Hafenspitze in Flensburg : Der Fahrradweg, der keiner mehr ist

„Schritttempo für Radler mit Hilfe von Schildern einzuführen“: Anne Hunold mit ihrem Sohn Jan an der Hafenspitze.
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„Schritttempo für Radler mit Hilfe von Schildern einführen“: Anne Hunold mit ihrem Sohn Jan an der Hafenspitze.

Der programmierte Konflikt: Eine Änderung an der Flensburger Hafenspitze macht vielen das Leben schwer. Ist der Bahndamm eine Lösung?

shz.de von
31. Juli 2015, 08:45 Uhr

Flensburg | Die sommerliche Hafenspitze ist ein schöner Platz, um zu entspannen und – wenn möglich – das Wetter zu genießen. Viele Flensburger und Urlauber genießen hier den Blick auf die Innenförde, besuchen mit ihren Kindern den Spielplatz. Besonders an den sommerlichen Tagen ist der Hafen gut besucht, wie der neue Biergarten „Heimathafen“ auf dem Gelände des früheren Bellevue-Vorbaus neben dem Spielplatz. Oder die Wasserterrasse, die bei gutem Wetter bereits am späten Vormittag gut besucht ist.

Doch zwischen dem Lokal und der Terrasse, zwischen Spielplatz und Hafenspitzenbohlwerk spitzt sich immer dann, wenn das Wetter richtig gut wird, ein sommerlicher Konflikt zu. Der Grund: Manch ein Radfahrer ist hier so unterwegs, wie er es seit vielen Jahren gewohnt war: wie auf einem Radweg. Vielen ist offenbar nicht klar, dass die Strecke aber gar kein Radweg mehr ist: „Hier ist eine Fußgängerzone, die für Radfahrer freigegeben ist“, erklärt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Das bedeute: „Radfahrer müssen sich gegebenenfalls unterordnen.“

Was mancher Radler noch in Erinnerung hat: Der Fußweg rund um den Hafen war viele Jahre lang zweigeteilt, seine äußere Spur auch als Fahrradweg ausgezeichnet. Zudem leiten Tourenradler aus der Tatsache, dass die Strecke Teil des Ostseeküstenradwegs ist, teilweise offenbar Vorrechte ab. „Sinn des Ostseeküstenradwegs ist sein touristischer Wert“, findet Teschendorf. Die Hafenspitze lade schließlich zum Verweilen ein.

Eben dieser frühere Radweg ist ein großes Problem – zum Beispiel für die Kellner, die ihn ständig überqueren müssen. Viele Radfahrer wie auch Marie Lehmann (18) nutzen diesen Weg zur Arbeit. Häufig ist sie im Stress und muss daher schneller fahren. Allerdings nehme Marie Rücksicht auf die Fußgänger. Es sei noch nie zu Unfällen gekommen, sagt sie, jedoch musste sie schon häufiger ausweichen und scharf abbremsen.

Nicht immer geht es aber folgenlos zu. Kellnerin Julia Mund (27) berichtet, dass es schon zu einem Unfall mit einer unaufmerksamen Kellnerin und einem Radfahrer, der nicht rechtzeitig abbremsen konnte, gekommen sei. Ernsthaft sei aber nichts passiert. Doch sind die Kellner immer zur Vorsicht angehalten. Aufgrund von fehlenden Hinweisschildern steigt niemand ab und sobald ein Fußgänger auf dem früheren Fahrradweg läuft, „geht das Geklingel los“, beobachtet Julia Mund immer wieder.

Besonders zu Veranstaltungen, an denen der Hafen sehr gut besucht ist, ist es ein „gefährlicher Knotenpunkt“, meint Radfahrerin Anne Hunold. Sie kennt das Problem des Schein-Radweges, da sie selbst gerne am Hafen entlang fährt. Doch wenn sie mit ihrem kleinen Sohn Jan auf dem Spielplatz neben dem „Heimathafen“ spielt, müsse sie ständig wachsam sein. Anne Hunold hat Angst, dass der kleine Jan auf den Fahrradweg läuft und es dann zu einem Unfall mit einem Radfahfrer kommt. Nicht nur Kinder, auch Touristen laufen Gefahr, in einen Konflikt zu kommen. Anne Hunolds Vorschlag: „Schritttempo für Radler mit Hilfe von Schildern einzuführen“.

Die Alternative: Im Zuge der städtischen Überplanung des kompletten Hafenostufers könnten die Radfahrer auf die Bahntrasse hinter dem „Bellevue“ umgeleitetet werden. Dort könnte ein schneller Radweg die komplette Gastronomiezeile samt Gastseglerhafen und Fischereiverein umfahren.

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