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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 00:39 Uhr

Schimon Monin : Der Brückenbauer ist tot

vom

Schimon Monin mit 90 Jahren gestorben: Trotz bitterer NS-Erfahrung und Flucht hat der gebürtige Flensburger aus Israel viele Projekte angeschoben.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 07:11 Uhr

FLENSBURG/Tel Aviv | Einer der letzten von der Judenverfolgung während der NS-Willkürherrschaft direkt betroffenen Zeitzeugen aus Flensburg ist tot: Schimon Monin, 1922 in Flensburg als Sohn eines Schneidermeisters geboren und 1934 mit seiner Familie vor den Nazis ins damals von den Briten verwaltete Palästina geflüchtet, starb im Alter von 90 Jahren in seinem neuen Zuhause in Kfar Saba nördlich der israelischen Metropole Tel Aviv.

Schimon Monin gehörte zu jenen Israelis mit deutschen Wurzeln, die trotz der bitteren NS-Erfahrung bereit waren, sich nach 1945 dem demokratischen Deutschland anzunähern. In den 1960er-Jahren führte er erstmals israelische Jugend- und Gewerkschaftsgruppen nach Deutschland. Es sollten zahlreiche Kontakte folgen, auch mit seiner Geburtsstadt Flensburg, der er sich stets eng verbunden fühlte. Denn, so Monin: "Seine Geburtsstadt kann man nicht so einfach abschütteln."

Die Notwendigkeit der Verständigung verband er mit der Pflicht zur Erinnerung an den Holocaust und zur Wachsamkeit gegenüber neuen antisemitischen und fremdenfeindlichen Tendenzen.

Viele Male war er zu Besuch in Flensburg, hat hier alte Freunde wiedergefunden und neue Freundschaften geknüpft. Wiederholt sprach er vor Jugendlichen über seinen Lebensweg vor und nach der Flucht aus Deutschland. Auf die ihm eigene Art nahm er seinen Gesprächspartnern Verlegenheit und Befangenheit. "Ich bin zwar kein Deutscher, aber ich bin ein Flensburger wie Sie", sagte er einmal seinen Zuhörern. Als er seinen 80. Geburtstag feiern wollte, tat er das in Flensburg. Dazu lud er seine Kinder und Enkelkinder, die in Israel und in den USA leben, in seine Geburtsstadt ein. Gefeiert wurde im Kreis vieler deutscher Freunde in der historischen Bergmühle im Norden der Stadt, dort, wo er seine letzten Jahre unbeschwerter Kindheit verlebte. "Als die Nazis 1933 kamen, war meine Kindheit mit einem Schlage vorbei."

Auf seine Initiative ging die Gründung des Komitees ehemaliger Schleswig-Holsteiner in Israel zurück. Auch war er es, der die Erarbeitung und Herausgabe des "Memorbuches zum Gedenken an die jüdischen, in der Schoa umgekommenen Schleswig-Holsteiner" veranlasste - ein Buch des Gedenkens und der Mahnung. In Tel Aviv empfing er Reisegruppen und Einzelpersonen aus Schleswig-Holstein, um ihnen einen Einblick in das Alltagsleben einer israelischen Familie zu geben.

Anlässlich seines 90. Geburtstages im Dezember 2012 ernannte ihn die Flensburger Gesellschaft der Freunde Israels zum Ehrenmitglied. Ministerpräsident Torsten Albig würdigte seine Rolle als Brückenbauer.

Der Autor kannte Simon Monin seit 30 Jahren, war gut mit ihm befreundet und begleitete ihn Ende April bei einem neuerlichen Besuch in Tel Aviv auf dem letzten Stück seines Lebensweges.

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