zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

21. August 2017 | 01:30 Uhr

Denkmal verwaist – Kosten zu hoch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die frühere Hofapotheke von 1877 verlässt das denkmalgeschützte Haus an der Glücksburger Rathausstraße / Der Naturschutzbund erbt es

Es tropft. Risse durchziehen den Fußboden. Muffiger Geruch drängt die Kellertreppe hinauf. Das unter Denkmalschutz stehende Haus in der Rathausstraße 10 in Glücksburg müsste renoviert werden.

„Das Dach ist undicht, es regnet durch“, sagt Apothekerin Christiane Meyer-Plavoukos. Seit 2006 führt die Frau aus dem Norden von Hamburg den Betrieb im Zentrum der kleinen Fördestadt. Nun ist sie mit der alteingesessenen Kronen-Apotheke ausgezogen. Heute schließen die Türen des Traditionsbetriebes für immer – zumindest an dieser Stelle. Die Apotheke zieht an die Sandwigstraße und schenkt der dortigen Filiale „Apotheke am Meer“ am Montag den Namen Kronen-Apotheke.

Grund für den Auszug sind veränderte Eigentumsverhältnisse. Ende Dezember 2013 starb Hildegard Knöll, die Vorgängerin von Meyer-Plavoukos. Das als Denkmal eingetragene Haus – sein Kern könnte Ende des 17. Jahrhunderts gebaut worden sein – erbt der Naturschutzbund. Der Sohn der Voreigentümerin, Apotheker Hans Knöll-Fuglsang, arbeitete von 1974 bis 2006 mit seiner Mutter zusammen und betreut für den Nabu seit vielen Jahren das Naturschutzgebiet Holnis.

Seit zehn Jahren stehe es fest, dass der Nabu das Anwesen erhalte, sagt Christian Unselt, Vizepräsident des Vereins, auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Nachlassgericht informierte den Nabu im Februar dieses Jahres über den Erbfall.

Der Verein will das 1500 Quadratmeter große Grundstück mit Haus „unter Denkmalgesichtspunkten veräußern“, wie Unselt sagt, damit es weiterhin sinnvoll genutzt werden kann. Gerne hätte der Berliner die Kronen-Apotheke weiterhin in dem Denkmal gesehen. Doch seien sie sich über den Kaufpreis nicht einig geworden. Ein gemeinsames Gutachten ergab einen Wert von 290 000 Euro. Der inzwischen beauftragte Makler will das Anwesen für 180 000 Euro anbieten.

Meyer-Plavoukos und ihr Mann haben 2000 Euro geboten, wie Unselt sagt: „Wenn ich das Haus für diesen Preis veräußerte, würde mir jeder die Veruntreuung von Vereinsvermögen vorwerfen.“ Das Apotheker-Ehepaar hält den eher symbolischen Preis für gerechtfertigt. „Allein ein neues Dach nach Denkmalvorgaben würde drei Millionen Euro kosten, ist mir gesagt worden“, so Thomas Meyer, der in Norderstedt eine Apotheke führt.

Landeskonservator Michael Paarmann berichtet, dass das Haus 1993 aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen wurde. Der Denkmalschutz erstrecke sich sowohl auf das Gebäude als auch die historische Ausstattung.

Zum 1. September müssen die Apotheker das Haus mit den ursprünglichen Holztüren, dem Gewölbekeller und der Doppel-Verglasung verlassen haben. Die Räume sind bereits fast leer. Die alten Apotheker-Schränke hat Meyer-Plavoukos mitgenommen. Hans Knöll-Fuglsang bedauert das zutiefst. „Ich würde immer so heizen, dass es trocken bleibt.“ Doch die Denkmalpflege hat der Mitnahme zugestimmt. Landeskonservator Paarmann: „Zur historischen Ausstattung gehören alle fest mit dem Gebäude verbundenen historischen Ausstattungsteile, wie ein altes Treppenhaus, alte Fußböden, Tür und Fenster, Stuckdecken...“ Die Apothekeneinrichtung sei 1993 nicht zur ortsfest mit dem Bau verbundenen Ausstattung gerechnet worden. „Sonst wäre dieses in der Urkunde sicher besonders hervorgehoben worden.“

Seit Mittwoch wurden fleißig Kartons gepackt und Fuhre um Fuhre nach Sandwig gekarrt – in deutlich jüngere, trockene Räume.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Aug.2014 | 07:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert