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Marienstraße in Flensburg : Dauer-Baustelle sorgt für Frust

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit anderthalb Jahren wird die Flensburger Marienstraße saniert – einen kleinen Laden kostet das fast die Existenz.

Die beiden Kundinnen schließen schleunigst die Tür zum Naturkostmarkt „Hand-in-Hand“. Denn draußen ist es laut und sandig. Angela Gutzeit muss nicht überlegen, wie lange es die Baustelle vor ihrem Laden in der oberen Marienstraße schon gibt. Seit Februar 2012 wird in der steilen Altstadtstraße gebaut. Seither brechen der Geschäftsfrau die Kunden weg.

Nach umfangreichen Fernwärme- und Entwässerungsarbeiten kam es zum „Pflaster-Streit“, der zwischen Kommunalpolitik, Verwaltung und Anwohnerschaft darüber entbrannte, auf welchem Belag künftig die Marienstraße hinauf und hinunter gegangen, geschoben und gerollt werden sollte. Im Laufe der Auseinandersetzung beharrte die Verwaltung auf der sparsamen Asphalt-Variante, während sich viele Fachpolitiker auf die Seite der Anwohner schlugen und für Kopfsteinpflaster plädierten – so wie es auch zur Mitte des vorigen Jahrhunderts aussah. Eile in der Entscheidung wie in der Ausführung war geboten, was Fachbereichsleiter Peter Schroeders vor anderthalb Jahren zu dem Satz veranlasste: „Im Herbst wollen wir damit durch sein.“ Die Bewohner setzten sich durch: Mit Eigenbeteiligung und Unterstützung des Verschönerungsvereins sollte das neue Granit-Großstein-Pflaster finanziert werden. Die Federführung hat das Technische Betriebszentrum (TBZ).

Ende 2012 sollten die Arbeiten beendet sein – davon war auch Angela Gutzeit ausgegangen; inzwischen geht ein weiteres Jahr zur Neige. „Es ist eigentlich erstaunlich, dass es uns noch gibt“, sagt die Inhaberin des Naturkostladens. Gutzeit schätzt, dass ihr Umsatz um rund 30 Prozent eingebrochen sei. Und statt früher fünf gehen ihr heute noch drei Mitarbeiter zur Hand. Im vorigen Jahr habe sie „ganz viel Geld“ ins Geschäft „reingebuttert“. Doch: „Es ist immer noch auf der Kippe, ob wir durchhalten oder nicht.“

Auch wenn nicht gerade am oberen Ende der Straße, vor der Haustür, gebaut worden sei, so habe der Vorplatz vor dem Schaufenster als Lager von Rohren und anderen Baumaterialien gedient. Nicht nur war der Laden damit verdeckt, auch erreichte ihn die fahrende Kundschaft schwerlich. Sie zahle für zwei Kunden-Stellplätze, berichtet Angela Gutzeit, doch beide waren zeitweise nicht benutzbar. Lieferanten setzten die Belieferung aus, weil sie nicht durchkamen durch den Sand mit ihren 300-Kilogramm-Rollwagen. Der Strom wurde mitunter abgestellt. „Machen Sie mal so einen Laden ohne Strom“, fordert Gutzeit auf. Beinahe bereut sie ein bisschen, dass sie stets und insbesondere zu Beginn der Bau-Phase alles „zahm“ und „zurückhaltend“ erduldet habe. Wenn sie nach Telefon-Odysseen endlich den Zuständigen für die Baustelle erreicht habe, erfuhr sie durchaus Entgegenkommen. Das Putzen der Front habe sie vorübergehend eingestellt, weil es kein Ende nehmen würde, wenn draußen Steine geschnitten werden. „Dazu kommt der Lärm“, ergänzt Gutzeit, den tapfere Kunden für den Einkauf ertragen, dem sie und ihr Team jedoch bald zwei Jahre ausgesetzt sind.

„Jeder, der so eine Baustelle hat, weiß, dass es sehr belastet“, resümiert sie und ist es längst leid, sich darüber aufzuregen. Vielmehr sei sie dankbar, dass ihr viele Stammkunden trotz der Widrigkeiten die Treue gehalten haben. Bei ihnen will sie sich mit einem kleinen Fest bedanken; als sie für die Terminplanung bei Zuständigen fragte, wann die Baustelle Geschichte sei, hieß es dort kaum konkret: „Bald.“

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erstellt am 22.Okt.2013 | 07:30 Uhr

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