Kirche in Aktion : Der Bischof kam übers Wasser

Extra geschneidert für den Bischof: Gothart Magaard im Gewand des Bischofs von Myra samt großem Gefolge auf dem Bohlwerk des Museumshafens.
Extra geschneidert für den Bischof: Gothart Magaard im Gewand des Bischofs von Myra samt großem Gefolge auf dem Bohlwerk des Museumshafens.

Gothart Magaard schlüpfte in die Rolle des historischen Nikolauses und überraschte Kinder und Erwachsene am Museumshafen

shz.de von
08. Dezember 2014, 12:45 Uhr

Nach einem ersten, vergeblichen Anlauf im Vorjahr hat es dieses Mal geklappt: In einer konzertierten Aktion konnten Historischer Hafen, Schifffahrtsmuseum und das evangelische Stadtpfarramt den Nikolaus zu einem Besuch in der Fördestadt bewegen – natürlich am 6. Dezember. In die Rolle des historischen Heiligen Nikolaus (Bischof im kleinasiatischen Myra zu Beginn des 4. Jahrhunderts) schlüpfte mit Gothart Magaard sogar ein echter Bischof. Seiner Legende als Schutzpatron der Seefahrer angemessen landete der Nikolaus standesgemäß per Schiff am Bohlwerk – an Bord des Schleppers „Flensburg“.

Beim ebenfalls historischen, leider etwas baufälligen ‚Krahn‘ hatte eine größere Menschenmenge (samt Medientross) bei Kakao und Musik auf ihn gewartet, und begrüßte ihn gegen 16 Uhr mit einem fröhlichen „Nikolaus, komm zu uns nach Flensburg raus“. Mittels eines echten Sprachrohrs bedankte sich dieser bei den Wartenden und ging an Land. Gekleidet war er in einem aufwändigen, dreilagigen Bischofsgewand in Grün samt weiß-roter Mitra mit Kreuz, das Kostümschneiderin Barbara Büsch extra für ihn gefertigt hatte. Während einer kleinen Prozession zum Schifffahrtsmuseum war der Nikolaus umringt von respektvollen kleinen Flensburgern, die viele Fragen hatten und von denen sich einige sogar brav für die morgens gefüllt vorgefundenen Stiefel bedankten.

Im Museums-Café wurde der Nikolaus nochmals mit einem Lied begrüßt. Für Spannung sorgte der mitgebrachte Gabensack; doch vor dessen Plünderung wurde der Nikolaus noch von zwei Nachwuchs-Reporterinnen des sh:z öffentlich interviewt (siehe Bericht auf der Seite KiNa). „Ich habe viel in der Welt erlebt, große Not und Hunger und Eltern, die zum Überleben ihre Kinder verkaufen wollten“, erzählte der historische Nikolaus. Der Legende nach habe der Bischof von Myra dies durch morgendliches Verteilen von Goldstücken verhindern können. Symbolisch stünde diese Gabe dafür, dass alle Kinder wichtig seien und geliebt würden. Anhand der Schuhe vor der Tür könne der Nikolaus übrigens erkennen, wie viele Kinder und in welchem Alter sie auf seine traditionellen Gaben warteten. Die ausnahmsweise am Nachmittag von einem ‚echten‘ Nikolaus überreichten Geschenke dürften anschließend bei den kleinen Besuchern für ziemliche Aufregung gesorgt haben. Zum Abschluss erteilte der „doppelte“ Bischof seinen Segen mit der Aufforderung, „freudig aufs Weihnachtfest“ zuzugehen.

„Die Idee, als Nikolaus auf die Situation benachteiligter Kinder in der heutigen Welt aufmerksam zu machen, hat ihren eigenen Charme“, erklärte Gothart Magaard seine Bereitschaft, persönlich die Rolle des Heiligen zu übernehmen. Der gebürtige Flensburger wurde in diesem Jahr zum Bischof für den Sprengel Schleswig und Holstein mit Predigtstätte im Schleswiger St. Petri-Dom gewählt. Er sehe es als Aufgabe aller an, für die etwa 74 000 in Schleswig-Holstein von Armut gefährdeten Kinder aktiv zu werden. „In Flensburg besteht diese bedrohliche Situation für jedes fünfte Kind“, ergänzte Pastor Thomas Nolte vom Diakonischen Werk, der in zehn Jahren Harz IV eine deutliche Verschärfung der Lebensbedingungen für betroffene Familien feststellen musste. Für den „Schutzengel“ hatte Volker Syring dem Nikolaus eine Reihe von Wünschen übergeben, die Kinder für ihre Eltern formuliert hätten. „Damit beleben wir eines unserer Ziele, Familien eine Stimme nach außen zu geben und Hoffnung zu wecken, was sich positiv auf die Kinder auswirkt“, sagte er.

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