Der ewige Kanzler

shz.de von
21. Mai 2011, 03:59 Uhr

Nun hat - nach Deutschland - also auch Flensburg eine Kanzlerin. Genau genommen, die Fachhochschule Flensburg. Sabine Christiansen heißt die Frau, die künftig diesen schicken Titel trägt. Das ist einerseits für alle praktisch, weil man sich diesen Namen gut merken kann. Besonders praktisch ist es aber für die FH und ihre Kontrolleure aus dem Ministerium. Mit der Wahl - so die Hoffnung - soll nun Schluss sein mit all diesen seltsamen Nachrichten von komischen Callcentern, die zwar von Kanzlergattinnen bedient werden, die aber keiner anruft, oder von kunstvoll geschweißten Gartenpforten, die mehr oder minder willige FH-Azubis in Ostenfeld bei Husum montierten - und für die irgendjemand in der FH-Verwaltung vergessen haben muss, eine ordentliche Rechnung zu schreiben. Was aber wiederum daran liegen könnte, dass der Auftraggeber und Nutznießer von Eisenpforte & Co identisch ist mit dem, der die Rechnung hätte auf den Weg bringen müssen: FH-Kanzler Klaus Arnold, genauer: Ex-FH-Kanzler Klaus Arnold. In der gut organisierten FH-Verwaltung der Ära Arnold hatte es der Chef selbst in der Hand, welcher Vorgang und welcher Vermerk über wessen Schreibtisch ging. Sogar die Post soll er bei Bedarf selbst verteilt haben.

Aber ist die Ära Arnold nun nicht wirklich zu Ende? Die Wahrheit ist: In der virtuellen Welt ist der Kanzler noch gar nicht in Ruhestand gegangen. Unter www.kanzlerarnold.de treibt er weiter sein Unwesen und erklärt, warum er einst Bauernschränke im D-Gebäude unterstellen musste oder wozu er für 20 Euro Italienisch-Kurse angeschafft hat. Auch eine komplette, per E-mail eingegangene Tageblatt-Anfrage hat er dort unautorisiert veröffentlicht. Nur ein paar Namen von Hochschulbediensteten hat er von der Seite genommen, nachdem ihm das Ministerium auf die Finger geklopfte - darunter auch den seiner Nachfolgerin. Wie gesagt: Das Ganze steht auch drei Wochen nach seiner Pensionierung und www.kanzlerarnold.de - mit dem Autorenhinweis: "Klaus Arnold - Kanzler an der Fachhochschule Flensburg". Es steht nicht unter www.exkanzlerarnold.de und auch nicht unter www.altkanzlerarnold.de. Von einem Ex-Kanzler ist weit und breit nichts zu lesen. Das sei zwar nicht schön, aber das Ministerium will ihm das nicht verbieten, heißt es dazu aus der Wissenschaftsbehörde. Das ist eigentlich nur konsequent. Das Ministerium war in den vergangenen 25 Jahren ja auch nicht in der Lage oder gewillt, Arnold seinen eigenen Stil mit unorthodoxem Personaleinsatz und nicht immer unmittelbar einleuchtenden Anschaffungen zu verbieten.

Womit wir bei der aktuellsten Frage aus dem Kanzlerkomplex wären: Wieso hat die FH ausgerechnet eine Verwaltungsmitarbeiterin der FH zur Kanzlerin gemacht, die bereits 25 Jahre unter Arnold gedient hat?

Man hat eben die Kanzlerin zur Kanzlerin gemacht, sagen die einen. Will heißen: Die Arbeit hat die Finanz- und Gebäudedezernentin auch schon vorher gemacht. Dass sie dennoch als korrekt und unbelastet gilt, kann eigentlich nur eines bedeuten: Arnolds mutmaßlich beste Ideen, von denen die jüngsten und nicht verjährten jetzt von der Staatsanwaltschaft noch einmal ermittelt werden, dürfte er - an seinen Mitarbeitern vorbei - überwiegend alleine umgesetzt haben.

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