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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 17:42 Uhr

Wallsbüll : Dem Ocker geht es an den Kragen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wie den Gewässern rund um Wallsbüll das Eisen entzogen werden soll.

Wallsbüll | Das Wasser der Süderbek leuchtet rostrot, selbst der Schlamm hat eine rotbraune Farbe, als Robert Habeck eine Probe nimmt, um sich das Problem genauer anzuschauen – gelöstes Eisen belastet das Gewässer. Doch das soll sich in Zukunft ändern: Der Umweltminister ist gestern nämlich nach Wallsbüll gekommen, um sich über das Bauvorhaben von sogenannten Ockerteichen zu informieren. Sie sollen das Wasser von schädlichem Eisen befreien. Das erste Projekt seiner Art mit wissenschaftlicher Begleitung in Schleswig-Holstein soll im Frühjahr 2019 umgesetzt werden. Daher ist Robert Habeck nicht mit leeren Händen gekommen. Sein Ministerium unterstützt die Pläne mit rund 540  000 Euro. „Die Maßnahme ist von besonderer Bedeutung, da das Gewässersystem seit Langem durch Ocker chemisch belastet und in einem schlechten Zustand ist“, sagt Habeck dazu.

Die Planungen für das Projekt, das insgesamt 1,7 Millionen Euro kosten soll, ziehen sich bereits über Jahre. „Jetzt können wir es endlich in Gang bringen“, sagt Hans-Peter Lauer. Er ist Verbandsvorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Meyner Mühlenstrom. Ziel sei es, die Wasserqualität des rund 32 Kilometer langen Gewässersystems rund um die Wallsbek zu verbessern.

„Der physikalisch chemische Zustand ist nicht gut“, bestätigt auch Werner Marxen vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Im Boden befindliches Eisenoxid habe sich über die Jahre gelöst und gelange meist als Ocker in die Gewässer. Dies schadet wiederum der Tier- und Pflanzenwelt. „Eigentlich ist es nichts Unnormales, dass sich in den Geestböden Eisenoxid befindet, doch durch die jahrelange Absenkung des Wasserspiegels kam es zu einer Mobilisierung“, erklärt Werner Marxen dem Umweltminister. Der ist sehr interessiert, fragt immer wieder nach, was Ocker genau bewirkt.

Antworten gibt es von Werner Marxen: „Der Ocker ist besonders für Wasserlebewesen und -pflanzen giftig. Wenn er in die Kiemen gelangt, dann können die Fische nicht mehr ordentlich atmen.“ Schlechte Voraussetzung auch für das Neunauge. Das lebende Fossil, das auch in den Gewässern rund um Wallsbüll seinen Lebensraum hat, steht auf der roten Liste. Zudem sei die Artenvielfalt spürbar zurückgegangen. Dass die Wasserläufe belastet sind, zeigen auch Messungen, die seit 2013 jeden Monat durchgeführt werden. Dabei wurden die Grenzwerte jeweils deutlich überschritten. „Sie liegen bei bis zu 0,8 Milligramm pro Liter. Rund um Wallsbüll ergaben die Messungen je nach Jahreszeit jedoch Werte zwischen 1,0 und 1,5 Milligramm“, erklärt Clemens Gantert vom Hamburger Ingenieurbüro „Bws“, das mit der Planung beauftragt wurde.

„Die beste Lösung wäre eigentlich, den Wasserspiegel wieder anzuheben“, erklärt Marxen. Doch dies sei nicht möglich, da inzwischen Siedlungen entstanden sind, die dann unter Wasser stehen würden. Daher habe man sich für den Bau der Ockerteiche entschieden. Dabei greifen die Projektplaner auf Erfahrungen aus Dänemark zurück. In einem Teichsystem soll dem Wasser zukünftig Eisen entzogen werden. „Am Anfang steht ein Sandfang, im ersten Becken wird der Ocker ausgefällt, im zweiten oxidiert und im dritten soll er sich dann ablagern“, erklärt Gantert. Dabei soll sich das Wasser mindestens acht Stunden im Teich aufhalten, bevor es weiterfließt. „Optimal wären sogar zehn Stunden“, sagt Gantert.

Am liebsten wäre den Projektplanern eine zentrale Anlage gewesen, doch da die Wallsbek über mehrere Zuflüsse verfügt, hat sich man sich schließlich dazu durchgerungen, an drei Stellen Ockerteiche auszuheben. Bisher konnte man sich tatsächlich nur einen Abschnitt sichern. „Für die anderen beiden müssen noch Gespräche geführt werden“, sagt Gantert.

Nichtsdestotrotz sind die Planungen im vollen Gange. Im Frühjahr 2019 sollen die ersten Bagger anrollen. Spätestens dann sollen die Wasserlebewesen wieder frei atmen können. Doch wie lange genau, das weiß noch niemand so richtig: Nach ungefähr 30 Jahren müsse man die Teiche wahrscheinlich trockenlegen und ausbaggern, damit sie weiter genutzt werden können.

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erstellt am 04.Aug.2017 | 13:46 Uhr

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