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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 14:13 Uhr

Deutsches Haus : Der ewig Suchende

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Klaus Hoffmann stellte sein aktuelles Album „Sehnsucht“ vor 400 Zuhörern im Deutschen Haus vor.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 18:54 Uhr

Flensburg | Er ist gut bei Stimme, gut in Form, gut gelaunt. Tritt vor ein treu ergebenes Stammpublikum, das in Würde mit ihm gealtert ist. Klaus Hoffmann ist bemüht, den Funken zu den gut 400 Zuhörern im Deutschen Haus rasch überspringen zu lassen. Etwas zu bemüht. Seine Fans verzeihen ihm die zunächst holprigen Annäherungsversuche gern – aber nun soll er mal anfangen zu singen.

Das hat der 64-Jährige, der es geschafft hat, sich über vier Jahrzehnte im Business zu behaupten, nicht verlernt. Verzichten muss er auf seine kongeniale Begleitband, kein Micha Brandt an der Gitarre, kein Peter Keiser am Bass – aber Hawo Bleich, seinen langjährigen, musikalischen Begleiter am Piano, hat er mit im Gepäck – genauso wie Songs seines vor einem Jahr erschienenen Albums „Sehnsucht“.

Er schnappt sich die Gitarre, seine Botschaft: „Die Zeit ist reif, endlich aufzuwachen. Hörst Du nicht die Kraniche schon schreien?“ Und weiter mit aktuellem Bezug: „Komm, steh auf, lass es sein. Die Angst vor den bunten Fremden. Wo Du hin willst, wirst Du Fremder sein.“ Nicht nur neue Lieder wie „Sie sind wieder da“, „Mann auf der Bank“ und „Mein Herz ist ein Kind“ bringt Hoffmann zu Gehör, sondern auch das unverwüstliche „Amsterdam“ oder das immer wieder berührende „Weil du nicht bist wie alle anderen“ – keine Ballade über die geliebte Frau, wie viele meinen, sondern eine Hommage an den früh verstorbenen Vater.

Wie bei jedem seiner Auftritte, geht der Sänger zurück in seine Kindheit, in das Berlin der Nachkriegszeit, zu ersten Zigaretten, Maggi und Buletten. Immer schon mit der Gewissheit verbunden: „Eines Tages komm ich ganz groß raus, eines Tages werde ich in Flensburg singen.“ Dafür erntet er einen Lacher. Und stimmt „König dieser Kinder“ an, einen eingängigen Song, der allerdings derart schwülstig vom Synthesizer unterlegt wird, dass die Belastungsgrenze hart touchiert wird.

Klaus Hoffmann ist immer dann am besten, wenn er, sparsam instrumentiert, sein Potenzial als Chansonnier ausschöpft. Der Flügel mag da bisweilen angebracht sein, die künstlichen Streicher sind schlicht überflüssig – zumal Hofmanns Kompositionen gern mal nah am Kitsch gebaut sind.

Auch die Überleitungen, die wie ein roter Faden durch den Abend führen, wollen dem gelernten Schauspieler nicht immer gelingen. Es gibt nette Aperçus, aber vieles ist bereits bekannt, wirkt wenig spontan. So kokettiert er mit Alter und Gewicht, gibt den Entertainer und plaudert gestenreich über die Zeit, als er in der Untergrund-Szene mit dem Polit-Barden Hannes Wader und Komiker Karl Dall unterwegs war: „Der hatte ein Auge auf mich geworfen.“ Noch ein Lacher.

Bevor er sich Zugaben widmet wie „Blinde Katharina“ und „Derselbe Mond über Berlin“, bei dem alle mitsingen dürfen, gibt er dem Publikum mit auf den Weg: „Tun Sie mir den Gefallen und seien Sie in 40 Jahren noch mal hier. Und merken Sie sich den Platz.“ Das möchte man auch dem Sänger wünschen – mit den von ihm selbst kreierten Zeilen: „Stell den Rollator an die Wand, nimm die Gitarre in die Hand.“ Dringend hinzufügen wäre: Wenn du das nächste Mal kommst, Klaus, dann lass den Synthi zu Haus!

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