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Flensburger Tageblatt

22. September 2017 | 01:16 Uhr

Neues Angebot : Der erste Job nach der Flucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Dienstleister Tertia und die Agentur für Arbeit entwickeln gemeinsam Perspektiven für Flüchtlinge

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2016 | 16:53 Uhr

Ein Paravent in der Mitte des großzügigen Seminarraums mit langer Fensterfront sorgt dafür, dass zwei Gruppen gleichzeitig einigermaßen ungestört Deutsch lernen können. Jihan Alibrahim zählt zu denen links im Kurs, die gerade einen Lückentext beackern. Die 22-Jährige aus Syrien kam vor sieben Monaten mit ihrer Schwägerin nach Deutschland. Seit vier Monaten lernt sie die Sprache der neuen Heimat.

Die Vokabeln Zahntechnikerin oder Augenoptikerin kennt sie längst, denn die junge syrische Frau möchte einen dieser Berufe ergreifen. In Syrien habe sie schon als Arzthelferin gearbeitet, erzählt Jihan Alibrahim. Mit dem Projekt „Perspektiven für Flüchtlinge“ bereitet Tertia Menschen wie Alibrahim darauf vor. Den Dienstleiter gibt es seit 1973; im Jahr 1976 hat Tertia die ersten Deutsch-Kurse für „Spätaussiedler, Asylberechtigte und Kontingentflüchtlinge“ angeboten, schreibt die Agentur in ihrer Chronologie. Seit 2013 ist Tertia in Flensburg aktiv, sagt Projektleiterin Kirsten Hugger. Als Traumvorstellung bezeichnet sie, wenn der Einstieg durch das Projekt für ihre hoch motivierten Schützlinge vom Praktikum in den Arbeitsmarkt gelingt. „In erster Linie wünschen wir uns, dass sie Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt sammeln können, sich ausprobieren, zeigen, dass sie etwas gelernt haben“, fasst Hugger zusammen.

Bis dahin werden die Teilnehmer über drei inhaltliche Phasen zwölf Wochen lang geschult, erklärt Susan Bertram, 30 Stunden pro Woche. Sie ist als Psychologin für Tertia tätig. Derzeit schulen sechs Pädagogen 61 Teilnehmer, wobei das Gros dieser Flüchtlinge aus Syrien stammt. Die Blöcke vermitteln den Lernenden beispielsweise Wissen über Kultur und Religion des Landes, außerdem über den Arbeitsmarkt und Rechte und Pflichten bei einem Praktikum. Schließlich gehe es im dritten Schritt um die Dokumente, deren Anerkennung – und die gemeinsame Entwicklung von Perspektiven, erläutert Projektleiterin Hugger.

In der dritten Phase befindet sich der erste Durchgang derzeit. Die Altersspanne bewege sich zwischen 18 und 50, die Menschen kommen außer aus Syrien aus dem Jemen, Iran, Irak und Afghanistan. Für sie werde ein breites Angebot von Arbeitgebern gebraucht, die bereit sind, Praktikanten aufzunehmen, sagt Hugger. Denn unter den Teilnehmern seien Berufsgruppen vertreten, die vom Anästhesisten über den Friseur bis zum Lehrer und Ingenieur reichten. Zum Teil gehen die Projektteilnehmer selbst auf die potenziellen Arbeitgeber zu, zum Teil betreiben die Projektkoordinatoren Akquise und greifen auf ihr Netzwerk zurück.

Die zugrunde liegende Idee sei gewesen, nach den Einstiegskursen „intensiver mit den Menschen umzugehen“, auch damit sie sich im neuen Alltag heimisch fühlen, erklärt Ralf Gebhardt, Teamleiter von der Agentur für Arbeit. Die Agentur habe das Angebot ausgeschrieben, Tertia bekam als Bildungsdienstleiter in Schleswig und Flensburg den Zuschlag es durchzuführen.


Wer Interesse hat, kann sich heute (13. Mai) zwischen 10 und 12 Uhr direkt bei Tertia (www.tertia.de) in der Graf-Zeppelin-Straße 20 in Flensburg informieren oder telefonisch Kontakt aufnehmen: 0461-97892428.



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