Schwennau : Dauerzoff um Campingplatz

Sind treue Nutzer des Campingplatzes Schwennau: Esther Petersen, Lebensgefährtin von Reinhard Skall, und die Dauercamper Jochen Hofmann (M.) und Hans-Joachim Kossack nutzen den Platz auch außerhalb der Saison.
Sind treue Nutzer des Campingplatzes Schwennau: Esther Petersen, Lebensgefährtin von Reinhard Skall, und die Dauercamper Jochen Hofmann (M.) und Hans-Joachim Kossack nutzen den Platz auch außerhalb der Saison.

Betreiber Reinhard Skall hat zwar einen Erbpachtvertrag bis 2067 – die Stadt Glücksburg verfolgt inzwischen aber andere Ziele.

shz.de von
22. Mai 2015, 14:30 Uhr

Glücksburg | 13,5 Grad – noch keine sommerlichen Temperaturen in diesem Mai. Die Dauercamper Jochen Hofmann und Hans-Joachim Kossack haben trotzdem vor einem Vorzelt Platz genommen. Camper sind nicht zimperlich, wenn es um die Temperaturen geht. Aber auf Stimmungen reagieren sie sensibel. Und die Stimmung auf dem Campingplatz Schwennau ist längst nicht mehr die beste. Das gilt für die Stammgäste, aber vor allem auch für Campingplatzbetreiber Reinhard Skall. „Ich möchte am liebsten nur meine Arbeit machen“, sagt der. „Aber ständig werde ich gefragt, wie lange ich überhaupt noch weitermache.“ Er würde gern, aber die Stadt Glücksburg hat andere Pläne.

Im Jahr 2002 hatte er das Gelände an der Schwennaumündung von der Stadt Glücksburg in Erbpacht bis zum Jahr 2067 übernommen. 2013 wurde dann die benachbarte Ferienanlage Schwennauhof verkauft. Der Investor, Christoph Koeppen, plant auf dem ehemaligen Schwennauhof 20 Luxus-Ferienhäuser und möchte das Campingareal mitnutzen – als Park mit Restaurantbetrieb. Davon sollen dann die Gäste der Ferienhäuser profitieren.

Das Bauleitplanverfahren, so ist in der Liegenschaftsabteilung im Flensburger Rathaus zu erfahren, ist in der Abschlussphase. Die Stadt Glücksburg würde Koeppen gerne grünes Licht geben hinsichtlich des Campingplatzes. „Das heißt nicht, dass Herr Skall sofort aufhören muss“, erläutert Bürgermeisterin Kristina Franke. Herr Koeppen plane langfristig. „Aber leider hören wir nichts von Herrn Skall“, so Franke. Er kommuniziere nur noch über seinen Anwalt mit ihr.

Eine ordentliche Abfindung würde er schon annehmen, sagt Skall. Einem Gespräch mit dem Schwennau-Hof Investor nach Pfingsten sieht er hoffnungsvoll entgegen. Aber einfach klein beigeben will er nicht. Schließlich soll der Campingplatz Skalls Altersvorsorge sein – und er ist erst 55.

Die jüngsten Geschehnisse setzen ihm zu. Zeitgleich mit den neuen Plänen für Schwennauhof kam auch der „Brückenstreit“. Der Campingplatz Schwennau wird von einer etwa 40 Jahre alten Holzbrücke, die über den Fluss führt, geteilt. „Die Brücke ist laut Pachtvertrag mit Herrn Skall für Fußgänger und Fahrräder zugelassen“, sagt Kristina Franke. Jenseits der Brücke darf nur gezeltet werden, heißt das für sie. Doch jahrzehntelang wurde das Bauwerk von Fahrzeugen genutzt, was alle Zuständigen hingenommen haben. „Ob daraus ein Recht für Herrn Skall entstanden ist – das muss ein Gericht klären“, so Franke.

2013 ließ die Stadt die Brücke sperren – aus Sicherheitsgründen, hieß es. Wie sich herausstellte, hätte nicht sie, sondern der Kreis dies tun müssen. Darum musste die Stadt jetzt auch die rund 600 Euro bezahlen, die das Verfahren kostete. Inzwischen wurde die Brücke auf Kosten der Stadt für etwa 6000 Euro durch Stahlträger verstärkt. Jetzt ist sie wieder geöffnet, aber ausschließlich für Fußgänger. Glücksburgs Bauhof hat kreisrunde Hindernisse aus Beton aufgestellt. Eine Aufarbeitung der Brücke für die Überfahrt von Autos würde laut Kristina Franke 30  000 Euro kosten – Geld, das die Stadt nicht hat. Die Folge: Der Campingplatz hat statt 90 jetzt nur noch 50 Stellplätze für Wohnwagen oder Wohnmobile. Ein hoher Verdienstausfall für den Betreiber, der daraufhin seine Pacht minderte.

Im Gegenzug stellte die Stadt ihre Zahlungen für die Bewirtschaftung der öffentlichen Toiletten ein, die sich auf dem Pachtgelände befinden. Daraufhin verklagte Skall die Stadt wiederum auf 2800 Euro. Die Situation ist verfahren. Für Skall bleibt vorerst die Hoffnung auf eine Einigung mit Investor Koeppen. Für die Dauercamper Jochen Hofmann und Hans-Joachim Kossack jedoch steht bereits jetzt fest: Ewig werden sie ihre Plätze nicht behalten können. 

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