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Denkmalschutz in Flensburg : Denkmal contra „Architekturgulasch“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Bewertung von Denkmälern im Stadtteil Westliche Höhe auf Grundlage aktueller Gesetzeslage

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 05:35 Uhr

„Denkmäler als Zeugen des menschlichen Wirkens“: Die Teilnehmer des Stadtteilforums Westliche Höhe diskutierten, wie mit diesen „Zeugen“ in ihrem Wohnviertel umgegangen wird. Eine Gesetzesänderung sorgte dabei für ausreichend Gesprächsstoff.

Flensburg, als wenig kriegszerstörte Stadt, bietet eine weitestgehend gut erhaltene Substanz an alten Bauten. Besonders bekannt sind die Kaufmannshäuser mit ihren markanten Innenhöfen in der Altstadt. Doch auch der Stadtteil Westliche Höhe besitzt eine große Anzahl an Denkmälern. Hier finden sich vor allem Gebäude aus der Gründerzeit, dem Jugendstil und der Heimatschutzarchitektur.

Martje Rabeler, selbst Besitzerin einer denkmalgeschützten Immobilie, äußerte ihre Meinung zur Relevanz des Denkmalschutzes: „Wir müssen alles dafür tun, dass in der Westlichen Höhe kein Architekturgulasch entsteht.“ Um dem vorzubeugen, werden jetzt viele dieser Häuser im Zuge einer Neubewertung auf ihren Denkmalstatus hin überprüft. Grundlage dafür ist eine Aktualisierung eines Gesetzes vom Januar 2015. Konkret bedeutet das: Bewertet die Denkmalschutzbehörde ein Gebäude als Denkmal, wird der Besitzer benachrichtigt und das Haus ist ab sofort eingetragenes Denkmal. Eigentümer ehemals einfacher Kulturdenkmäler, die nicht benachrichtigt werden, können davon ausgehen, dass ihr Haus keinen Denkmalschutz mehr genießt. Bereits erfasste besondere Kulturdenkmäler behalten ihren Schutz jedoch in jedem Fall. Denn genau das ist einer der wichtigsten Aspekte des neuen Gesetzes: Bislang wurde in der Erfassung zwischen einfachen und besonderen Kulturdenkmälern unterschieden. Durch das neue Gesetz entfällt diese Unterscheidung jetzt. Das Ziel ist, Eigentümer etwa hinsichtlich steuerlicher Abschreibungen gleichzustellen. Auf der Westlichen Höhe gibt es 332 Denkmaleinträge, wovon rund 100 noch bewertet werden müssen. Im gesamten Flensburger Stadtgebiet sind bereits 1600 Bauten nach dem neuen Gesetz als Denkmal eingetragen. Um die 750 Objekte warten noch auf eine Bewertung durch die zuständige Behörde.

Obwohl die Gesetzesänderung schon mehr als zwei Jahre zurückliegt, finden viele Aktualisierungen erst jetzt statt. Das liegt daran, dass zunächst in anderen Teilen des Landes mit den Gutachten begonnen wurde. So hat in Neumünster bereits eine komplette Einordnung stattgefunden. In Stadtteilen wie der Westlichen Altstadt und auf derb Hafen-Ostseite ist die Bewertung ebenfalls größtenteils abgeschlossen.

Bastian Müller und Nils Meyer vom Landesamt für Denkmalpflege erklärten, nach welchen Maßstäben Gebäude eingeordnet werden. Die Grundlage bildet ein öffentliches Interesse an der Erhaltung, nach bestimmten Maßstäben, wie technischen oder geschichtlichen Besonderheiten.

Deshalb steht der Denkmalschutz auch immer im Spannungsfeld der Politik. Denn in besonderen Fällen stehen höhere Interessen über dem Schutz des Hauses. Beispielhaft dafür ist die Kita in der Villa Käthe an der Roonstraße. Wegen der individuellen Nutzung müssen besondere Auflagen erfüllt werden, die in Form einer Brandschutztreppe an der Fassade des Hauses deutlich werden. Die Teilnehmer des Bürgerforums kritisierten diese Maßnahme scharf und nahmen die Denkmalschützer in die Pflicht, sich künftig gegen Umbauten dieser Art einzusetzen. Grünen-Ratsherr Pelle Hansen sagte dazu: „Die Kommunalpolitik muss Interessen gegeneinander abwiegen – so funktioniert das in einem Rechtsstaat.“

Durch die flächendeckende Neubewertung will die Behörde Streitpunkten wie diesem mit einem klaren rechtlichen Rahmen vorbeugen. Und so werden in der nächsten Zeit häufiger Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde durch den Stadtteil laufen und diverse Häuser dokumentieren, um so schnell wie möglich Klarheit für die Besitzer zu schaffen. Eiko Wenzel erinnerte die Besucher des Stadtteilforums am Schluss ausdrücklich daran „immer im Sinne ihrer Interessen unbequem zu bleiben“.

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