Die (örtlich) "rechte Ecke" : Der älteste Stammtisch hat Geburtstag

Der Schwarze Walfisch in der Angelburger Straße: 120 Jahre lang beherbergte Flenburgs älteste Gaststätte Flensburgs älteste Stammtischrunde.  Foto: sh:z
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Der Schwarze Walfisch in der Angelburger Straße: 120 Jahre lang beherbergte Flenburgs älteste Gaststätte Flensburgs älteste Stammtischrunde. Foto: sh:z

125 Jahre gibt es "Die rechte Ecke", die damit Flensburgs ältester Stammtisch ist. In ihrer Geschichte musste die Stammtischrunde nur ein einziges Mal verlegt werden.

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04. März 2009, 09:17 Uhr

Flensburg | "Die rechte Ecke" ist einer der ältesten Stammtische Deutschlands. Er wurde am 7. März 1884 von 56 maßgebenden Männern aus Flensburg im rechten Hinterzimmer des Gasthauses "Schwarzer Walfisch" an der Angelburger Straße von Kaufleuten, Juristen, Ärzten und Beamten gegründet. Dies erklärt den vielleicht irreführenden Namen. Unter ihnen waren beispielsweise Herm. G. Dethleffsen (Bommerlunder), Emil Petersen (Flensburger Brauerei) und August Grün (Hansen-Rum). Nach 125 Jahren hat sich an dem gesellschaftlich anerkannten Status der Mitglieder nichts geändert. Zurzeit besteht der Stammtisch aus 44 Mitgliedern, darunter Kaufleute, Marine-Offiziere, Juristen, Architekten, Beamte, Ärzte und Kapitäne.

Jedoch musste der Ort der Stammtischrunde verlegt werden. Seit fünf Jahren sitzt "Die rechte Ecke" in der St. Knudsborg, da der "Schwarze Walfisch" geschlossen hat. Die Brauerei, die Eigentümerin der Immobilie, sucht derzeit einen neuen Pächter.
Gesitteter Gedankenaustausch
Die montäglichen Treffen laufen, im Gegensatz zu dem, was sonst unter einem Stammtisch verstanden wird, sehr gesittet ab. Hauptgrund der Treffen sind anregende Gespräche mit Gleichgesinnten und der Gedankenaustausch. Gelegentlich werden auch Vorträge aus dem jeweiligen Berufsfeld gehalten.

Einer ist Helge Berndt, früher Lehrer am Alten Gymnasium und seit 1997 Mitglied des Stammtisches, besonders in Erinnerung geblieben: der Vortrag von Kapitän Georg Traeger, als dieser berichtete, wie er mit der Alexander v. Humboldt rund um Kap Hoorn gereist ist.

Wer Mitglied werden will, kann sich aber nicht ohne weiteres anmelden. Auf persönliche Empfehlung wird man eingeladen und muss sich dann bei den Gesprächen einbringen können. Danach erfolgt eine Abstimmung, die ohne Veto erfolgen muss.

Überdies bietet "Die rechte Ecke" besondere Veranstaltungen. Dazu gehört das jährliche Spargelessen mit Damen im Mai, der Sommerausflug, das Mühlenfest in Munkbrarup und die Generalversammlung im Dezember. Bei der Versammlung werden die Ämter vergeben: der Schatzmeister, Geburtstagsrat, die Glöckner, Büttler und Bader. Der Präsident, die beiden Vizepräsidenten und der Archivar werden ebenfalls gewählt. Ein weiterer besonderer Anlass ist ein runder Geburtstag eines Mitgliedes der Männerrunde. Hier wird zu einem Festessen geladen und die Glöckner schlagen das traditionelle und historische Glockenspiel. Dieses Glockenspiel ist noch das Original und ist somit über 100 Jahre alt. Vor allem bei solchen Veranstaltungen verfassen die Mitglieder oftmals Gedichte, die dann ins Anwesenheitsbuch eingetragen werden.

Besonders faszinierend und Helge Berndt zufolge "eine kultur- historisch interessante Sache" sind die Archivalien, die der Stammtisch verwaltet. Seit 125 Jahren wird "Die rechte Ecke" aufs Genauste dokumentiert. Zwar gebe es kleinere Unterbrechungen, wie bei Bombenangriffen oder der Schneekatastrophe, berichtet Berndt, aber sonst könne man alles nachvollziehen, etwa die vergebenen Ämter oder Vorträge die gehalten wurden. Ein kleines Buch ragt heraus, das mit etlichen Postkarten gefüllt ist, die der Hauptmann von Hassel bei seinem 2- jährigen Aufenthalt (1905- 1907) im ehemaligen Deutsch- /Ostafrika an seine Stammtischkollegen verschickte. Der amtierende Archivar der "rechten Ecke", Helge Berndt, hat schon Kontakt mit Stadtarchivar Broder Schwensen aufgenommen, und nach dem Jubiläum werden eventuell die Archivalien ins Stadtarchiv umgelagert.

Am 7. März wird "Die rechte Ecke" in Glücksburg das Jubiläum feiern. Womöglich wird wieder das eine oder andere Gedicht entstehen.

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