Inklusion in Flensburg : Der etwas andere Spielplatz

„Spielplätze für kleine Helden“ wie Lena (vorn) planen Svenja Thomsen (vorn re.), Berit Casper (hinten re.) und viele Mitstreiter.
„Spielplätze für kleine Helden“ wie Lena (vorn) planen Svenja Thomsen (vorn re.), Berit Casper (hinten re.) und viele Mitstreiter.

Just-Hansen-Stiftung sucht Spender, um den ersten inklusiven Spielplatz anzuschieben

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02. August 2018, 16:08 Uhr

Lena ist sieben. Sie kann nicht laufen, nicht greifen, nicht allein essen – „nicht sprechen“, ergänzt ihre große Schwester und, dass die Kleine trotzdem sehr aktiv und fröhlich sei. Zum Spielplatz kann die Kleine nicht, denn spätestens dort, wo der Sand beginnt, ist für den Rollstuhl kein Weiterkommen. Daran soll sich in Flensburg etwas ändern, mit Hilfe der Just-Hansen-Stiftung. Diese unterstützt Kinder in Flensburg und Umgebung, die aufgrund ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes hilfebedürftig sind. Treibende Kräfte sind drei Schwestern, darunter Berit Casper.

Der Gedanke sei in Australien gewachsen, sagt die Flensburger Ergotherapeutin, wo sie keinen Spielplatz fand ohne wenigstens ein Spielgerät, das auch für Kinder mit Behinderungen zugänglich war. Ihrer Schwester Svenja Thomsen, Rollstuhlfahrerin und Mutter von vier Kindern, ist wichtig, nicht von einem barrierefreien Spielplatz zu sprechen, sondern einen integrativen zu meinen. „Das heißt, zusammen spielen“, erläutert Thomsen. Sonderschullehrerin Martina Morf ist die dritte im Bunde der Stiftungsschwestern. „Unsere Idee ist“, sagt Thomsen, die Bevölkerung zu öffnen für Inklusion. „Die kleinen Leute von heute sind die, die irgendwann die Städte planen“, sagt die Steuerfachangestellte.

Bei der Stadt – „die war super offen“ – mussten die drei keine Überzeugungsarbeit leisten, als sie vorschlugen, die Geräte zu stiften, und nach Kooperation fragten.

Thomas Dau-Eckert vom Kinder- und Jugendbüro sagt beim Ortstermin auf dem idyllischen Spielplatz im Volkspark, dass die Initiative der Stiftung zur rechten Zeit komme. „Inklusion ist gewollt“, sagt er und, dass gerade alle (86) Spielplätze der Stadt überprüft werden. Die müssten neu bewertet werden, attraktiver, multifunktional und für mehrere Generationen gemacht sein.

Laut Aktion Mensch sind bundesweit höchstens acht Prozent der Spielplätze inklusiv, mit dem Projekt „Stück zum Glück“ werden 40 neue gefördert. In Köln und Hamburg wurden soeben die ersten inklusiven Plätze eröffnet.

Bevor Spielgeräte in Flensburg angeschafft werden können, muss ein Plan her. Die Zuwegung, sagt Dau-Eckert, sei eines der Themen. Bislang setze man auf Sand als Fallschutz, erklärt Burkhard Andersen vom TBZ und fachsimpelt mit Svenja Thomsen über das Für und Wider von Holzhackschnitzeln. Sie fahre am Wochenende extra nach Braunschweig, um als Rolli-Fahrerin Bodenbeläge auf Nachhaltigkeit und Eignung für Spielplätze zu testen. Als Geräte schweben den Schwestern zum Beispiel Nestschaukeln vor, eine Sandkiste, die von einer Seite für Rollstuhlfahrer erreichbar ist oder eine befahrbare Schaukel, eine Wippe, die Oma mit dem Rollator benutzen könnte, ein Trampolin. „Die Kinder springen gern, um sich zu spüren“, sagt der Vater der achtjährigen Carlotta, die an partieller Trisomie 1 erkrankt ist und immer eine Hand braucht für den festen Halt. Hüpfen und Schaukeln, erklärt Ergotherapeutin Casper, seien gut für das Gleichgewichtssystem und die Kindesentwicklung.

Finanzielle Hilfe für den Flensburger „Spielplatz für kleine Helden“ kommt zudem von einem unerwarteten Partner. Der Verein „Truck Team Schleswig-Holstein“ habe sich in diesem Jahr entschlossen, dieses Projekt zu fördern, berichtet Thomas Dau-Eckert.


www.just-hansen-stiftung.de

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