Druckzentrum Flensburg : Der Druck geht weiter am Sophienhof

Will künftig an der Förde 'durch Leistung überzeugen': Michael Prendel (47), neuer Chef des Druckzentrums. Foto: Dewanger
Will künftig an der Förde "durch Leistung überzeugen": Michael Prendel (47), neuer Chef des Druckzentrums. Foto: Dewanger

Kein Rücktritt von der Übernahme: Michael Prendel verkündet für das Druckzentrum in Flensburg ein Auftragsplus und will neue Jobs schaffen.

shz.de von
02. Juni 2012, 05:14 Uhr

Flensburg | Im Nachhinein ärgert Michael Prendel sich schwarz über den Satz, den der Rechtsanwalt Andreas Kolberg vor sechs Wochen im Arbeitsgericht sagte: "Die neuen Gesellschafter des Druckzentrums Flensburg (DZF) haben ein Rücktrittsrecht bis zum 31. Mai 2012." Viele der dringend benötigten Auftraggeber sprangen daraufhin wieder ab, berichtet er. Doch jetzt steht es fest: "Das Unternehmen wird fortgeführt", erklärte Prendel am Donnerstag auf Anfrage des Flensburger Tageblatts. Und zwar mit ihm als alleinigem Gesellschafter und Geschäftsführer in Personalunion. Seine Anteile an der Hamburger Druckerei Hartung will er in Kürze abgeben und sogar zum heutigen 1. Juni nach Flensburg ziehen, um sich "voll und ganz dem Druckzentrum zu widmen".
Der Hintergrund: Im August 2011 meldete das damalige Druckzentrum Harry Jung Insolvenz an. Große Teile der Belegschaft wurden entlassen und der Betrieb unter die Führung des Insolvenzverwalters Wilhelm Salim Khan Durani gestellt. Nach Monaten des Hin und Her kam am 2. April die Nachricht: Der Betrieb geht an vier neue Gesellschafter der Hamburger Druckerei Hartung über, von denen zwei als Geschäftsführer das neu gegründete Druckzentrum Flensburg führen sollten - darunter Michael Prendel. Mit einer Rumpftruppe aus 16 der ehemals weit mehr als 50 Mitarbeiter. Zukunft ungewiss.
Keine weiteren Verhandlungstermine
Zahlreiche gekündigte Drucker stehen seitdem vor einer ungewissen Zukunft und fühlen sich vom Unternehmen hingehalten. 13 von ihnen wollen oder haben bereits auf Wiedereinstellung geklagt, bislang arbeitet lediglich einer von ihnen tatsächlich wieder am Sophienhof. Eine Nachfrage beim Arbeitsgericht Flensburg ergab, dass aufgrund der unklaren Situation zunächst keine weiteren Verhandlungstermine vorgesehen seien. Für viele der arbeitslosen Drucker ist dies ein Problem: "Da bereits so viel Zeit vergangen ist, erhalten viele bereits Arbeitslosengeld. Etwaige Abfindungszahlungen würden wir somit ohnehin an den Staat abgeben müssen", sagt ein Betroffener.
Aus dem Vierer-Führungsgespann ist nur Michael Prendel geblieben. Die weiteren Gesellschafter haben seinen Angaben nach ihre Anteile am DZF abgegeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sieht dieser mittlerweile positiv in die Zukunft. Die aktuell 16 Angestellten sollen bis Ende des Jahres auf 20 erhöht werden - aus dem Pool der im Rahmen der Insolvenz entlassenen Arbeiter und "strikt nach Sozialauswahl". Dieses Verfahren zweifeln einige Kläger aufgrund ihrer Beobachtung der Situation an.
Zwei Millionen Euro Umsatz angepeilt
Als Umsatz peilt Prendel gut zwei Millionen Euro bis Ende 2012 an. "Im Mai hat sich der Auftragseingang im Vergleich zum Vormonat bereits verdoppelt", sagt er und verweist dabei auf viele reaktivierte Kunden aus Norddeutschland. Mit der Hamburger Druckerei Hartung arbeite man weiterhin sehr gut zusammen. Eine Strategie, hinter der einige auch das langfristige Abwerben von Kunden vermuten.
Manch einer der Gekündigten rätselt immer noch über die Rolle von Ex-Inhaber Harry Gall, unter dem der alte Betrieb in die Insolvenz fuhr - der aber immer noch im Druckzentrum seine Kreise zieht. "Er dient dazu, mir Kontakte zu Kunden zu knüpfen und hat deshalb weiterhin ein Büro", erklärt Prendel. "Mit dem Druckzentrum hat er aber nichts zu tun, es besteht kein Arbeitsverhältnis."

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