Datenverlust: Anzeige gegen John Witt

Reimer Backen wehrt sich gegen erneute Diebstahlsbehauptung des für Glücksburg zuständigen Flensburger Stadtrats

shz.de von
30. September 2011, 07:07 Uhr

Flensburg/Glücksburg | Die Groteske um das Glücksburger Daten-Leck geht weiter. John Witt, Flensburger Stadtrat und Glücksburg-Beauftragter in der Verwaltungsgemeinschaft, hat seit Mittwoch eine Strafanzeige am Hals. Sein alter Widersacher Reimer Backen hat ein ganzes Paket geschnürt und Witt unter anderem wegen Verleumdung, versuchter Strafvereitelung und falscher Verdächtigung angezeigt. Retourkutsche auf einen Auftritt Witts in der Stadtvertreter-Sitzung vom 21. September. Dort hatte er erneut öffentlich behauptet, Backen habe die Computerfestplatten mit sensiblen Verwaltungsdaten nicht gekauft, sondern gestohlen.

Darüber kann der Glücksburger nur den Kopf schütteln. Eine entsprechende Strafanzeige Witts endete mit der Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft Flensburgs. Da rüber hinaus, so der Verdächtigte, gebe es eine einstweilige Verfügung, die es Witt untersagt, derartiges zu behaupten, und schließlich hatte er auch noch eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, die Festplatten bei der Versteigerung des alten Rathaus-Inventars rechtmäßig erworben zu haben.

Was Backen nervt, ist nicht nur der Vorwurf, gestohlen zu haben, sondern auch die Unterstellung, er habe sich widerrechtlich mit Hilfe seiner Schwester und Stadtvertreterin Gyde Diederich Zutritt zum alten Rathaus verschafft, um dort am Sonntag, 6. Dezember, die Geräte abzutransportieren, die später bundesweit für Wirbel sorgten.

Schützenhilfe bekommt er von seinem Schwager Werner Kiwitt, Chef des Glücksburger Energieparks Artefact. Kiwitt hält derartige Behauptungen für frei erfunden. "Ich wars!" , sagt er. Er sei an jenem Ausverkauf am 4. Dezember im Rathaus gewesen. Er habe sperrige Gegenstände - eine Wandtafel und eine Geschirrspülmaschine - nicht am selben Tag abtransportieren können und dankbar das Angebot zweier städtischer Bediensteter angenommen, die schweren Teile am folgenden Sonntag zu holen. Von den städtischen Mitarbeitern sei auch die Anregung gekommen, sich den Rathausschlüssel ja von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Ilka Brück auszuleihen. Und wo er schon einmal im Rathaus sei - ob er wohl auch Herrn Backen mitnehmen könne? Der habe auch noch was zu holen. "Eigentlich eine nette Geschichte zum familiären Umgang in Glücksburg", so Kiwitt. "Dass jedoch anschließend pressewirksam nach Einbrechern gesucht wird, die es gar nicht gegeben hat, passt eher nach Schilda."

Nichts anderes hatte Backen von Anbeginn an behauptet. Er wittert eine Kampagne, mit der von "haarsträubenden Verwaltungsfehlern beim Umgang mit sensiblen Daten" abgelenkt werden soll. Zum Beleg führt er die immer wieder aufgewärmte Schilderung an, die Staatsanwaltschaft habe die Festplatten bei ihm sicherstellen lassen. Die Festplatten, betont er, habe er dem Landesdatenschutzzentrum übergeben (die sie inzwischen zum korrekten Löschen an die Stadt Flensburg geschickt hat, Anm. der Redaktion). Jede andere Behauptung sei völlig aus der Luft gegriffen. Und er sei auch nicht der einzige gewesen, der völlig ungehinderten Zugang zu dem Material gehabt habe. Die Überbleibsel des Flohmarktes seien von einer Abbruchfirma entsorgt worden. "Was wäre wohl geschehen, wenn diese Firma die Festplatten bekommen hätte. Eine Diebstahlsanzeige?"

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