SSW gegen Plastik im Biomüll : Deckel zu – Tonne bleibt

Von wegen kompostierbar: Plastiktüten jeglicher Art mag die Abfallwirtschaft gar nicht gern in der Biomülltonne.
Von wegen kompostierbar: Plastiktüten jeglicher Art mag die Abfallwirtschaft gar nicht gern in der Biomülltonne.

Ratsfraktion möchte Verbot nach Vorbild anderer Kommunen durchsetzen / Tonnen mit Plastik sollen nicht mehr geleert werden

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14. Juli 2018, 06:32 Uhr

Der Müllmann hebt den Deckel der braunen Tonne, schaut rein und entdeckt den Rest einer Plastiktüte. Deckel zu, Tonne bleibt stehen, wird nicht geleert – dieses Szenario schwebt der SSW-Ratsfraktion vor, die mit einem Antrag im Umwelt- und Planungsausschuss direkt nach der Sommerpause in die Offensive geht.

Keine Plastiktüten im Biomüll heißt dabei ausdrücklich auch: keine so genannten Bio-Plastiktüten. Die sollen zwar schnell verrotten, aber nicht schnell genug. Die Folge: Die Tüten müssen per Hand aus dem Müll aussortiert werden. Das ist nicht nur eklig, sondern kostet auch Geld. Mit seiner Initiative möchte der SSW den Plastikanteil im Bioabfall möglichst auf null Prozent reduzieren und damit auch die Umwelt schützen. Darüber hinaus soll die Stadtverwaltung einen grundsätzlichen Verkaufsstopp für Bio-Plastiktüten nach DIN 13432 prüfen.

„Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises Schleswig-Flensburg lässt Biotonnen mit Plastiktüten jeder Art inzwischen stehen“, so der SSW in seiner Beschlussvorlage. Auch anderswo seien die Tüten verboten. „Das ist das Vorbild für eine entsprechende Regelung in Flensburg. Den Anfang könnte zunächst ein einzelner Stadtteil
machen, zum Beispiel Weiche: zunächst mit einer Info-Kampagne – danach wird das Verbot durchgesetzt.“

Im Frühjahr hatte das TBZ bereits mit einer aufsehenerregenden Aktion auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Müllwerker hatten einen Teil der üblichen Leerung auf den Südermarkt gekippt und mussten nicht lange nach unerwünschten Fremdkörpern suchen: Shampoo-Packungen, CDs, Plastiktöpfe und sogar Gemüsedosen kamen zum Vorschein – und immer wieder Plastiktüten.

Flensburgs Biomüll geht ins Abfallwirtschaftszentrum an der Eckernförder Landstraße, wo er umgeschlagen und an Kompostwerke geliefert wird: „Wir hatten letztes Jahr schon Probleme“, sagte TBZ-Mann Torsten Prüßmeier. Für die wachsenden Sortierungsmühen wollten die Partner die Preise schon um 20 Prozent erhöhen. „Viele Tüten werden zwar kleiner, halten aber dennoch 300 bis 400 Jahre“, beklagte TBZ-Sprecher Geoffrey Warlies.

„Jetzt ist genug!“, schimpft der neue SSW-Ratsherr Siggi Pfingsten. „Ich bin davon überzeugt, dass in den Biomüll überhaupt kein Plastik gehört, sondern nur natürliche Abfallstoffe. Darum setze ich mich dafür ein, dass in Flensburg keine Plastiktüten mehr in der Biotonne landen. Alternativen aus Papier sind möglich. Oder man macht aus Zeitungspapier selbst eine Tüte.“ Ein Plastikverbot in der Biotonne sei schon in vielen Landkreisen durchgesetzt; dort würden Biotonnen, in denen Plastiktüten gefunden werden, nicht mehr geleert. Vor dem Hintergrund der massiven Verunreinigung der Schlei möchte er zusätzlich eine Untersuchung des Anteils von Plastik in der Flensburger Förde anstoßen.

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