Urban Gardening in Flensburg : Der Bürger als öffentlicher Gärtner

Nachbarn mit grünen Daumen: Michel und Maja Bross und Hans van Dam (von links).
1 von 2
Nachbarn mit grünen Daumen: Michel und Maja Bross und Hans van Dam (von links).

Ob privat oder mit einem Verein: In diversen Projekten säen, pflanzen und ernten Flensburger im öffentlichen Raum

shz.de von
09. August 2018, 07:44 Uhr

Grün ist die Farbe des Sommers. Die Menschen fahren in die Natur, halten sich in Parks und Gärten auf. Flensburg ist eine Stadt mit vielen solcher Flächen – aber wie lange noch? Seit Jahren wächst die Stadt, auch zu Lasten von Grünflächen. In einer Sommerserie schauen wir auf das Grün der Stadt, auf die Aktivitäten im Grünen, aber auch auf gefährdete Areale. Heute: „Urban gardening“.

Mit den Zwiebeln hat es begonnen. Nachdem in Ermangelung an Nutzern der Spielplatz an der Ecke Erlenweg und Brixstraße vor zwei Jahren zu einer Grünfläche wurde, wollten Anwohner dort Blumen wachsen lassen. Das Technische Betriebszentrum (TBZ) nahm ihnen die Arbeit ab und steckte die Blumenzwiebeln selbst. „Klein-Holland“, wirft Anwohner Hans van Dam scherzhaft ein, der tatsächlich aus den Niederlanden kommt und seit 1966 in Deutschland lebt. Er knipst verwelkte Köpfe gelber Ringelblumen ab, die gesellig zwischen Rosen, Phlox und Sonnenblumen, Hortensien und Magnolie blühen. Eine „Oase der Ruhe“ nennt van Dam das Idyll auf Jürgensby, das sich großer Beliebtheit erfreut.

Nachbarn haben regen Anteil, „wenn man hier zu Gange ist“, berichtet Maja Bross, die mit anderen Anwohnern die Pflanzen gießt, hegt und pflegt. Initiatorin sei Karen Glöe, die der Gedanke an Bienen und Insekten antrieb, erklärt Bross. „Die Insektennot bewegt uns alle“, sagt sie. Deshalb hängt auch in einem der beiden Apfelbäume ein Insektenhotel und wachsen wilde Mischblumen in einer Ecke. Die Bürger haben sich hier beizeiten engagiert, betont Bross und fügt aufmunternd hinzu: „zur Nachahmung empfohlen“. Solche Anpflanzungen in der Stadt seien „keine Rarität“, ergänzt ihr Mann Michel Bross, „aber dass Bürger das machen – das ist das Besondere“. Das TBZ lobt er als „sehr kooperativ“: Sorgsam werde um die Pflanzen herum gemäht auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern. Und er sei überrascht, beobachtet der Jürgensbyer, dass Hundebesitzer das Areal so achten.

Drei Flächen in der Neustadt, in Engelsby und beim Museum stelle das TBZ für öffentliches Gärtnern zur Verfügung, sagt Sprecher Geoffrey Warlies. Um diese Flächen kümmere sich das TBZ dann nicht weiter, sagt Warlies.

An inzwischen fünf Standorten – Dicker Willis Koppel, Wasserplatz, Lutherpark, Engelsby, Weiche – sind Hobbygärtner des Flensburger Vereins Radieschen & Co. aktiv. Man melde sich an, bekomme ein Beet und könne dann säen und ernten, erklärt Michael Malien das Prozedere. Er ist der zweite Vorsitzende des Vereins, der seit zweieinhalb Jahren besteht, aber seit 2013 auf öffentlichen Flächen Gemüse und Kräuter zieht.

Die Pflanzen seien nicht nur zum Konsumieren gedacht, betont Malien, dazu sei der Ertrag auch zu gering. Gerade blühende Kräuter, zudem Obstbäume und -sträucher wie Johannis- oder Himbeeren, sorgten für Vielfalt an den Standorten und seien ein Angebot an Insekten. An allen fünf Plätzen, sagt Malien von Radieschen & Co., gebe es Wassertanks und Infotafeln über den Verein. „Es gibt viel zu tun“, meint er und ermuntert Interessenten, die Vereinsmitglieder auf Veranstaltungen anzusprechen oder zum nächsten Gartentreff (6. September ab 15 Uhr im Kong-Arrildshoj-Park) zu kommen.

Unterstützung bekommt der Verein Radieschen & Co. von der Bequa. Annica Soetbeer zählt zum Team des Projekts „Zapp“ (Zukunft + Arbeit + Praxis + Perspektiven). Das sei ein Projekt der Jugend- und Berufshilfe, erklärt sie, um junge Leute beruflich zu aktivieren, qualifizieren und in städtisches Geschehen einzubinden. „Wir sammeln auch Müll oder reparieren, was wir reparieren dürfen“, gibt Soetbeer Beispiele. 15 Jugendliche sind derzeit im Projekt, die dem Verein Radieschen zum Beispiel bei der Bewässerung der Standorte helfen.


Kontakt zum Verein Radieschen & Co.: https://flensburg-macht-spass.de

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen