Kaum Nachfrage : Dauerfrost: Gärtner verlieren Millionen

Der Frühling  2013, der kalt  wie ein Winter ist, sorgt bei Gartenbaubetrieben für Einbußen. Foto: dpa
Der Frühling 2013, der kalt wie ein Winter ist, sorgt bei Gartenbaubetrieben für Einbußen. Foto: dpa

Der kalte und frostige Frühling schlägt nicht nur den Bürgern aufs Gemüt. Auch Schleswig-Holsteins Gartenbaubetriebe geraten unter Druck.

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29. März 2013, 12:50 Uhr

Kiel | Die Gartenbaubetriebe in Schleswig-Holstein bleiben derzeit auf Primeln, Stiefmütterchen, Narzissen und Bellis sitzen und fahren hohe Verluste ein. "Rund 60 bis 70 Prozent der Frühblüher stehen noch in den Gewächshäusern", sagt Rudolf Beckmann, der in seinem Betrieb in Gönnebek bei Neumünster "ein Paar 100.000 Primeln und Stiefmütterchen" unter Glas hat und wie seine Kollegen die Ware eigentlich zu Ostern verkauft haben wollte. Denn die Branche braucht dringend Platz für die nächsten Kulturen - die Sommerblüher für Beet und Balkon. "Entweder die Geranien, die jetzt auseinander gepflanzt werden müssen, gehen kaputt oder die Primeln".

Hans Hermann Buchwald, Präsident des Gartenbauverbandes Nord und Besitzer eines Gartencenters in Malente, berichtet, dass einige Betriebe "bereits im großen Stil entsorgen, weil ein Nachfrageschub nicht in Sicht ist". Auch Zwiebelpflanzen wie Narzissen, die in den Gewächshäusern "schon fröhlich drei Wochen vor sich hin geblüht haben", wandern laut Buchwald jetzt auf den Kompost.

Flensburgs Friedhofsgärtner spricht von einem "Ausnahmejahr"

Für die Branche, die ohnehin wegen der hohen Energiekosten am Limit wirtschaftet, ist das verkorkste Ostergeschäft ein schwerer Schlag. "Die Umsatzeinbußen liegen im Schnitt deutlich über 50 Prozent". Buchwald befürchtet Millionenschäden: "Etliche Betriebe geraten in Bedrängnis, nicht alle werden überleben", warnt er. Vor Wochen seien die großen Verbrauchermärkte beliefert worden, die wegen mangelnder Nachfrage mit Ware voll eingedeckt sind. Die üblichen Nachbestellungen bleiben aus. Ein Problem, unter dem auch die vielen Baumschulen im Lande leiden. Denn: Die Kunden bekommen die jungen Obstbäume genauso wenig wie Primeln und Bellis in den hart gefrorene Erde. Damit tun sich auch Friedhofsgärtner und städtische Grünflächenämter schwer.

Die Landeshauptstadt etwa hat 67.000 Stiefmütterchen geordert und davon beim Händler bislang fünf Prozent abgerufen. "Nur in absolut sonnigen Lagen konnten wir bislang pflanzen , dort wo noch immer 20 Zentimeter Schnee liegen, lohnt es sich gar nicht anzufangen", berichtet Kiels Stadtgärtner Rainer Peters. Flensburgs Friedhofsgärtner Georg Jessen spricht von einem "Ausnahmejahr". Er könne sich nicht daran erinnern, dass es schon einmal so lange so kalt war, dass man zum Fest die Gräber nicht bepflanzen konnte. Wer Ostern auf bunte Frühlingsboten nicht verzichten will, dem bleibt nur eins - sich Tulpen, Narzissen und Primeln im Topf in die Wohnung zu holen.

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