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Sinnerup in Flensburg : Denkmalgeschützt, aber verfallen: Dänen wollen historische Höfe retten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Lifestyle-Kaufhaus erwirbt denkmalgeschützte Höfe in der Angelburger Straße. Um sie herum baut das Familienunternehmen aus Holstebro seine neue und immer noch einzige Filiale in Deutschland.

Flensburg | Für die Angelburger Straße ist es wie ein Jackpot aus heiterem Himmel. Zehn Jahre lang vergammelten neben dem Eingang der Flensburg-Galerie drei Häuser. Die drei Baudenkmäler wirkten stets ein bisschen wie das schlechte Gewissen des Einkaufszentrums, waren sie doch vor zehn Jahren im Zuge der Gründungsarbeiten unbewohnbar geworden und mussten dauerhaft evakuiert werden. Doch jetzt nimmt das dänische Lifestylehaus Sinnerup viel Geld für ein ehrgeiziges städtebauliches Projekt in die Hand, in dessen Mittelpunkt die denkmalgeschützten Häuser stehen werden. Um sie herum baut das Familienunternehmen aus Holstebro seine neue und immer noch einzige Filiale in Deutschland.

So einfach ist das manchmal: „Wir fühlen uns gut hier in Flensburg und wir haben immer gesagt: Wenn unser Geschäft erfolgreich läuft, wollen wir hier Eigentum erwerben.“ Für Filialleiterin Henriette Novak ist dieser Schritt nur logisch im Sinne der dänischen Unternehmensphilosophie, die Eigentum vor Miete stellt – und dabei auch bereit ist, Risiken zu schultern. „Der Projektgedanke eines unverwechselbaren Auftritts stand über den reinen Kostenerwägungen. „Wir haben gekauft, ohne genau zu wissen, was es am Ende kosten wird“, sagt Henriette Novak.

Der Flensburger Architekt Glenn Dierking steht erst ganz am Anfang. Offiziell wechseln die Häuser erst am 1. November den Besitzer, trotzdem beginnt schon der Zeitdruck. Im ersten Schritt muss in den teils massiv von Schimmel verseuchten und auch schwamm-befallenen Häusern aufgeräumt werden. Spannend wird es im nächsten Schritt, nämlich wenn gutachterlich der Zustand der Denkmalssubstanz untersucht wird. Flensburgs Denkmalsschützer Eiko Wenzel erwartet Hinweise, die ins 15. Jahrhundert führen, womit die Kaufmannshofanlagen zu den ältesten in Flensburg gehören dürften. Natürlich ist er als städtischer Schutzherr der historischen Flensburger Bausubstanz sehr zufrieden. „Es ist erfreulich, dass Sinnerups Zielsetzung ein weit gehender Erhalt der kleinteiligen Anlage ist. Architekt Dierking und sein Bauherr müssen sich gedulden, bis der Hamburger Gutachter seine Arbeit getan hat. Erst dann kann überhaupt erst in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ein Plan für Sinnerups neue Filiale entstehen.

Natürlich gibt es eine Reihe von Ideen. „Wir werden auch eine ganze Menge einreißen müssen“, stellt Dierking klar. Aber ein wesentliches Ziel werde sein, den Denkmals-Charakter, wo immer es sich anbietet, auch sichtbar zu machen. Sanierte Hof-Flächen unter Glas, Alte Mauern, Giebel und Fassaden uraltes Fachwerk, barocke Treppen, freigelegte Dachstühle – Dierking kann aus einem großen Fundus schöpfen.

Sinnerup wird sich mit dem neuen Haus aus der Galerie verabschieden und der Angelburger Straße wertvolle Impulse verleihen – da sind sich alle Beteiligten sicher. „Das ist eine ganz massive Stärkung nicht nur der Angelburger Straße, sondern der gesamten Innenstadt“, sagt Mathias Borelli, Center-Manager der Flensburg-Galerie. Er erinnert daran, dass beim Bau der Galerie der Zugang von der „ärmeren“ Seitenlage ganz bewusst Teil der Planung war. Zehn Jahre danach scheint die Angelburger Straße endlich davon profitieren zu können. An der Kundschaft soll’s nicht liegen, verspricht Henriette Novak. „Die Dänen lieben alte Bausubstanz in einer Mall. So etwas gibt es bei uns in Dänemark nämlich kaum. Sie verkleinert die Verkaufsfläche mit dem Neubau von 2800 auf rund 1800 Quadratmeter – geht aber davon aus, den Umsatz zu halten. Borelli sieht durch den Umzug seines attraktiven Ankermieters keine Schwächung auf sein Haus zukommen, setzt im Gegenteil nochmals auf einen noch engeren Schulterschluss des Einzelhandels etwa mit erweiterten Öffnungszeiten. Er geht davon aus, dass die frei werdende Fläche durch Anbieter von Textilien besiedelt werden wird. Der Filialist Tara M wäre ein – allerdings unbestätigter – Kandidat.

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erstellt am 28.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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