Arbeitgeberverband Flensburg : Der Fördefuchs aus dem Skaterpark

Zwei Engagierte: Arbektgeberverbandsvorsitzender Norbert Erichsen und Preisträger Dirk Dillmann (rechts) mit dem Fördefuchs.
Zwei Engagierte: Arbektgeberverbandsvorsitzender Norbert Erichsen und Preisträger Dirk Dillmann mit dem Fördefuchs.

Regionale Wirtschaft verleiht Dirk Dillmann von den Flensburger Piraten im Glücksburger Strandhotel die Unternehmerauszeichnung 2017

shz.de von
06. November 2017, 05:31 Uhr

Alles war ein bisschen anders bei der diesjährigen Verleihung des Fördefuchses. Die musikalische Untermalung war rockiger, der Fuchs schwarz-weiß und nicht rotbraun und der Veranstalter, Arbeitgeber-Geschäftsführer Fabian Geyer, betonte immer wieder, dass die geladenen rund 100 Gäste sich wohlfühlen sollten.

Schuld daran war natürlich der Geehrte. Dirk Dillmann, 43, ist Jugend- und Sozialarbeiter in Flensburg. Dank ihm gibt es seit 16 Jahren die Sportpiraten und seit 2008 den Schlachthof, den größten BMX- und Skatepark der Region. Er engagiert sich für Jugendliche aus dem sozial schwachen Flensburg und Flüchtlingskinder. Der an die 1,90 Meter große, kräftige, langhaarige Blonde gilt als unkonventionell. Die weißen Turnschuhe zum schwarzen Jackett ließ er sich denn auch anlässlich der Preisverleihung nicht nehmen.

Für seine Arbeit zeichnete ihn der Arbeitgeberverband jetzt mit dem Fördefuchs aus. Bereits zum zehnten Mal wurde der Preis verliehen. Er geht immer an eine Person, die sich – ehrenamtlich oder hauptberuflich – um die Region Flensburg – Schleswig – Eckernförde verdient gemacht hat. Eine Jury von 5 Personen aus Wirtschaft, Kultur und Medien wählt die Preisträger aus. Die Auszeichnung wird mit einer festlichen Matinee im Glücksburger Strandhotel begangen (Musik diesmal: das Flensburger Querflötenensemble La Flute, diesmal mit Piratenkopftüchern und Rocksängerin Anna Brunner unplugged). Der Geehrte erhält einen geschnitzten Fuchs aus der Hand des Flensburger Künstlers Johannes Caspersen. Das Preisgeld von 2000 Euro stiftet der Preisträger in diesem Jahr an die Krankenhaus-Clowns der Flensburger Diako.

Norbert Erichsen vom Arbeitgeberverband nannte Dillmann einen „besonderen Fuchs, total überzeugt von seiner Mission, Kinder nicht sich selbst zu überlassen, sondern auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter zu begleiten, vor allem mit Sport.“ Dillmann, der schon „Mensch des Jahres“ des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags gewesen ist und „Top Schleswig-Holsteiner“ von NDR1, erhielt nun zum ersten Mal eine Auszeichnung durch die Wirtschaft. Doch sei der Fördefuchs keine typische Wirtschaftsauszeichnung, stellte Erichsen klar. Vielmehr sei der Preis für Menschen mit einer starken inneren Antriebsfeder gedacht, die in der „einzigartigen und liebevollen Landschaft der drei Förden“ wirkten.

Laudatorin Antje Walther vom sh:z sprach Dillmanns Überzeugungsarbeit in den Ausschüssen an. „Sieben Jahre Vorarbeit“ etwa habe der „Piraten-Papa“ für seinen BMX-Park geleistet. Dabei seien seine Projekte auch immer wichtig für die Stadtplanung und die Stimmung in der Stadt – ob Verleihstation oder neues Soccerfeld. „Die Kinder machen lassen und mal sehen, was passiert“, sei Dillmanns Devise, so Walther. Sie lobte die „innovativen Ideen für nicht leichte Probleme“ des Fördefuchses, der in Wahrheit „ein Bär von einem Fuchs“ sei.

Dillmann selbst dankte unter anderem Stadtpastor Johannes Ahrens, der vor der Matinee einen Gottesdienst abgehalten hatte. „Maria und Josef, die auf einem Bonanza-Rad in die Kirche fahren - „damit erreicht man auch mal andere Leute“, lobte er . Er benötigte weder Merkblatt noch Mikrofon. Frei und laut zu sprechen ist er gewohnt. Die Öffentlichkeit der Preisverleihung nutzte er sogleich, um für eine sechsköpfige, bereits gut integrierte, albanische Familie eine neu Wohnung zu suchen „Ich kann's nicht ab, wenn die Kinder leiden“, erklärte er. Außerdem habe er eine Vision: eine Halle für den Winter auf dem Schlachthof. Aus der Wirtschaft einen Preis zu erhalten, bedeutet für Dillmann, „dass wir gut für die Region sind.“

Mehr Unterstützung hätte er gerne aus den Bereichen Kultur, Tourismus und Stadtmarketing. Seine Arbeit, für die er brennt, sieht er als offenen Prozess. Auf diese Weise gibt es für ihn weniger Enttäuschungen, sondern Entwicklungen, die von mehreren Seiten getragen werden. Seine Familie, Ehefrau und drei Töchter (6, 8, 15 Jahre) waren nicht zur Matinee gekommen. Statt ihnen wählte Dillmann einen BMX-er der ersten Stunde als Begleitung aus. Mattis Hansen, mittlerweile 30, ist ein guter Beweis, dass die Begeisterung für die Jugendarbeit und die BMX-Szene in Flensburg mit dem Eintritt ins Erwachsenen-Alter nicht enden muss. Wohlfühlen ist alles.

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