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Flensburger Tageblatt

23. August 2017 | 18:11 Uhr

Flensburg : Demo: Metaller gegen Galwik-Hotel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heute findet eine Kundgebung gegen die geplante Ansiedlung im Brauereiweg statt. Die FFG stellte den Gutachtern keine Firmendaten zur Verfügung.

Bei der Suche der Stadtplaner nach einem geeigneten Hotel-Grundstück stehen die Flensburger nicht überall Spalier und klatschen begeistert Beifall. Die jüngsten Überlegungen – aktuell wohl nur noch von SPD, Grünen und FDP – am Brauereiweg direkt neben dem Panzer-Instandsetzungsbetrieb der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) eine Vier-Sterne-Herberge ins Industriegebiet zu pflanzen, führt heute zu einer Demonstration der Nicht-Begeisterten. Michael Schmidt von der IG Metal hat die Werktätigen in den Betrieben aufgerufen, heute ihre Meinung kund zu tun. Beifallsbekundungen sind nicht zu erwarten.

Am 11. November soll das Projekt mit der Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens im Planungsausschuss die entscheidende Hürde nehmen. Dafür gab es lange Zeit eine deutliche Mehrheit. Ein Lärmgutachten bescheinigte die Machbarkeit, den Widerstand der umgebenden Betriebe um die beiden industriellen Schwergewichte FFG und Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) glaubte die Mehrheit vernachlässigen zu können.

Als aber die Gutachterfirma begann, diese gewerblichen Kritiker mit gerichtlichen Unterlassungsverfügungen zu beharken, zog sich die CDU-Fraktion aus der Koalition der Willigen zurück. Eine von der FFG beauftragte Expertise setzte kurz danach noch eins drauf. Sie kam zu dem Ergebnis, im städtischen Gutachten seien die Testfahrten tonnenschwerer Panzerfahrzeuge gar nicht berücksichtigt worden.

Die von der Stadt beauftragte Firma machte für die fehlenden Daten die mangelhafte Kooperation der FFG verantwortlich, die keine Informationen herausgegeben habe. Der Vorwurf, sie (die Gutachterfirma) habe konkrete Vorgänge in ihrer schalltechnischen Untersuchung nicht berücksichtigt, müsse zurückgewiesen werden, da konkrete Angaben seitens der FFG nicht zur Verfügung gestellt wurden, heißt es in einem Schreiben an die Stadtplanung. Im gleichen Schreiben verweist der Gutachter auf nicht näher bezeichnete oder datierte Messungen des Landesamts für Landwirtschaft, Umweltschutz und Ländliche Räume (LLUR) vom Betriebsgelände der FFG, die stattdessen herangezogen worden seien. Die darin gemessenen Spitzenwerte von 127 Dezibel (Explosion, startendes Düsenflugzeug) kommen laut Gutachter am Hotel rechnerisch nur noch mit 88 db (starker Verkehrslärm, Motorsäge) an – das lasse der gesetzliche Rahmen der TA Lärm zu. Zu unhörbaren, gesundheitsschädlichen tieffrequenten Geräuschen, räumen die Gutachter ein, könnten mangels Daten tatsächlich keine Angaben gemacht werden – das sei im Baugenehmigungsverfahren zu berücksichtigen.

Parallel zu den Turbulenzen wabert zur Zeit auch der Vorwurf der Heuchelei durch die Diskussion. Die FFG selber habe 2009 den Verkauf eines ihrer Grundstücke am Schlachthof für ein Einfach-Hotel geplant. Dem widerspricht FFG-Vorstand Christian Schulz nicht. Aber: „Das sollte man dann auch in den korrekten Zusammenhang stellen“, sagt er. Damals habe die Stadt unter Federführung von Oberbürgermeister Tscheuschner intensiv die (später aus Kostengründen verworfene) Umsiedlung der FFG auf das Motorola-Grundstück als städtebauliches Projekt diskutiert. „Und dort draußen in Flensburg -Weiche hätte uns das Hotel in der Tat nicht gestört.“

Kundgebung

Für heute 11 Uhr ruft  der IG-Metall-Bevollmächtigte Michael Schmidt  zu einer Kundgebung   am geplanten Hotel-Standort im Brauereiweg auf. „Wir verdienen Geld im Blaumann und sichern damit Flensburgs Zukunft als Standort mit vielen industriellen Arbeitsplätzen“, so Schmidt, der unter den über 1000 Beschäftigten breite Verunsicherung ausgemacht hat. Die geplanten Hotelprojekte mit Fördeblick drohten eingesessene Industriebetriebe zu verdrängen.  Mit einem Weckruf will die IG Metall an die Verantwortung der Stadtplanung für die Arbeitsplätze erinnern

 

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erstellt am 06.Nov.2014 | 10:00 Uhr

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