Bauen in Flensburg : Der 170-Millionen-Euro-Plan

SBV-Stadt Flensburg: Diese fünf der aktuell sieben Bauprojekte wurden gestern in Augenschein genommen.
SBV-Stadt Flensburg: Diese fünf der aktuell sieben Bauprojekte wurden gestern in Augenschein genommen.

Der Selbsthilfebauverein will bis 2021 insgesamt 660 neue Wohnungen bauen.

shz.de von
28. März 2017, 07:49 Uhr

Es ist ein großes Ziel, das sich die Stadt gesetzt hat: 8000 neue Wohnungen sollen bis 2030 entstehen. Das sind rund 570 pro Jahr. 660 neue Wohnungen baut der Selbsthilfebauverein (SBV), größter Vermieter der Stadt – allerdings in vier Jahren. „Die Stadt, das Land und wir müssen was tun!“, bekräftigte SBV-Vorstand Raimund Dankowski gestern bei einer Vorstellung der aktuellen Bauprojekte, gefolgt von einer kleinen „Baustellen-Tournee“ mit Innenminister Stefan Studt und Oberbürgermeisterin Simone Lange.

Das prognostizierte und zum Teil bereits realisierte Wachstum der Stadt könne zu einer Herausforderung werden, so Lange: „Wie kommen wir da eigentlich hinterher?“ Auch eine Herausforderung sei es, genug bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dritte Erkenntnis: „Nicht nur die Stadt wächst, sondern auch der erste Siedlungsring, die direkt an Flensburg grenzenden Gemeinden.“

Beim Thema bezahlbarer Wohnraum ist der SBV dabei. Bei den aktuellen Bauprojekten seien sechs von zehn Wohnungen gefördert und unterliegen damit einer Mietpreisbindung. Damit ist die Quote doppelt so hoch wie von der Stadt für neue Wohnbauprojekte festgelegt. „Das geht nicht ohne das Land“, wandte sich Lange an den Minister.

Der nahm den Ball gern auf und bot billiges Geld an: 0 Prozent Zinsen, und da das schon fast der Satz auf dem normalen Kapitalmarkt ist, gibt es noch 250 Euro pro gebauten Quadratmeter obendrauf. Dieses Angebot sei vorerst auf zwei Jahre befristet; in der Zeit wird der SBV gern davon Gebrauch machen.

Zum Beispiel für das größte Projekt der kommenden Jahre, den Wohnpark Tarup, für den am kommenden Donnerstag die Ratsversammlung voraussichtlich Baurecht schaffen wird. „Da wollen wir ein völlig neues Quartier schaffen“, so Dankowski. Geplant sind 286 Wohnungen auf 4,3 Hektar. Hier – wie auch aktuell im Fruerlunder Hesttoft – plant der SBV mit dem Modulhaus „15-Quadrat“, das in verschiedenen Varianten, aber immer mit der gleichen Grundstruktur kostensparend gebaut werden kann (1400 bis 1600 Euro pro Quadratmeter). 70 Prozent der 286 Wohnungen sind gefördert, mit dem Hochbau soll im Februar nächsten Jahren begonnen werden, die Fertigstellung ist für Mai 2021 geplant. Die Erschließung beginnt noch in diesem Jahr. Proteste einiger Anlieger wollten weder Lange noch Dankowski zu hoch bewerten; sie verwiesen auf Lärmschutzwälle und Abstände. Die Oberbürgermeisterin gab zu bedenken, dass, wenn man gleichzeitig wachsen und Grüngürtel erhalten wolle, der Weg in die Höhe unumgehbar sei.

An der Ecke Schottweg / Wasserlooser Weg bringt der SBV Alte und Junge zusammen. Das Projekt „Mürwiker Garten“ wendet sich mit seinen 74 Wohnungen vor allem an Ältere, die sich hier auch von den Ambulanten Diensten St. Elisabeth betreuen lassen können. Das Interesse an den Wohnungen sei sehr groß, so Dankowskis Vorstandskollege Jürgen Möller. Dazu vermietet der SBV im Erdgeschoss Flächen an ADS-Grenzfriedensbund für eine Kindertagesstätte. „Wir planen zwei Regelgruppen und eine Krippengruppe mit zusammen 50 Kindern“, so Geschäftsführerin Michaela Oesser. Ihre Idee: Ältere Bewohner helfen den Kleinen beim Plattdeutschen, das hier als Minderheitensprache verbreitet werden soll – zur Freunde von Innenminister Studt.

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