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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 02:43 Uhr

Tatort Flensburg : Der Ermittler vom Lachsbach

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Politik oder Schriftstellerei: Linken-Ratsherr Heinz-Werner Jezewski legt nach acht Jahren wieder einen Krimi vor – mit viel Flensburger Lokalkolorit.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 15:00 Uhr

Herr Jezewski, Sie sind einst als Schriftsteller in die Kommunal- und Landespolitik aufgebrochen. Wie lange liegt eigentlich Ihr letzter Roman zurück, bis Sie jetzt mit dem „Tod am Lachsbach“ Ihren neuen Krimi vorlegen?

Vor acht Jahren ist mein letzter Roman erschienen – ungefähr zeitgleich mit meinem Einstieg in die Kommunalpolitik. Damit wurde das Schreiben für mich zunächst unwichtiger.


Seit 2008 machen Sie Politik in Stadt und Land: Schließen Politik und Schriftstellerei sich aus?
Wenn man es mit viel Kraft macht, dann ja. Ich war bis September Fraktionsvorsitzender und habe dann gesagt: Jetzt werden wieder ein paar Kapazitäten frei, damit das Schreiben weitergehen kann. Der Fraktionsvorsitz und ein Beruf und Schreiben – das funktioniert nicht. Ich habe immer geschrieben, all die Jahre. Aber einen kompletten Roman mit Spannungsbogen und allem Drum und Dran – das ist etwas anderes als Kurzgeschichten.

Wie viel Zeit und Engagement bedeutet denn ehrenamtliche Politik in Flensburg als Fraktionsvorsitzender?

20 bis 30 Stunden in der Woche, in den Ferien natürlich bedeutend weniger, während der Haushaltsberatung aber auch schon mal 40 Stunden.


Was bedeutet Schreiben für Sie?
Manchmal denke ich, es ist Zwang. Ich kann gar nicht anders. Es ist aber ein Unterschied, ob man einen Roman fertig macht oder Texte bei Facebook schreibt.

Ihre Figuren – Helmut „Chip“ Zcipiorski und Kripo-Beamtin Sabine Wohlfahrt – jede Ähnlichkeit mit lebenden Menschen sei rein zufällig und nicht beabsichtigt. Müssen Politiker oder andere Würdenträger aus Flensburg sich Sorgen machen, dass sie sich oder andere sie in der Geschichte erkennen?
In jeder dieser Figuren stecken ganz viele Menschen. Man kann so etwas nicht völlig aus der Phantasie saugen. Aber keine Figur ist einem lebenden Menschen nachempfunden. Es stecken aber Eigenschaften von mir und von Leuten, die ich mag, und von Leuten, die ich nicht mag, in jeder Figur. Aber erkennen wird sich niemand.


Haben Sie ein kriminologisches Vorbild oder gibt es so etwas wie eine Krimischule, aus der Sie kommen?
Eigentlich nicht. Der Regionalkrimi, angeführt von den Eifel-Krimis, war viele Jahre unglaublich beliebt. Von Jacques Berndorfs Eifel-Krimis habe ich mir schon etwas abgeguckt. Es soll ja auch nicht mein letzter Krimi gewesen sein. In den Eifel-Krimis spielte das Privatleben der Protagonisten eine ganz wichtige Rolle und hat sich immer weiterentwickelt. Genau das soll in meinen Büchern auch so sein.

Sind Ihr Zcipiorski und der Kripomann Robo vergleichbar mit Berndorfs Baumeister und Rodenstock?

Das ist schon etwas anderes als der Journalist und der Staatsanwalt. Mein ganzer erster Band ist ja vor allem dazu da, das Personal einzuführen und sympathisch zu machen. Im zweiten Band will ich dann mehr zum Plot kommen. Am Ende meines ersten Bandes ist es ja schon angedeutet. Es geht um den Bankrott der Sparkasse und die Aktien eines Unternehmers. Als Schriftsteller hat man die Figuren nicht hundertprozentig unter Kontrolle. Während des Schreibens läuft einem die Figur schon mal aus dem Ruder. Deshalb muss auch ich als Schriftsteller meine Figuren erst mal kennenlernen.

Müssen Sie Ihre Geschichten recherchieren oder profitieren Sie von Gesprächen und Erkenntnissen aus der Kommunalpolitik oder sind Sie so stoffsicher, dass Sie es einfach aufschreiben können?

Der Fast-Konkurs der Flensburger Sparkasse ist ja eine Tatsache. Der muss ja irgendwelche Ursachen gehabt haben. Es kursieren dazu mindestens 100 Theorien. Ich bringe einen Mix aus diesen Theorien – als meine Phantasie, damit es auch zu dem Kriminalfall passt.

Auf diese Geschichte müssen wir aber noch warten.

Ja, bis Frühjahr 2017.


Tod am Lachsbach: Wie wichtig sind die Flensburger Schauplätze? Oder sind sie austauschbar?

Ich hätte das Buch nirgendwo anders schreiben können. Die Stadt Flensburg hat auch einen Einfluss auf die Protagonisten, die da mitspielen. Die Atmosphäre und das Flair machen ganz viel aus in diesem Buch.

Gibt es einen Schauplatz, ohne den die Story nicht funktioniert hätte?
Die Harrisleer Straße und die Vielfalt im Norden Flensburgs sind ganz wichtig. Ich bin damals mit dem Hund am Lachsbach spazieren gegangen, und da lag etwas im Wasser, das wie eine Leiche aussah. Es war zwar nur ein Müllsack, aber da ist die Idee entstanden.


Muss man Jugendliche oder zart Besaitete vor unappetitlichen Details warnen?
Ganz jugendfrei ist es nicht. Wenn die Schlafzimmertür sich schließt, guckt der Erzähler nicht weg. Aber unappetitlich wird es nicht.

Sie haben dieses Buch im Selbstverlag herausgebracht, nach einem Buch bei Rowohlt und einem beim Mitteldeutschen Verlag. Warum?

Hier habe ich vom ersten Wort und der ersten Idee alles selbst in der Hand, von der Covergestaltung bis zum Vertrieb. Es liegt bei den Flensburger Buchhandlungen und der Tourist-Info. Da habe ich es persönlich vorbeigebracht. Wenn ich ein Buch bei Amazon verkaufe, verdiene ich 1,14 Euro, wenn ich es selber verkaufe 4 Euro oder 5 Euro, je nachdem wie viel ich bestellt habe. Ich habe gezeigt, dass auch jemand, der kein Verlagskaufmann und kein Genie ist, ein Buch selber machen und es unter die Leute bringen kann. Ich finde das faszinierend. Was sich da abspielt, ist eine große Demokratisierung des Buchmarktes.

Heinz-Werner Jezewski: „Tod am Lachsbach“; Flensburg 2016: www.epubli.de

Taschenbuch;

236 Seiten.

9,90 Euro

ISBN 978-3-7418-1105-0

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