Nach tödlichem Schuss am Bahnhof in Flensburg : „Das wünscht sich kein Polizist“

Rettungskräfte sind vor dem Flensburger Bahnhof im Einsatz.
Rettungskräfte sind vor dem Flensburger Bahnhof im Einsatz.

Aus der Politik gibt es durchweg Anerkennung für das beherzte Eingreifen der jungen Polizeibeamtin.

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01. Juni 2018, 08:23 Uhr

Flensburg/Kiel | Die Polizistin (22), die in einem Intercity-Zug einen Messerstecher erschossen hat, erhält über Parteigrenzen hinweg viel Anerkennung. So lobten unter anderem Ministerpräsident Daniel Günther und Innenminister Hans-Joachim Grote (beide CDU) das „beherzte Eingreifen“ der Beamtin.

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) meldete sich zu Wort, sagte: „Gewalt darf nie geduldet werden, sei sie gegen die Bevölkerung oder gegen Polizisten gerichtet.“ Seehofer wünschte beiden Verletzten schnelle Genesung und bot dem Land Schleswig-Holstein „jede gewünschte Hilfe“ an.

Hat in der Flüchtlingspolitik erste personelle Konsequenzen gezogen: Bundesinnenminister Horst Seehofer.
Carsten Koall
Horst Seehofer.
 

„Ich bin erleichtert, dass durch das beherzte Eingreifen der Bremer Beamtin mutmaßlich Schlimmeres verhindert werden konnte“, sagte Daniel Günther. „Die Ereignisse zeigen einmal mehr, wie wichtig die Präsenz von Polizeibeamten in Uniform auch im Rahmen privater Fahrten im öffentlichen Raum ist.“

Hans-Joachim Grote erklärte, sein Staatssekretär habe der Beamtin und dem verletzten Fahrgast die Genesungswünsche der Landesregierung überbracht. „Ein Seelsorger aus Schleswig-Holstein hat mit der Polizistin gesprochen“, so Grote weiter. „Und sie hat sich lobend über die Betreuung der Polizei Schleswig-Holstein geäußert.“

Daniel Günther (CDU) sitzt bei einem Interview im Landeshaus von Kiel. /Archiv
Carsten Rehder
Daniel Günther.
 

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD), früher selbst Polizistin, sagte: „Gleich nachdem ich die Nachricht erhalten habe, bin ich in die Leitstelle nach Harrislee gefahren, um mir einen Überblick über die Geschehnisse zu verschaffen. Diese Tat mit ihren schrecklichen Folgen macht wieder einmal deutlich, dass gewalttätige Angriffe in keiner Weise als Mittel der Auseinandersetzung toleriert werden dürfen. In Gedanken bin ich bei den Verletzten, denen ich eine schnelle Genesung wünsche.“

Simone Lange.
Marcus Dewanger
Simone Lange.
 

Die polizeipolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Kathrin Wagner-Bockey, ebenfalls ehemalige Polizistin, erklärte: „Ich empfinde Hochachtung für die junge Polizeibeamtin, die beherzt zum Schutz des angegriffenen Fahrgastes eingeschritten ist. Polizisten müssen in Sekundenbruchteilen über ihr Vorgehen entscheiden und ein Schusswaffengebrauch ist mit Sicherheit das, was sich kein Polizist wünscht.“ Weil ein Schuss auf Menschen immer Spuren hinterlasse, sei es gut, dass die Polizei Schleswig-Holstein seit Jahren ein bedarfsgerechtes Angebot der Unterstützung vorhalte.

CDU-Fraktionschef Tobias Koch sagte: „Der Vorfall in Flensburg führt einmal mehr vor Augen, wie schnell Polizisten in kritische Situation geraten können.“ Obwohl es Nothilfe gewesen sei, sollten die Messerstiche Anlass geben, „um auch beim finalen Rettungsschuss für Rechtssicherheit zu sorgen“. Die Verantwortung dürfe nicht auf den Schultern der Polizeibeamten lasten.

CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Koch spricht bei einer Landtagssitzung. /Archiv
Carsten Rehder
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Koch.
 

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Torsten Jäger, zeigte sich bestürzt über das Ereignis, lobte die Kollegin. „Sie hat eindrucksvoll couragiert eingegriffen und das Leben eines offensichtlich unbewaffneten Menschen gerettet.“ Neben den körperlichen Wunden, die sie sich zugezogen habe, seien die seelischen Folgen nach diesem dramatischen Ereignis absehbar. Deshalb sei die persönliche Betreuung der Beamtin, die sie unmittelbar danach erfahren hat und weiter erhalten müsse, von größter Bedeutung.

Torsten Jäger ist zu sehen. /Archiv
Christian Charisius
Torsten Jäger.
 

Der Vorfall mache einmal mehr deutlich, wie notwendig Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr sei. „Dazu tragen auch privat reisende Polizisten in Uniform bei. Aber das reicht nicht aus“, so Jäger.

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