zur Navigation springen

Museumstalk Digitalisierung in Flensburg : Der Feind auf der Festplatte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Digitalisierung. Aber sicher“: Expertenrunde diskutierte und informierte in der Flensburger Phänomenta.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 07:43 Uhr

Was bedeutet die Digitalisierung für unseren Alltag? Wie können wir sicher im Internet kommunizieren und welchen Risiken sind unsere Daten dabei ausgesetzt? Diese und weitere Fragen rund um die Sicherheit im Netz diskutierten Thomas Tscherisch, Leiter der Group Security Services der Deutschen Telekom, IT-Comedian Tobias Schrödel und der Flensburger Student Dennis Krause, der als einer der besten deutschen Hacker gilt, in der Phänomenta.

Gleich zu Beginn führte Schrödel in einer Demonstration vor, wie einfach es mit dem richtigen Hackertool ist, Passwörter zu knacken. Besorgt habe er sich diese Software im Darknet, „wo jeder Drogen, Waffen und Daten kaufen kann“. Es lohne sich also auch privat, gute Passwörter zu verwenden, um Fotos, Rechnungen oder andere sensible Daten vor unerlaubtem Zugriff zu schützen. Einig sind sich alle Experten, dass die doppelte Verifizierung, etwa durch zusätzliche SMS-Tans, noch besser ist. „Man darf sich aber keiner trügerischen Sicherheit hingeben“, so Schrödel. „Nichts ist unbrechbar.“

Joachim Dreykluft, Chefredakteur von shz.de, der durch den Abend führte, fragte nach der Meinung zu biometrischen Scannern, wie sie inzwischen ja auch in Handys benutzt werden. Tscherisch machte klar: „Das digitale Gegenstück ist ja auf dem Gerät gespeichert. Wird es gehackt, kann der Fingerabdruck auch geklaut werden.“ Schrödel ergänzt: „Nur auf die Biometrie zu setzen, halte ich nicht für gelungen. Aber es ist ein Trugschluss, dass man überall rein kommt! Man kann Sachen sicher machen – muss es aber auch tun!“

Unsicherheit erzeugen auch Nachrichten von Trojanern, Viren und Würmern, mit denen Kriminelle scheinbar mühelos Computer angreifen können. Krause meint dazu: „Der wichtigste Rat ist: Immer Updates machen!“ Auf allen Rechnern sollte man inzwischen Virenscanner haben, so Schrödel. „Die kostenlosen taugen auch schon etwas, die anderen bieten noch mehr Sicherheit.“ Auch das Handy ist schützenswert, meint Tscherisch, da es mittlerweile viel mehr als ein Telefon ist. Deswegen sei es unerlässlich, Softwareupdates zu machen, sobald sie vom Hersteller bereit gestellt werden. „Kriminelle suchen mit vollautomatisierten Programmen nach ungesicherten Geräten und versuchen dann auf diese zuzugreifen.“

Bequemlichkeit ist ein Grund für die wachsende Akzeptanz gegenüber Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder den Google Assistant, meint Schrödel. Er selbst sei skeptisch, aber vielleicht ändere sich das auch noch mit der weiteren Entwicklung. „Wir stehen jetzt an einem Wendepunkt, an dem wir uns fragen müssen: Was wollen wir? Die technischen Neuerungen sind eine Chance, bergen aber auch Risiken“, meint Tscherisch. Querschnittsgelähmte könnten so eine neue Lebensqualität bekommen, nur durch Sprachsteuerung das Licht anschalten oder einkaufen. Es sei aber auch eine Vertrauensfrage, ergänzt er. Die großen Hersteller könnten gar nicht anders, als gemäß ihrer Geschäftsbedingungen vertrauensvoll mit den Daten umzugehen. Sie hätten ein Interesse daran, mögliche Sicherheitslücken schnell zu schließen, schließlich haben sie viel Geld in die Entwicklung der Sprachassistenten gesteckt.

Zum Schluss zeigte Schrödel noch, wie Facebook mit nur einem einzigen hochgeladenen Bild Informationen über den Nutzer sammelt. Erschreckend einfach ist es, durch die mit dem Foto hinterlegten Informationen und der IP-Adresse Aufnahmeort, Arbeitsstelle oder sogar Vereinsmitgliedschaften herauszufinden. Zwar gibt Facebook die Daten nicht weiter, verwendet sie jedoch, um ganz gezielt Werbung zu schalten. Diese Vorführung erntete fassungsloses Kopfschütteln vom Publikum. Nur wenigen war anscheinend bewusst, wie viel man mit Kleinigkeiten von sich selbst preisgibt. Tscherisch abschließend: „Eigentlich brauchen wir eine Art Verkehrserziehung für das Cyberspace.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen