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Steinbergkirche : Den Gintorfer Wald gibt es nicht mehr

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In Steinbergkirche herrscht große Empörung über die Abholzung des „Preesterholt“. Bürgerinitiative, Anwohner und Gemeinde scheitern mit Antrag auf einstweilige Anordnung.

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erstellt am 14.Nov.2017 | 11:33 Uhr

Jetzt nützen keine rechtlichen Scharmützel mehr, keine beschwörenden Appelle, keine Friedensgebete und kein Nachtreten gegen Beteiligte – das „Preesterholt“, der kleine Wald von Gintoft, ist Vergangenheit. Als in der vergangenen Woche zwei Männer mit Kettensägen anrückten, hatten die Mitglieder der Bürgerinitiative „Schönes Angeln“ noch die vage Hoffnung, es sollten nur einige Bäume fallen, doch am Wochenende wurde nun das ganze Ausmaß der Arbeiten sichtbar: Der Wald ist verschwunden. Der Eigentümer der Fläche hat nur noch einige Bäume an der Ostseite des rund zwei Hektar großen Geländes in Steinbergkirche stehen gelassen – gerade einmal genug, um nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde in Konflikt zu geraten, die ein kleines Gewässer inklusive Uferstreifen unter Schutz gestellt hat.

Die Rodung des Waldes ist der Endpunkt eines erbitterten Streits zwischen dem Landwirt und der Bürgerinitiative, der sich über Monate hingezogen hatte. Letztlich sah sich auch das Umweltministerium nicht in der Lage, die einmal erteilte Genehmigung zum Abholzen des Waldes zu widerrufen. Innerhalb weniger Tage scheiterten dann noch drei Versuche von Bürgerinitiative, Anwohnern und Gemeinde, beim Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung zu erwirken. Alle, so das Gericht, waren gar nicht antragsberechtigt. Dann kamen die Kettensägen zum Einsatz.

Die Reaktionen bei der Bürgerinitiative schwankten zwischen Resignation, Wut und Zynismus. Manfred Lurz, einer der Sprecher der Gruppe, warf dem Verwaltungsgericht vor, nach Gründen für die Ablehnung gesucht zu haben und forderte Umweltminister Robert Habeck zum Rücktritt auf. Sein Kollege Geert-Henning Schauer merkte an, dass die örtliche Bevölkerung die Entscheidungen nicht verstehe – wo doch in den meisten Gemeinden um jeden Baum gerungen, der Artenschwund bei Insekten beklagt werde.

„Das ist ein Trauerspiel“, sagte schon am Donnerstag eine Spaziergängerin mit Blick auf den sterbenden Wald. Auch sie hatte an Minister Habeck geschrieben. „Ich bitte Sie, diesen schönen Wald zu retten“, stand auf einem Computerausdruck, den sie vorzeigte; dazu ein paar selbst verfasste, handschriftliche Zeilen. Das sei ihr Weg, mit der Trauer über die Zerstörung umzugehen. Sie habe gehofft, dass „der Herr Habeck“ vielleicht noch etwas erreichen könne. Als die ersten Bäume fielen, war sie dennoch nicht überrascht. „Ich weiß, dass hier viele Menschen denken und fühlen wie ich“, sagt sie.

Aber wirklich laut wird jetzt niemand mehr. Eine Passantin zeigt gestern morgen auf ein Hinweisschild. „Dieser Bereich wird videoüberwacht“, steht drauf. Kaum jemand traue sich jetzt noch, Feld oder Wald zu betreten. Und überdies seien die meisten Leute angesichts ihrer Ohnmacht nicht mehr wütend. Sie hätten einfach resigniert.

Auf der Straße kommen einige Leute vorbei: Spaziergänger, Jogger, Männer auf landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Alle wenden ihre Köpfe interessiert in Richtung des ehemaligen Preesterholt, wo die Motorsäge heult und ein einzelner fleißiger Arbeiter zu sehen ist. Ein Stamm nach dem anderen knickt um.

Als sie die traurigen Reste des einst vollen Baumbestandes weichen sieht, kann eine jüngere Passantin ihre Wut kaum zügeln. „So etwas passiert, wenn Rücksichtslosigkeit, Reichtum und Schlauheit zusammenkommen“, meint sie. Aus ihren Worten klingt genau die Resignation, die schon die ältere Dame beschrieben hat. Sie möchte gar nicht daran denken, wie sich die Landschaft hier künftig entwickeln wird, damit das Land ordentlich Gewinne abwirft. Dass der Eigentümer seinen Profit nicht das erste Mal über das Interesse von Natur und Nachbarschaft stelle, ist häufig zu hören an diesem Morgen. „Der weiß eben, wie man’s macht“.

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