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Santiano im Gespräch : „Das wäre ja Hochverrat an den Fans“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Morgen erscheint das neue Santiano-Album „Im Auge des Sturms“ / Tageblatt-Gespräch mit den Fünf zu Musik, Erfolg, Chemie und Politik

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 08:25 Uhr

Das Seemannsmärchen ist mittlerweile fünfeinhalb Jahre alt. Solange liegt die Veröffentlichung des ersten Albums zurück, der erste Auftritt bei Carmen Nebel im Fernsehen, die erste Nr. 1 in den Charts. Für Album Nr. 4 haben sich die Fünf von Santiano und ihr Produktionsteam etwas mehr Zeit gelassen als sonst. „Man muss ja für ein neues Album erstmal genug Songs zusammen haben“, sagt Timm Hinrichsen. „Die schmeißen wir alle in einen Topf und suchen die aus, bei denen sich alle einig sind. Und du musst die Songs zum Klingen bringen. Da kann man nicht einfach sagen, nach eineinhalb Jahren muss das neue Album stehen.“

„Und wir müssen ja auch immer die Auswirkungen des Albums davor abarbeiten“, ergänzt Björn Both. „Dabei merkt man auch, was bei den Fans gut ankommt, was nicht so zieht und damit, was auf das nächste Album kann. Und dann hängt das ganz stark von unseren Produzenten ab, die nach wie vor Urheber dieser ganzen Idee sind. Viel kommt deshalb von den Elefanten (gemeint ist das Team von Elephant Music), und wenn einer von uns was zu melden hat, wird das mit in den Topf geworfen.“

„Am Ende haben wir 20 Songs aufgenommen, von denen aber nur 13 auf dem Album gelandet sind“, erklärt Andreas Fahnert. „Diesen Luxus hatten wir beim letzten Album nicht“, so Both, „weil wir da Spitz auf Knopf waren und uns selbst etwas unter Druck gesetzt und zu früh abgegeben hatten.“

„Schön ist, dass das Team dasselbe geblieben ist – von Flensburg bis München, vom ersten bis zu diesem Album“, betont Axel Stosberg. Neben der Kern-Band plus Live-Musiker gehört das Produzenteam von Elephant Music dazu, der Tourneeveranstalter ICS (Wacken!), das Management von „Airforce 1“ mit Joe Chialo, der von Björn Both in den höchsten Tönen gelobt wird und Santiano von Beginn betreut hat. „Es ist ein Vergnügen zu erleben, wie Joe diese Band in solche Sphären bolzt.“ Man wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn man auch nur einen Teil dieser „Super-Gemeinschaft“ in Frage stellen würde. Axel Stosberg erwähnt auch die Texter Frank Ramond, Lucas Hainer und Ali Zuckowski. „Wir könnten allein so ein Album gar nicht schreiben“, so Both.

„Im Auge des Sturms“ sei härter als die früheren Alben, findet Andreas Fahnert. Aber: Man sei sich und der Marke Santiano treu geblieben. „Alles andere“, so Both, „wäre ja auch Hochverrat an den Fans gewesen.“ Das Feuilleton werde bestimmt behaupten, „Santiano wiederkäut sich seit vier Jahren, aber das stimmt ja so nicht“. Und noch einmal betonen alle Fünf die große Rolle von Elephant Music am Erfolg der Band.

Nach fünfeinhalb Jahren scheint die Chemie in der Band immer noch zu stimmen: „Na klar, Erfolg schweißt zusammen“, sagt Björn Both augenzwinkernd. Es gebe eine Verlässlichkeit, es gebe Beständigkeit und Vertrauen innerhalb der Gruppe. „Du darfst auch keine Angst vor Meinungsverschiedenheiten haben“, stellt Timm Hinrichsen klar.

Klare Kante zeigen die Fünf auch bei politischen Inhalten. Wenn in den Texten – manchmal etwas romantisierend – von Freiheit und Brüderlichkeit die Rede ist, seien das oft Metaphern. Man möchte aber auch Begriffe wie Heimat und Kameradschaft aus der rechten Ecke herausholen. Auf den letzten Tourneen nimmt Both sich in jedem Konzert drei bis vier Minuten Zeit für ein flammendes Plädoyer für Freiheit im politischen Sinne. Und ganz klar distanzieren sie sich von allen Bestrebungen, Santiano-Songs für rechte Propaganda zu missbrauchen. „Da nennen wir diese Jungs auch beim Namen und fordern sie auf, das Konzert zu verlassen.“ Da beziehe man eine ganz klare politische Haltung, bekräftigt Hinrichsen.

Mittlerweile gibt es Santiano-Nebenprodukte wie die Musical-CD „König der Piraten“. Dazu sei mittlerweile auch das Hörbuch erschienen, der zweite Teil ist in Arbeit. Bald gehe man wieder in die Sprecherkabinen. Axel Stosberg: „Alles, was wir aus diesem Projekt an Lizenzgebühren einnehmen, geben wir an Kinderprojekte weiter.“

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