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Neue Flensburg-Serie : Das zweite Leben des Hafens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Geschichte und Akteure des Historischen Hafens Flensburg: Frank Petry als Wasserträger des Ehrenamts.

Historisch? 1980 wurde die alte Hafenstadt Flensburg mit ihrer Zukunft infiziert. Mit der Besetzung des Bohlwerks starteten einige wenige Eigner längst ausgemusterter Gaffelsegler an zentraler Stelle eine Entwicklung, die Flensburgs Hafen erfolgreich über einen tief greifenden Strukturwandel hinweg tragen sollte: 20 Jahre danach hatte der Hafen nämlich die Marine und die touristisch ergiebige und Hafenbild-prägende Passagierschifffahrt verloren. Was blieb, waren leere Liegeplätze an den Kais – zum Glück aber blieb am Bohlwerk auch das hölzerne Kapital der maritimen Vergangenheit, das sehr bald eine gute Rendite erwirtschaften sollte. Mit der Gründung der gemeinnützigen GmbH Historischer Hafen Flensburg wurde 2008 der jüngste und auch wichtigste Schritt vollzogen, in einem einzigartigen Ensemble lebhafte maritime Geschichte zu zeigen. Unsere Serie Historischer Hafen Flensburg stellt in lockerer Folge die Akteure dar.

Frank Petry ist als Hafenkapitän und Geschäftsführer zu 50 Prozent Angestellter der Verwaltung und damit der Beitrag der Stadt zum Projekt Historischer Hafen. Petry residiert mit seiner Kollegin Heidi Breuer im historischen Fährkrog an der Schiffbrücke und ist als Geschäftsführer zuständig für den reibungslosen Betrieb von mehr als 50 historischen Schiffen – angefangen bei der 107 Jahre alten Salondampfer-Dame „Alexandra“ bis hin zu den Lüttfischer-Jollen am Ostzipfel des Museumshafens. Petrys „Chefs“ sind die Gesellschafter der gGmbH – die Fördervereine des Schifffahrtsmuseums, des Museumshafens, des Salondampfers Alexandra, der Sammlung Klassischer Yachten und des Fördervereins Motorgüterschiff Gesine und Schlepper Flensburg – eine Konstruktion, die die öffentliche Kontrolle der Hafenaktivitäten sichern soll. Zu den Aufgaben gehören der Betrieb der Brückenanlagen, Schiffsver- und Entsorgung, Stromverkauf, das beliebte Sommergästesegeln mit Museumsschiffen, die Vercharterung der Museumsschiffe. Die Museumswerft, optisch klar in das Gesamtensemble integriert, gehört organisatorisch nicht zum Historischen Hafen. Ihr Geschäftsführer Uwe Kutzner wollte von Beginn an eigenständig bleiben.

Seit 2012 verfügt die Historischer Hafen gGmbH über nennenswerte eigene Einnahmen, die für das operative Geschäft verwendet werden können. Nach langem Zaudern übertrug die Stadt Flensburg dem Verein die Einnahmen am Westufer. Er kassiert seither Liegegelder, die regelmäßig anfallenden Anlegegebühren der Ausflugsdampfer, verkauft Bordstrom für Hafengäste, kassiert und verwaltet auch die Einnahmen etwa des Schleppers Flensburg oder des unter Denkmalsschutz stehenden Kümo „Gesine“. Darüber kommen jährlich gut 25  000 Euro zusammen, die voll und ganz wieder in Dienstleistungen für die ehrenamtlichen Gesellschafterinnen fließen. Auch Erhaltungsmaßnahmen – Bau von Schwimmpontons, Instandsetzungsarbeiten der Vereinsschiffe gehören dazu. Und wenn im Hafen gefeiert wird, steckt meistens auch die Crew um die beiden Hauptamtlichen dahinter. Dann aber verstärkt um bis zu 30 Helfer, die schnell mobilisiert werden können. Der Historische Hafen organisiert seit vier Jahren die Flensburger Rum Regatta mit mehr als 100 Gaffelseglern aus ganz Nordeuropa und Tausenden von Besuchern, auch beim deutlich größeren Dampf Rundum, dem größten europäischen Dampfertreffen, mischt der Historische Hafen mit. Jüngster Zögling sind die Kongelig Classic, eine deutsch-dänische Drei-Städte-Regatta klassischer Yachten und Arbeitsschiffe mit Sonderburg und Apenrade als Projektpartnern. Lob von höchster Stelle gab es dafür vor einem Jahr: Kein Geringerer als Stephen C. White, Direktor des legendären Mystic Seaport in Connecticut/USA, beschied dem Historischen Hafen anlässlich eines Besuchs im letzten Jahr sehr angetan: „Das hier hat Soul!“

Die Projektskizze stammt übrigens aus den Reihen der Museumssegler. Rainer Prüß, viele Jahre dort Vordenker und Vorsitzender und hauptberuflich ein bundesweit erfolgreicher Entwickler von Kultur- und Wirtschaftskonzepten, hat die logische Fortsetzung des Museumshafens zu einem maritimen Zentrum schon zu Beginn der Nullerjahre niedergeschrieben. Seine Idee: Errichtung einer von den maritimen Akteuren gemeinsam getragenen professionell geführten Einheit, die das Ehrenamt entlastet und sowohl Vermarktung als auch Erhalt und Weiterentwicklung des Gesamtensembles betreibt. „Wir sind in dieser Hinsicht gut aufgestellt“, sagt Petry. Wobei Wachstum im Moment nicht an allererster Stelle steht. „Wir folgen den Ideen unserer Gesellschafter. Ausbau ist immer schön, aber wir sind mit unserer personellen Aufstellung mit dem, was wir im Moment machen, auch ganz gut ausgelastet.“

Das heißt nicht, dass damit das neue Wachstum im Hafen beendet wäre. Eine attraktive Struktur schafft immer auch Nachfrage. Auf diesem Wege schaffte es zuletzt der museale Schlepper Flensburg von der Elbe zurück an die Förde. Seine drei privaten Eigner in Glückstadt suchten für ihren geliebten Oldtimer einfach nur jemanden, der sich gut um ihn kümmert. Seit Juni 2014 hat das Schiff im Historischen Hafen einen Liegeplatz und 165 Förderer.

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erstellt am 24.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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