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Verbraucherzentrale Flensburg : Der freundliche Anruf täuscht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verbraucherzentrale und Pflegestützpunkt warnen: Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung dreht älteren Menschen Hausnotrufgeräte an

Flensburg | Das Telefon klingelt. Herbert Madsen* nimmt nichts ahnend den Hörer ab. Eine freundliche Stimme meldet sich am anderen Ende der Leitung und möchte mit dem Senior und seiner Frau einen Termin für eine Pflegeberatung vereinbaren. Madsen fragt seinen Gesprächspartner, der von der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS) anruft, woher er denn die Nummer des Ehepaars habe. Aus einer ehemaligen beruflichen Tätigkeit, so Antwort. Madsen bestätigt das Datum, an dem der Berater ihn und seine Frau besuchen möchte, und legt auf. Als das Paar ein paar Tage Besuch bekommt, macht der freundliche Mitarbeiter ihnen weis, dass die beiden ein Hausnotrufgerät benötigten und am besten sofort einen Vertrag abschließen sollten. Die Madsens unterschreiben – obwohl sie mobil sind und ein solches Gerät nicht brauchen.

So wie ihnen ergeht es mehreren Flensburgern, die sich nach und nach bei der Verbraucherzentrale oder beim Pflegestützpunkt der Stadt melden, den sie irrtümlicherweise mit der DGS in Verbindung bringen. Sie wollen wissen, wie sie sich nach ihrem Vertragsabschluss verhalten sollen, ob und wie sie vereinbarte Termine absagen und wie sie sich vor weiteren Anrufen schützen können. Christine Hannemann, Leiterin der Verbraucherzentrale Flensburg, rät Senioren, am Tag des Pflegeberatungsgesprächs nicht zu Hause zu sein, wenn sie sich eine Absage nicht zutrauen – aus Angst, in ein weiteres Gespräch verwickelt zu werden.

Ist ein Vertrag unterschrieben, sagt Hannemann, kann dieser widerrufen werden. „Das Widerrufsrecht gilt auch für Verträge, die außerhalb der Geschäftsräume – als im Haus des potenziellen Kunden abgeschlossen werden.“ Aufpassen sollten Verbraucher Hannemann zufolge aber, wenn sich ein Berater den Verzicht auf das Widerrufsrecht unterschreiben lässt. „Wenn dann auch der Vertrag unterzeichnet ist, ist man drin.“ Ist die Adresse des Anrufers bekannt, können Verbraucher schriftlich die Sperrung – nicht das Löschen – ihrer Daten fordern. Werden diese gelöscht, wird der Betroffene nach einiger Zeit erneut angerufen. Bei der Sperrung wird dagegen vermerkt, dass der Betroffene seine Daten nicht weitergeben möchte.

Die Frage, die wohl die meisten Betroffenen beschäftigt, ist, woher die Anrufer die persönlichen Daten haben. Rebecca Witzel, Leiterin der Fachstelle 50 Plus und des Pflegestützpunkts, versichert, dass die Stadt keine Daten weitergebe. Auch sie kann sich nicht erklären, wie Name, Adresse oder Geburtsdatum in die Hände der Pflegeberater kommen. Sie und Hannemann warnen davor, persönliche Daten anzugeben. Vor allem die Telefonnummer und das Alter sollten geheim bleiben. „Über Preisausschreiben kommen viele Anbieter an die Daten von Senioren“, erklärt Hannemann. „Danach werden ihnen spezielle Altenangebote unterbreitet.“

Doch nicht nur ältere Menschen tappen in die Fallen von verschiedenen Firmen, die Neukunden freundlich zwingen, ohne Bedenkzeit einen Vertrag zu unterschreiben. Auch junge Leute fallen auf die Tricks herein und schließen zum Beispiel einen neuen Mobilfunkvertrag ab, obwohl ihr eigener noch läuft.

Wer Fragen zu einem Anruf, Vertrag oder Pflegeangeboten hat, kann sich beim Pflegestützpunkt unter Tel. 0461-852002 (Mo., Do., Fr. 8.30 bis 12 Uhr und Do. 14 bis 17.30 Uhr) oder bei der Verbraucherzentrale unter Tel. 0461-28604 melden.

*Name geändert

 

 

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erstellt am 07.Okt.2015 | 11:00 Uhr

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