Jäger in Flensburg : „Das Wild kommt zu uns“

Jägertrio: Michael Hocke (li.) ist neuer Kreisjägermeister, sein Stellvertreter ist nun Heinrich Sievertsen (r.), Peter Berg war dies zuvor.
Jägertrio: Michael Hocke (li.) ist neuer Kreisjägermeister, sein Stellvertreter ist nun Heinrich Sievertsen (r.), Peter Berg war dies zuvor.

Michael Hocke ist neuer Kreisjägermeister / Reh-Problem im Volkspark noch nicht gelöst

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13. April 2018, 15:30 Uhr

Das Reh vom Rummelgang ist ein Beweis. Auch in einer Stadt hat ein Kreisjägermeister zu tun. Im Sommer vor zwei Jahren fühlte sich der Bock in den Gärten auf Duburg pudelwohl, wusste wohl, dass ihm niemand ein Haar krümmen konnte. Letztlich gelang den Jägern die Umsiedlung des Rehbocks, sagt Ulrich Mahler, zuständiger Fachbereichsleiter.

Anlass der kleinen Zusammenkunft im Rathaus ist die Verabschiedung des alten und der Amtsantritt des neuen Kreisjägermeisters. Der wird von den Jägern gewählt und berät die Stadt ehrenamtlich in jagdlichen Fragen wie Wildschäden, erklärt Mahler. Nach zehn Jahren tritt Heinrich Sievertsen in die zweite Reihe zurück und wird Stellvertreter.

„Das Wild kommt zu uns“, immer mehr, sagt er, nennt Sandberg oder Osterallee als Ziele. Auch im Volkspark bleibt das ein Thema (wir berichteten). Der 77-jährige Flensburger geht von 40 bis 60 Stück dort aus; bislang wurden gerade mal drei Rehe „gestreckt“, sagt Sievertsen, denn die Jagd dort sei schwierig und an Auflagen geknüpft. Seit 55 Jahren ist Sievertsen Jäger, hatte 20 Jahre lang eine Dachdeckerei.

Das Problem im Volkspark sei nicht gelöst, sagt Michael Hocke, der neue Kreisjägermeister für die nächsten fünf Jahre. Doch habe er keine Patentlösung. Erst im Februar sei ein Reh von einem Bus totgefahren worden. Im vorigen Jahr gab es im Gebiet 100 Wildunfälle zumeist mit Rehwild, sagt der 63-jährige Hocke, der 40 Jahre lang für die Landespolizei tätig war.

Hocke und Sievertsen kennen sich schon länger. Acht Jahre lang habe sein Nachfolger sein Revier als Jagdaufseher geführt, erzählt Sievertsen. Hocke hat erst mit 55 den Jagdschein gemacht und sieht die Welt seither mit anderen Augen. Es sei schön, sagt er, auch im Sinne der Jagd Naturschutz zu betreiben. Sie habe keineswegs „nur mit Schießen“ zu tun, betont auch sein Stellvertreter Sievertsen.

Schwarzwild, gerade mit Blick auf das Risiko der Afrikanischen Schweinepest, sei in Flensburg indes kein Thema, sagt Sievertsen. Auf der Birk gebe es allerdings seit wenigen Jahren Wildschweine. Je höher der Jagddruck durch Umwelteinflüsse sei, ergänzt Sievertsens früherer Stellvertreter Peter Berg, desto stärker steigen die Nachwuchsraten. Das Wild passt sich gewissermaßen an. Die Reproduktionsrate bei Rehwild betrage bereits 70 Prozent statt 50. In Flensburg, sagt Hocke, müsse man sich zum Beispiel um den Rebhuhn-Besatz kümmern, das Tier stehe auf der Roten Liste. Und er verspricht, sich fürs Jagdhornblasen zu interessieren – „alles so traditionell, wie die Jagd es verdient“.

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