg zu erwerben, sagt Ostwald und lacht sich eins. Das genaue „Gewinner“-Gebot will er nicht nennen, verrät aber, dass es sich um einige tausend Euro handelt.

Für Flensburg sei das Werk der fünfte Reimers, bald so viele, wie das Museum in Altona von dem Kieler Marinemaler besitzt. Während dort nur Segler hängen, vergleicht Overdick, sind es in Flensburg ausschließlich Dampfer. Das Gemälde bekommt in der Ausstellung im hinteren Gebäude des Flensburger Schifffahrtsmuseums seinen Platz und es sei von dokumentarischem Wert, sagt der Museumschef. Denn soweit er wisse, „haben wir kein Foto von unserem Dampfer.“

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