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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 17:55 Uhr

Porträt : Der Chronist der Flensburger Szene

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Michael Brüsehoff spricht mit Musikern, Künstlern und Typen, um einen Kinofilm mit vielen Menschen und ihren Geschichten zu machen

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 14:43 Uhr

Das Arbeitszimmer ist ziemlich effektiv und Platz sparend gestaltet. Der große Super-8-Filmprojektor fällt sofort ins Auge, auch die Reihe großformatiger Bildschirme. Auf einem Tisch liegen sauber aufgereiht kleine VHS-C-Casetten – visuelle Medien aus einer anderen Zeit. Das ist Michael Brüsehoffs Arbeitsplatz. Und hier entsteht derzeit ein Filmdokument, wie es Flensburg noch nicht gesehen hat.

Aber von Anfang an. Michael „Mitch“ Brüsehoff ist erst seit wenigen Jahren in Flensburg. Dafür kennt er schon ziemlich viele Menschen in dieser Stadt: Rainer Prüß und Andreas Fahnert, Kim Schmidt und den kürzlich verstorbenen Trödel-Pit, Pete Sage, Flo Sump und Hannes Wendt. Alles irgendwie Szene. Brüsehoff ist begeistert von der hiesigen Szene, in die er sich mit dem unverstellten Blick des Neu-Flensburgers stürzt. „Bei jedem Treffen habe ich hinterher fünf neue Namen“, begeistert er sich.

Brüsehoff macht einen Flensburg-Film, und dafür hat er ein Vorbild. 2011 zeigte er in seiner Heimatstadt Walsrode seinen Film „Goldene Zeiten – Walsrode erinnert sich“ im dortigen Capitol-Kino und feierte einen Riesenerfolg mit dem Projekt. „Am Premierentag gab es fast ein Verkehrschaos“, erinnerte sich der Mann mit Zopf und Zauselbart. Allein die DVD verkaufte sich über 2000 mal.

Wie Millionen andere auch landete Brüsehoff vor Jahren in einem sozialen Netzwerk – nicht dem mit dem blauen F, sondern einem anderen. Dort traf er etliche seiner früheren Bekannten wieder, es entstand ein reger, manchmal wilder Austausch und mündete in seinem geposteten Satz „Da könnte man ja einen Film draus machen!“ Das nahm jemand wörtlich und forderte Brüsehoff auf, das doch mal anzugehen. Über seinen Broterwerb, die Digitalisierung analoger Medien wie Dias, Super-8-Filme und VHS-Cassetten, hatte er eine Affinität zu dem Medium Film, nahm eine Kamera in die Hand und legte los. Der Rest ist Walsroder Stadtgeschichte.

Und jetzt Flensburg, wo er der Liebe wegen hinzog. Von der Idee, etwas über die großen Flensburger Stadtfeste zu machen, war er schnell abgekommen und landete in der Szene. Irgendwie traf er irgendwo Andreas Fahnert (früher Rockwork, heute Santiano), der sofort das Potenzial in Brüsehoffs Idee roch, ihn ermunterte loszulegen und sofort viele Kontakte für ihn knüpfte. „Irgendwie fangen die Leute bei mir schnell zu erzählen an“, sagt er. „Das kommt dann sehr authentisch rüber.“ Ein ganz wichtiger Partner in dem Projekt ist Wojtek Kosciuk, der Kameramann.

Nach den ersten Treffen ist so etwas wie ein Trailer fertig. Da sieht man Andreas Fahnert mit Gitarre am Strand sitzen und danach als Leadsänger von „Rockwork“ abrocken – 30 Jahre vorher. Man sieht Hannes Wendt heute und kann sich auf die Geschichten freuen, die er im Film über die „Fuckin’ Kius Band“ erzählen wird. Rainer Prüß hat sicherlich allein Erzählstoff für einen ganzen Film.

Mitch Brüsehoff rechnet mit etlichen Stunden Rohmaterial – und dann beginnt die eigentliche Arbeit. Der Schnitt, die Auswahl, die Musik. Eine unendlich zeitaufwendige Arbeit. Brüsehoff: „Das geht nur mit Liebe und Leidenschaft.“ Über den passenden Titel für den Szenestreifen wird immer noch nachgegrübelt. Einen Termin für die Premiere gibt es zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht, doch Mitch Brüsehoff denkt auch da an das Walsroder Vorbild – das heißt große Premierenparty mit allen Beteiligten und vielen Gästen. Wenn da nicht auch abgerockt wird...

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