Stadtdenker : Denker-Damm und offene Hafenspitze

Henri Bava schlägt vor, die Hafenspitze als Herz der Stadt in Szene zu setzen, indem man die Enden der Bahndämme beseitigt. Der Franzose wurde wohlwollend verabschiedet.

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24. November 2008, 12:25 Uhr

Flensburg | Noch nie wurde ein Stadtdenker so konkret wie der in Karlsruhe tätige Landschaftsarchitekt Prof. Henri Bava. Die Nähe zum Wasser mache für ihn das Wesen Flensburgs aus, sagte er im restlos gefüllten Saal der Phänomenta. Die beiden auslaufenden Bahndämme, zwischen denen die Hafenspitze liegt, würden diesen Platz von der Stadt trennen. Die Förde spitze als "Amphitheater" käme besser zur Geltung, würde man - vor allem auf der Westseite - das Damm ende schleifen. Ankommenden Touristen würde sich die Förde entscheidende Momente früher präsentieren. Zudem würde er die Parkflächen in der Nähe der Hafenspitze reduzieren und ein nicht zu hohes Gebäude mit einer öffentlichen Nutzung vorschlagen - "ein Marine-Museum".

Doch Bava ging noch weiter: Er ging auf den Bahndamm. Auf Höhe Helenenallee könne man eine Treppe oder Rampe hinauf auf den Damm gestalten, sodann auf diesem hinter dem Deutschen Haus entlang und am Johannisviertel vorbei bis zum Zob flanieren.
"Förde ist die Zentralität in Flensburg"
Mit liebevollen Skizzen verdeutlichte der Landschaftsarchitekt, wie das aussehen könnte. Den Mühlenstrom sollte man öffnen und am Fuße des "Stadtdenker-Damms" offen zum Hafen fließen lassen. Enden könnte der Damm nach Bava entweder abrupt am Mauseloch oder aber von dort in einer Rampe sanft auslaufen bis zum Hafendamm. Dort müssten ebenfalls beide Bahnbrücken verschwinden. Vom Damm aus würde sich dem Flanierer dann die Förde präsentieren.

Der fünfte und vorerst letzte Flensburger Stadtdenker hatte den Zuhörern zuvor seine Sicht der Stadt vorgestellt und sich dabei stark auf das Thema Wasser konzentriert. Flensburg sei für ihn keine Hafen-, sondern eine Fördestadt. "Die Förde ist die Zentralität in Flensburg. Das muss man verbessern."

Immer wieder gab es kleinen Zwischenapplaus, wenn er einzelne Aspekte hervorhob oder forderte, "die Vielfalt der Förde muss erhalten bleiben". Auch die Zuflüsse blieben nicht unbeachtet: Bava regte an, den Lautrupsbach am Hafen zu öffnen - wie es bereits in Zusammenhang mit der Neubebauung des Schuppen-Grundstücks geplant ist. Allerdings ließ Bava sich später die Aussage entlocken, er würde das Areal eher unbebaut lassen.

Der Verein Flensburger Baukultur, der das Stadtdenker-Projekt vor fünf Jahren startete, plant für das kommende Jahr eine Buchveröffentlichung mit der Zusammenfassung der Ideen der fünf Denker. Der Titel könnte lauten "Erzählen Sie uns von Flensburg!". Mit diesen Worten bittet Projektleiter Bernd Köster traditionell den jeweiligen Stadtdenker zum Schlussvortrag aufs Podium.

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