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Verein Flensburger Baukultur : Der Flensburger Sparschemel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins Flensburger Baukultur gibt es eine Ausstellung und einen Katalog. Kreative Entwürfe zu einem unmöglichen Möbelstück.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Selbst in den unendlichen begrifflichen Weiten von Google finden sich nur ganze vier Einträge. Dabei klingt er eigentlich ganz normal, der Sparschemel. Es ist halt eine besonders einfache Version des ohnehin schon simplen Möbelstücks – vielleicht aus der Nachkriegszeit. In Flensburg hingegen wird er Einzug in die Baukultur halten – mit einer Ausstellung, die am Freitag um 17 Uhr in der Werkkunstschule eröffnet wird.

Man muss schon genau hinschauen, um den Schalk im Nacken der fünf äußerst seriös auftretenden Herren zu erkennen. Doch er ist eindeutig da, wie sie nach hartnäckigem Nachfragen zugeben. Architekten und Ingenieure gelten eigentlich nicht als ausgeprägte Spaßvögel, und das sind auch Bernd Köster, Ove Ramm, Kurt Neumann, Eiko Wenzel und Klaus Müller nicht. Sie gehören zum Verein Flensburger Baukultur oder zum Regionalen Arbeitskreis Architekten und Ingenieure Region Flensburg. Der Verein feiert in diesem Jahr das 25. Jubiläum seiner Werkberichte, einer erfolgreichen Reihe von Vorträgen, bei denen Architekten aus anderen Städten nach Flensburg eingeladen werden.

Bundesweit bekannt wurde der Verein 2004, als er mit dem fünfteiligen Projekt „Flensburger Stadtdenker“ begann. Da wurde für jeweils eine Woche ein kluger Mensch in die Stadt eingeladen, der sich – Kost und Logis frei – die Stadt anschaute, mit ihren Menschen sprach und am Ende den Flensburgern erzählte, was ihm so zu Flensburg eingefallen ist – ein echter Clou. Der zweite der fünf Stadtdenker, Gert Kähler, wird bei der Eröffnung am Freitag zu den Besuchern sprechen.

Und jetzt der Sparschemel. 25 Architekten wurden gebeten, etwas zu diesem Begriff zu zeichnen. „Was ist denn ein Sparschemel?“, sei man gefragt worden, so Köster. „Das wissen wir auch nicht, das sollen Sie uns erklären“, habe man geantwortet. Alles klar?

Der Hintergedanke liegt auf der Hand: In Zeiten ständig knapper Kassen bleibt die (Bau-)Kultur oft auf der Strecke. Kultur werde oft als Sahnehäubchen verstanden, das man im Zweifel zuerst einspare. Die Antworten der Baumeister sind spannend und äußerst abwechslungsreich. Sie reichen von hingekritzelten Skizzen auf verknülltem Papier über komplexe Collagen bis zu differenzierten Betrachtungen. Möbel werden übrigens nicht zu sehen sein, der Sparschemel bleibt eine Fiktion.

„Der Schemel ist ein Kulturgut, er ist voll funktionsfähig bei einfachster Konstruktion“, sagt Bernd Köster. Damit sei er ein Symbol für ein intaktes System. Doch was passiert mit dem Schemel, wenn man ein Bein wegnimmt, wenn er instabil wird? Er wird ein Sparschemel.

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