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Studentische Ausstellung : Den Opfern eine Stimme geben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das „Project Unbreakable“ will im Modul 1 auf das Tabu-Thema sexuelle Gewalt aufmerksam machen.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 14:00 Uhr

Mit einer Kunstausstellung wollen vier Flensburger Studentinnen auf die Opfer von Vergewaltigung und Missbrauch aufmerksam machen und ihnen den Mut geben, ihr Trauma zu verarbeiten.

Zu der Idee kam Larissa Ehlert (23) durch einen Fernsehbericht über ein Projekt der US-Amerikanerin Grace Brown: Diese hatte im Oktober 2011 damit begonnen Bilder von Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfern zu machen, die Aussagen der Täter auf Postern vor sich halten. Inzwischen hat sie mehr als 2000 Bildern gesammelt und im Internet veröffentlicht. Auf der Internet-Bilderplattform „tumblr“ gehört Browns „Project Unbreakable“ (auf Deutsch „Projekt unzerbrechlich“) zu den dreißig am häufigsten aufgerufenen Seiten. Bei geschätzten 73 Milionen Nutzern ein nicht zu unterschätzender Wert. Gemeinsam mit Marina Hilmer (23), Christine Patzer (21) und Mareile Buchholz (24) studiert Ehlert im fünften Semester Kunstpädagogik an der Flensburger Universität. Eine Ausstellung mit selbstgewähltem Thema ist in das Studium integriert. Die vier entschieden sich eine Kunstausstellung mit dem Namen „Project Unbreakable“ zu organisieren.

Mehr als 30 Interessierte sind in die Ausstellungsräume Modul 1 in der Roten Straße gekommen. An den Wänden sind Schattenrisse angebracht, sie tragen Aussagen wie: „Alle 68 Minuten wird jemand in Deutschland vergewaltigt.“ Der Hauptteil der Ausstellung sind Collagen der von Grace Brown gesammelten Fotos. Auf ihnen sieht man die Opfer von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung mit den Sätzen der Täter: „Warum hast du dich nicht gewehrt?“, „Das ist keine Vergewaltigung, wir sind verheiratet.“ Oder der Satz eines Täters zu einem dreijährigen Mädchen: „Fühlt sich das gut an?“ Neben den Bilder gibt es auch Ausschnitte aus Fernsehbeiträgen oder Dokumentarfilmen, die man sich in den Ausstellungsräumen anschauen kann. „Wir haben uns für das Thema entschieden , weil wir glauben, dass es noch immer ein Tabu ist“, sagt Mareile Buchholz.

Laut der Polizeistatistik wurden im Jahr 2012 mehr als 8000 Menschen Opfer einer Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung in Deutschland: „Die Dunkelziffer kennt aber noch nicht mal die Polizei“, sagt Karl-Heinz Ritzmann vom Weißen Ring Flensburg. Der Weiße Ring hilft Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind. Bei der Ausstellung unterstützte er die vier Studentinnen. Ritzmann zufolge betreute der Weiße Ring im vergangenen Jahr 120 Opfer einer Straftat in Flensburg – 28 davon waren von sexueller Gewalt betroffen. „Von einem missbrauchten dreijährigen Jungen bis zu einer jungen Frau, die durch KO-Tropfen betäubt Opfer einer Vergewaltigung wurde, gab es alles“, sagt Ritzmann. Viele Frauen würden erst nach Jahren, den Mut finden über das Thema zu sprechen. „Die Ausstellung kann vielleicht das Bewußtsein verändern und dazu führen, dass sich mehr Betroffene melden“, sagt Ritzmann.

Viel Wert legen die vier Studentinnen darauf, dass nicht nur Frauen betroffen sind. Es gäbe auch viele männliche Opfer, die unter den Folgen einer Vergewaltigung leiden würden. In den Collagen der Studentinnen lassen sich so auch einige Männern finden. Meist wurden die Betroffenen als Kinder Opfer eines Missbrauchs. Für Ritzmann könne die Ausstellung vielleicht das Bewußtsein der Menschen ändern und auf das Thema aufmerksam machen: „Die Ausstellung ist mir aber fast zu harmlos, die Realität ist noch härter“, sagt er.

>Die Ausstellung „Project Unbreakable“ läuft noch bis Samstag, den 1. Februar, jeden Tag von 12 bis 18Uhr im Modul 1, Rote Straße 17.

 

 

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