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Psychosomatische Erkrankungen : Depression und Burnout: Tagesklinik für alle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

15 Plätze für psychosomatische Patienten gibt es in der Nerongsallee 5. Seit Februar sind schon sieben Patienten auf zwei von vier Etagen in Behandlung.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Das Baugerüst bleibt der schönen Villa in der Nerongsallee 5 noch eine Weile erhalten. Und obwohl die Tagesklinik für Psychosomatik erst ab April ihre 15 Plätze ausschöpft und die offizielle Eröffnung noch später anberaumt ist, sind seit Februar schon sieben Patienten auf zwei von vier Etagen in Behandlung.

Interessanterweise seien vor allem Männer angemeldet, stellt Oberärztin Dr. Seher Biber fest, kann diese Tendenz aber nicht erklären. Biber ist in Mönchengladbach geboren, hat in Bonn Medizin studiert und in Flensburg im Vorjahr ihre Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie abgeschlossen. Mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie darf die Rheinländerin als besonders gefragt gelten. Und sie ist noch nicht am Ende ihrer Spezialisierung. Derzeit wird sie in Berlin zur Expertin in „DBT“, in dialektisch-behavioraler Therapie, gemacht. Diese komme insbesondere bei Borderline-Patienten zum Einsatz, erläutert Biber.

Den psychosomatischen Erkrankungen werden durch psychische Beschwerden hervorgerufene Symptome oder Krankheiten zugeordnet. Potenzielle Patienten für die neue Tagesklinik könnten etwa Menschen mit Angststörungen, Burnout, Schmerzerkrankungen und depressiven Symptomen sein, zählt Seher Biber auf. Sie weiß, dass Patienten mit Schwindel beispielsweise, dessen Ursache andere Ärzte nicht auf die Spur gekommen sind, sich das Symptom nicht einbilden. „Der Schwindel ist ja da.“

Dr. Frank Helmig, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, beton: „Wir werden nicht differenzieren, ob eine Krankheit organisch begründet ist oder nicht. Patienten, die sich in der Tagesklinik anmeldeten, seien medizinisch austherapiert. Schon deshalb sei es sinnvoll, dass der Weg hierher über die Überweisung durch den Hausarzt führt.

„Uns geht es darum, den Leidensdruck zu reduzieren“, hebt Seher Biber das zentrale Anliegen der neuen Tagesklinik für Psychosomatik hervor. Mit psychotherapeutischen Methoden solle die Lebensqualität gehoben werden. „Körperliche Erkrankungen haben Einfluss auf psychische Erkrankungen und psychische Erkrankungen haben Einfluss auf körperliche Erkrankungen“, verdeutlicht Frank Helmig. Oder anders ausgedrückt: Ein Patient mit Krebs und einer Depression leidet mehr als ein Patient mit Krebs und ohne Depression.

Seher Biber erklärt den Ansatz: Der Patient solle zunächst seine Krankheit verstehen und bewältigen. Er bekomme ein Krankheitsmodell an die Hand, aus dem Schritte zur Bewältigung folgten. Behandelt werde in Einzel- oder Gruppentherapie. Entspannungs-, Bewegungs-, Ergo-, Kunst- und andere Verfahren kommen zur Anwendung. Chefarzt Frank Helmig hebt hervor, dass all dies nun in modernen, nicht stigmatisierenden Räumen geschehe. Die neue Tagesklinik der Diako in Flensburg sei als eines von fünf Konzepten im Lande als Modellprojekt ausgewählt worden. Gemäß dem Wunsch der Landesregierung soll Psychiatrie wie Psychosomatik „gemeindenah“ organisiert werden.

Vorteile seien, so Helmig, dass Patienten nicht fern des Wohnortes therapiert würden, sondern in ihrem sozialen Umfeld bleiben können und abends wieder zu Hause sind.

 

Tagesklinik für Psychosomatik, Nerongsallee 5, Flensburg, geöffnet von 8 bis 16.30 Uhr; Telefon 0461-8121787. Ein Tag der offenen Tür findet am 25. April von 12 bis 16.30 Uhr statt; das Team werde vor Ort sein.



 

 

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